Eine Muh", sagt ein kleines Mädchen und zeigt auf einen Hügel an der Havemannstraße. Die Mutter verbessert: "Ein Hirsch." "Hirss" wiederholt die Kleine. Sie staunt. An der vielbefahrenen Straße steht seit Mitte Oktober tatsächlich ein Hirsch, allerdings aus Beton. Entworfen wurde die lebensgroße Skulptur vom Potsdamer Bildhauer Jörg Schlinke. Drei weitere Betonhirsche finden sich vor den Plattenbauten an der Schorfheidestraße. Dort, wo einst elf- und sechsgeschossige Häuser standen, ist eine Schorfheide-Landschaft mit Hügeln, Kiefern und Gräsern entstanden. Gebaut hat sie für 830 000 Euro die Wohnungsbaugesellschaft Degewo. Die Idee mit den Hirschen stammt aus dem Kiez, das Geld aus dem Programm Stadtumbau Ost.Für Norbert Lüdtke (Linke), Marzahn-Hellersdorfs Stadtrat für ökologische Stadtentwicklung, gehören solche Projekte zum Stadtumbau: "Von Anfang an hat der Bezirk die Kunst im öffentlichen Raum als einen Bestandteil vorgesehen." Mehr als 5 000 Wohnungen wurden in den vergangenen sieben Jahren in Marzahn und Hellersdorf abgerissen, damit die Viertel wegen des Wohnungsleerstands nicht verwahrlosen. Wo einst diese Häuser waren, gibt es jetzt Parks, Spielplätze, Gärten und Kunstobjekte.Kunst auf Straßen und Plätzen, an Hausfassaden und in öffentlichen Einrichtungen hat im Plattenbaubezirk Tradition. Bereits beim Aufbau von Marzahn ab 1977 wurden dort Kunstwerke installiert. Diese sollten Farbe in die Viertel bringen. Denn diese fehlte den meist grauen oder ockerfarbenen Plattenbauten. Es gab Wandmalereien, Mosaike in Kitas und zahlreiche Plastiken. Von den insgesamt 462 verzeichneten Werken sind noch 295 erhalten, das ergab eine Recherche der bezirklichen Kommission für Kunst im öffentlichen Raum.Auch nach der Wende wurde in Marzahn und Hellersdorf weiterhin auf Kunst gesetzt. Nicht ganz uneigennützig. Denn Mitte der 1990er-Jahre begann die Wegzugswelle. Einwohner zogen dorthin, wo sie Arbeit fanden oder bauten sich ein eigenes Häuschen im Grünen. Die Plattenbaugebiete bekamen das Image einer tristen Gegend. Wohnungseigentümer wie Stadt und Land in Hellersdorf und die Degewo in Marzahn versuchten dieser Wahrnehmung gegenzusteuern - allerdings nur teilweise mit Erfolg. Wohnungen wurden modernisiert, Häuser bunter. Aus dieser Zeit stammen riesige Obelisken und Vasen auf den Hausdächern an der Zossener/Teupitzer Straße oder Plastiken mit Blumenmotiven im Marzahner Westpark nahe der Kemberger Straße. 2007 sollte in Hellersdorf Fassadenmalerei auf höchstem Niveau entstehen - ein Europaviertel mit Motiven aus 45 Ländern, gemalt von der weltberühmten Gruppe Cité Creation aus Lyon. Doch nur das deutsche Haus ist fertig, der Investor ging pleite.Einen Kilometer entfernt sind, noch hinter Planen, riesige Sonnenblumen am Doppelhochhaus Zossener Straße 66/68 zu entdecken. Das Gebäude mit 88 Wohnungen gehört der Wohnungsgenossenschaft Grüne Mitte. Es bekomme großzügige Loggien und eine moderne Wärmedämmung, sagt Vorstand Andrej Eckhardt. "Die Sonnenblumen sind das Tüpfelchen aufs i." Die künstlerisch gestaltete Fassade kostet 44 000 Euro mehr als eine herkömmliche. Für Eckhardt ist das gut angelegtes Geld: "Den Mietern gefällt's." Und vielleicht auch anderen. Denn die Genossenschaft hat eine Leerstandsquote von rund neun Prozent - Werbung tut not. Als Vermieter im Plattenbaugebiet müsse man mehr tun als in Prenzlauer Berg oder Kreuzberg, so Eckhardt. Deshalb sei schon das nächste Projekt geplant: Auf einem Wohnblock sollen sich Strichmännlein tummeln - Cartoon auf Platte.------------------------------Foto: Vasen und Obelisken auf Hausdächern an der Zossener Straße Foto (2): Katze und Vögel am "deutschen Haus" an der Quedlinburger StraßeFoto: Helfen zwischen Himmel und Erde heißt die Skulptur vor der Feuerwache am Kummerower Ring - ein stilisierter Feuerwehrschlauch und eine Leiter.Foto: Hirsch im Gras in der Schorfheidestraße, wo einst Plattenbauten standen. Mit Kunst im öffentlichen Raum sollen in Marzahn und Hellersdorf Viertel aufgewertet werden.Foto: Sonnenblumen auf grünem Grund entstehen derzeit am Doppelhochhaus Zossener Straße.
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