Polit-Talkshow

Markus Lanz zu Prien: „Das ist doch nicht Ihr Ernst!“

Bildungsministerin Karin Prien diskutiert mit Markus Lanz über ein Zitat von Friedrich Merz. Dann verliert der Moderator die Geduld.

3 Min
Bundesbildungsministerin Karin Prien verteidigte die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Polit-Talkshow „Markus Lanz“.

Bundesbildungsministerin Karin Prien verteidigte die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Polit-Talkshow „Markus Lanz“.

© dts Nachrichtenagentur/imago

Die jüngste Sicherheitsstrategie von Donald Trump zieht eine klare Trennlinie zwischen den USA und Europa – und hat eine breite Debatte über die Zukunft der transatlantischen Beziehungen ausgelöst. In der Talkshow von Markus Lanz wurde am Dienstagabend deutlich, wie tief die Verunsicherung auf beiden Seiten des Atlantiks sitzt.

Ausgangspunkt der Diskussion war ein Statement von Bundeskanzler Friedrich Merz: „‚America first‘ ist fein, aber ‚America alone‘ kann nicht in eurem Interesse sein. Ihr braucht auf der Welt auch Partner. Und einer eurer Partner kann Europa sein. Und wenn ihr mit Europa nichts anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner.“ Die Formulierung wurde von Gästen der Sendung unterschiedlich interpretiert.

Prien verteidigt Aussage von Friedrich Merz

Bundesbildungsministerin Karin Prien verteidigte den Kanzler und hob dessen diplomatische Zurückhaltung hervor: „Zunächst mal hat der Kanzler, was ich sehr gut finde, sehr gelassen auf das Papier reagiert und springt da nicht über jedes Stöckchen.“ Sie sieht in der Aussage kein Signal für eine Abkopplung von Europa, sondern eine pragmatische Öffnung gegenüber Washington. „Mit mir kannst du arbeiten, wenn du die EU so schlimm findest“, so Prien.

Moderator Markus Lanz wurde sichtlich ungeduldig und warf ein, Trump wolle gezielt Europa politisch und strategisch spalten: „Das ist doch nicht Ihr Ernst! Wir haben doch gerade darüber gesprochen, dass Trump genau das will – Europa zu spalten.“ Die Journalistin Eva Quadbeck schloss sich Lanz an und bezeichnete die Formulierung als „brandgefährlich“. Ihrer Ansicht nach erfüllt Merz damit genau das, was Trump sich wünsche: einzelne Länder aus dem europäischen Verbund zu lösen, um mit ihnen gesonderte Abkommen zu schließen. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf Delegationsreisen europäischer Politiker, darunter Abgeordnete der AfD, die in den USA direkte Ansprechpartner suchten und dort „große Versprechungen“ machten. „Das ist keine theoretische Gefahr, sondern ein laufender Prozess“, so Quadbeck.

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„Wir sollten aufhören, so zu tun, als hätten wir eine Sandkasten-Bundeswehr“

Der ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen bewertete die neue US-Sicherheitsstrategie als „eine Art Scheidungsurkunde für die Nato“. Er hält es für möglich, dass die USA Europa vor die Wahl stellen könnten: entweder weiter an der Seite der USA oder als eigenständiger, dann aber „konkurrierender“ sicherheitspolitischer Akteur. „Europa braucht jetzt selbst eine klare Strategie“, sagte der ZDF-Korrespondent.

Die Militärexpertin Florence Gaub widersprach der Einschätzung, Europa sei sicherheitspolitisch machtlos. Sie verwies auf die Stärke der europäischen Streitkräfte innerhalb der Nato und erklärte, dass das Hauptproblem nicht fehlende Fähigkeiten, sondern mangelnde Koordination sei. „Wir sollten aufhören, so zu tun, als hätten wir eine Sandkasten-Bundeswehr“, sagte sie. „Der amerikanische Präsident sagt: Ihr könnt ruhig mehr Selbstbewusstsein haben. Das ist doch ein Kompliment.“ Lanz reagierte darauf skeptisch, doch Gaub blieb bei ihrer Sichtweise.

Abschließend äußerte Quadbeck Zweifel an der tatsächlichen Einsatzfähigkeit der europäischen Streitkräfte und verwies auf einen grundlegenden Mangel an politischer Geschlossenheit. „Wir haben keinen Mangel an Potenzial, sondern an politischer Geschlossenheit“, so die Journalistin.

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