Mauer-Kreuze am Checkpoint Charlie sollten schon weg sein, doch Senatorin Junge-Reyer hat frei

Die K-Frage wird nach dem Urlaub geklärt

Uwe Aulich
4 Min

Ein Wallfahrtsort sind die 1 065 Mauerkreuze beiderseits der Friedrichstraße nahe dem ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie in diesen Tagen nicht gerade. Die wenigen Blumen, die dort liegen, sind längst verwelkt, die Kränze vertrocknet. Immer wieder bleiben aber ein paar Touristen an der weiß getünchten Mauer und vor den Kreuzen stehen, um sich die Erklärungen auf den Tafeln am Boden durchzulesen. Dann ein kurzer Blick auf die dunkel gestrichenen Kreuze - und weiter gehen sie die Friedrichstraße lang. Bezirk will keine neue BracheObwohl der Pachtvertrag von Alexandra Hildebrandt für die beiden Grundstücke an der Zimmerstraße am 31. Dezember ausgelaufen ist, steht ihr selbst gestaltetes und privates Mauer-Mahnmal immer noch. Die Chefin des Museums am Checkpoint Charlie beruft sich dabei auf Aussagen des Bürgermeisters von Mitte und CDU-Landeschefs Joachim Zeller, dass es dort nach dem Abbau der Installation nicht wieder eine Stadtbrache geben dürfe. Ursprünglich hatte sich Alexandra Hildebrandt gegenüber dem Bezirk verpflichtet, die Kreuze und die Mauer bis zum 1. Januar 2005 wieder abzubauen. Was jetzt aus den umstrittenen Mauerkreuzen wird, ist unklar. "Ich versuche, so viel Geld zusammenzukriegen, um die Grundstücke zu kaufen", sagt Alexandra Hildebrandt. Wie hoch der Preis sein könnte, weiß sie nicht. Gleichzeitig verhandelt Hildebrandt mit der Bankaktiengesellschaft in Hamm (BAG), die das Grundstück zusammen mit einem Insolvenzverwalter verwaltet, über eine Verlängerung des Pachtvertrages. "Der Bank darf die Geschichte dieses Areals nicht egal sein. Ich hoffe, dass die Kreuze stehen bleiben", sagt Hildebrandt. Das aber wollen weder der Berliner Senat noch der Bezirk. So waren sich Bürgermeister Zeller und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) schon im Dezember einig, dass die Installation so wie bisher nicht genehmigungsfähig ist. Der Senat sieht deshalb nach dem Ablauf der Frist den Bezirk in der Pflicht, etwas gegen die Kreuze zu unternehmen. "Die Senatorin kommt am Mittwoch aus dem Urlaub zurück, dann wird der Fall noch einmal mit dem Bezirk besprochen", sagte gestern Junge-Reyers Sprecherin Manuela Damianakis. Zeller wiederum will sich die Verantwortung nicht zuschieben lassen. Zumal Kultursenator Thomas Flierl (PDS) befürworte, dass die Mauerteile so lange stehen bleiben, bis ein Gedenkstättenkonzept für Berlin vorliegt. Zeller geht die Sache pragmatisch an: Weil es derzeit keinen besseren Vorschlag für das Gelände gebe, sollte die Installation erst einmal erhalten bleiben. "Eine neue Müllhalde an dieser Stelle kann sich niemand leisten", sagt er. Jetzt müsse der Grundstückseigentümer entscheiden. Ob es Verhandlungen über eine Verlängerung des Pachtvertrages mit Frau Hildebrand gibt oder ob man die Mauerreste selbst abräumt, beantwortet die Bankaktiengesellschaft nur mit den Worten: "Kein Kommentar". Sie verweist dabei auf das Bankgeheimnis. In einer Erklärung vom Dezember teilt sie aber mit, "dass die derzeitige Nutzung des Grundstücks - schon allein aus wirtschaftlichen Gründen - kaum zukunftsweisend sein kann". Eine Veräußerung des Grundstücks werde nur zu marktüblichen Bedingungen erfolgen, teilte die BAG mit. Getarnt als Kunstaktion, hatte Alexandra Hildebrandt Anfang November die 120 Mauerteile aufstellen lassen. Der Bezirk verzichtete dafür auf ein förmliches Genehmigungsverfahren. Bürgermeister Zeller musste nach der Eröffnung des Mahnmals aber einräumen, dass man von den Holzkreuzen nichts gewusst habe und deshalb etwas "blauäugig" gewesen sei. Kritiker der Mauer-Aktion sprachen sogar von einem "Disneyland" an der Friedrichstraße, weil die Mauerteile nicht am authentischen Ort stehen. Mit ihrem Mauer-Mahnmal hat Hildebrandt zumindest den Anstoß gegeben, dass in Berlin über ein würdiges Gedenken an die Maueropfer diskutiert wird. Im Senat wird derzeit ein Konzept erarbeitet, wie die verschiedenen Mauer-Denkmäler in der Stadt miteinander verknüpft werden können. Ob dabei Hildebrandts umstrittene Installation eine Rolle spielt, ist offen. Frühestens im Sommer soll das Konzept vorliegen.------------------------------"An diesem geschichtsträchtigen Ort Checkpoint Charlie muss die Bank Verantwortung übernehmen." Alexandra Hildebrandt------------------------------Foto: Disneyland oder Denkmal? Vor zwei Monaten wurde an der Zimmerstraße die Mauer wieder aufgebaut, die Holzkreuze sollen an die Mauertoten erinnern.

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