BERLIN, 3. Oktober. Martin Dwyer genoss es sichtlich, das Bad in der Menge. Soeben hatte er das den Wettkampftag einleitende Rennen der zweijährigen Sieglosen über die Distanz von 1600 Metern gewonnen, da ließ er es sich nicht nehmen, am Wegesrand lächelnd Autogramme zu schreiben. Zu schön war der erste Erfolg für ihn, hatte er doch das Feld auf Le Medaaly dominiert und die Konkurrenz mit einem Start-Ziel-Sieg und einem Vorsprung von drei Längen deklassiert. Seine eigentliche Aufgabe an diesem Tag sollte aber erst drei Stunden später folgen. Dann nämlich fand der Höhepunkt des Tages statt, der mit 55 000 Euro dotierte Große Preis der Deutschen Einheit, ein internationales Gruppe-III-Rennen, die höchste Klasse im Galoppsport.Gerd Zimmermann aus Pulheim, Inhaber des nach einer seiner Töchter benannten Stalls Jenny, hat Dwyer extra für solche Rennen unter Vertrag genommen. Der 28-jährige Engländer gilt nämlich als einer der Jockey-Stars, die Erfolg garantieren. Seit zehn Jahren ist er in der Jockey-Gilde tätig, in England ist er sehr populär. 112 Gruppe-Rennen bestritt Dwyer bisher in seiner Karriere, 14 davon siegreich. Da in England mehr als in Deutschland geritten wird, sammelte er in den Jahren seiner Karriere viel Erfahrung. Erfahrung, von der Zimmermann mit seinem etwa 20 Pferde umfassenden Stalls unter der Leitung von Erfolgstrainer Mario Hoffer auch bei hochklassigen internationalen Rennen profitieren wollen.Nach Dwyers enttäuschendem Auftritt in Baden-Baden Anfang September, wo es für ihn nur zu einem neunten Platz außerhalb der Geldränge reichte, hatte er sich für Hoppegarten viel vorgenommen. Schließlich genießt er die Atmosphäre in Deutschland. "Die Stimmung ist gemütlicher", sagt Dwyer. In England wird dem Sport auch von seiten der Zuschauer viel eifriger nachgegangen, hier begeistert ihn das fast familiäre Drumherum. Doch auch in Deutschland müssen für ihn Erfolge her, Siege sind schließlich sein Beruf. Und so hielt er beim Großen Preis der Deutschen Einheit Wort.Eine Länge VorsprungNachdem er schlecht aus der Box startete, tat er sich zunächst auf Zimmermanns Omikron schwer, ins Rennen zu kommen. Anstatt planmäßig anzugreifen, lief er nur mit der Konkurrenz mit. Das Tempo machten andere. Paul Roberts auf Mariella und Ian Fergusen auf Salonhonour liefen vorneweg. In der Zielkurve aber erhöhte Dwyer das Tempo und zog auf der Ziegeraden mit einem fulminanten Endspurt den Konkurrenten davon. "Zimmermanns Pferde lassen sich hervorragend Reiten, gehen gut und sind schnell", erklärte er anschließend seine heutige Siege. Denn auch in diesem Rennen bestätigte Dwyer auf den Dreijährigen Omikron mit einer Länge Vorsprung souverän seine Favoritenrolle vor Anna Victoria und Salonhonor, die auch durch das Zielfoto nicht zu trennen waren und so im toten Rennen beide Zweite wurden."Das war zwar nicht ganz unsere Taktik, heute aber hat es ausgereicht", sagte anschließend ein sichtlich zufriedener Adrian Lange. Er vertrat die in Paris beim Prix de l'Arc de Triomphe verweilenden Zimmermann und Hoffer in Berlin. Von den eigentlichen Konkurrenten Frühlingssturm und Sweet Wake hingegen war nichts mehr zu sehen. "Anscheinend stimmte die Distanz nicht", vermutete Lange. Umso erfreulicher, dass der Krefelder Omikron mit diesem Sieg seinen Aufwärtstrend in dieser Saison bestätigen konnte. Nach einem dritten Rang im Deutschen Derby und einem zweiten Platz im Kölner Oppenheimer-Union-Rennen krönte Omikron mit diesem Sieg seine gute Saisonleistung. Und ebenso Martin Dwyer, konnte er doch nun nocheinmal in das Bad der Menge zurück.------------------------------Foto: Fulminanter Endspurt: Martin Dwyer auf Omikron (vorne l.) enteilt der Konkurrenz.
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