1 - Lübars. Polizeimeisterin Kopatz geht Streife auf dem ehemaligen Mauerstreifen. Im Norden Berlins fühlt man sich wie bei Fontane: Wiesen, Schafe, Landschaft. Überreste des einstigen antifaschistischen Schutzwalls findet man hier nicht mehr.2 - Bornholmer Brücke. Sie heißt heute Bösebrücke. In der Nacht des 9. November 1989 wurde hier der erste Schlagbaum geöffnet. Tausende Berliner drängten sich jubelnd in den anderen Teil der Stadt.3 - Bernauer Straße. Makbule Tanriverdi (l. ) verließ 1979 Berlin in Richtung Türkei. 22 Jahre danach sucht sie die Berliner Mauer. Dort hatte sie oft mit ihrer Freundin Gülea Doganay (r. ) gespielt.4 - Kieler Straße. Der Turm erinnert an den ersten Mauertoten, Günter Litfin. Er starb am 24. 8. 61 beim Versuch, den Humboldthafen zu durchschwimmen.5 - Potsdamer Platz. Die unauffällige Markierung des einstigen Mauerverlaufs wird nur von wenigen Passanten wirklich wahrgenommen. Hin und wieder endet hier der Streifen auch vor einem Bauzaun.6 - Sebastianstraße. Oktay Kilinc schoss als Kind viele Fußbälle aus Versehen nach Ost-Berlin. Aber es kam nie einer zurück, sagt der 27-Jährige.7 - East Side Gallery. Raus aus dem Reisebus, ran an die Mauer. Hier wird auf 1,3 Kilometern Mauermarketing für die Touristen betrieben. Wer nicht dazugezählt werden will, wechselt die Straßenseite.8 - Kolonie "Daheim". Der Weg, auf dem der 80-jährige Heinz Jacobetz heute spazieren geht, war früher der Todesstreifen, auf dem Grenzer patrouillierten. Eine Gartenreihe lag komplett im Grenzgebiet.9 - An der Rudower Höhe. Die Natur erobert ein Bollwerk zurück. Zwischen Sträuchern steht das längste zusammenhängende Stück Hinterlandmauer im Originalzustand. Es steht nicht unter Denkmalschutz.10 - Grenzstreifen in Waltersdorf. 43,1 Kilometer lang ist die ehemalige "Sektorengrenze". Mit dem Rad ist die Strecke meistens gut zu bewältigen.270 TOTE // Die Berliner Mauer war rund 160 Kilometer lang. Sie durchquerte 24 Kilometer Wasserwege, 30 Kilometer Wald und 43 Kilometer Stadtgebiet. Die Mauer unterbrach acht S-Bahn-Linien, vier U-Bahn-Stränge sowie 193 Haupt- und Nebenstraßen.Die Grenzanlagen wurden rund um die Uhr gesichert. In Berlin spähten bewaffnete Soldaten von 300 Beobachtungstürmen nach "Grenzverletzern". Die Sperranlagen hatten zuletzt meist mehr als 100 Meter Breite. Diese befestigte Grenzzone war der so genannte Todesstreifen.Signalzäune und eine Hinterlandmauer gab es zusätzlich zu der vier Meter hohen Mauer aus Betonsegmenten. Tiefe Kfz-Sperrgräben sollten das Durchbrechen von Autos verhindern. Zusätzlich wurde die Mauer durch Scheinwerferanlagen und Hunde gesichert.Der Unterhalt der Mauer war für die DDR-Führung kostspielig und eine ständige wirtschaftliche Belastung. Für Grenzanlagen und -bauten wurden knapp 870 Millionen DDR-Mark ausgegeben.DDR-Bürger versuchten trotz der tödlichen Bedrohung immer wieder die Flucht in den Westen. Sie flüchteten durch Tunnel, mit Autos, Schiffen, Flugzeugen oder auch nur Leitern.Am 8. Juni 1962 kaperten zum Beispiel 14 Ost-Berliner ein Fahrgastschiff auf der Spree und überquerten im Kugelhagel den Fluss.Am 29. Juli 1965 schwebte eine Familie aus Leipzig in einer selbst gebastelten Seilbahn vom Dach des Hauses der Ministerien nach Kreuzberg. Dort hatten Helfer das Tau verankert.Am 29. August 1986 durchbrachen drei Ost-Berliner gegen Mitternacht mit einem kiesbeladenen Laster die Sperren am Checkpoint Charlie.Die Staatsanwaltschaft hat 270 Fälle ermittelt, in denen Menschen durch Gewalt an Mauer und Stacheldraht starben. So wurde beispielsweise nur neun Monate vor dem Mauerfall der 20-jährige Chris Gueffroy von Grenzposten erschossen. Er hatte versucht, die Sperranlagen zum Bezirk Neukölln zu überwinden.Der Letzte, dem die Grenze zum Verhängnis wurde, war der 32 Jahre alte Winfried Freudenberg aus Prenzlauer Berg. Mit einem selbst gebastelten Gasballon stürzte er in Berlin-Zehlendorf in den Tod.Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft 13. August starben dagegen durch das DDR-Grenzregime knapp 960 Menschen. Im Gegensatz zur Justiz erfasst die Arbeitsgemeinschaft auch Fälle ohne direktes Fremdverschulden wie etwa Selbstmord bei Entdeckung der Flucht.
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