Geahnt hatten die Spediteure es schon lange, nun haben sie einen glaubhaften Beweis vorgelegt: Mautprellen auf deutschen Autobahnen ist offenbar alles andere als eine Seltenheit. Bei einem von den Spediteuren selbst initiierten großen Test mit absichtlichen Schwarzfahrten sind mehr als 96 Prozent der Mautpreller unentdeckt geblieben. Lediglich fünf von 145 Fahrern wurden als Mautpreller enttarnt. Das ist zweifellos ein katastrophales Ergebnis. Um so verwunderlicher ist die erste Reaktion des Bundesverkehrsministeriums: Ein Sprecher spielte den Test als "weder repräsentativ noch aussagekräftig" herunter. Nach Angaben des Bundes liegt die Beanstandungsquote lediglich unter zwei Prozent.Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe wäre gut beraten, dieser Einschätzung nicht blind zu folgen. Er sollte besser die neuen Erkenntnisse der Spediteure genau prüfen. Selbst wenn er dabei vielleicht seinen inneren Schweinehund überwinden muss. Denn die Spediteure hatten es Stolpe und dem Maut-Betreiber Toll Collect in der heißen Phase der Mauteinführung mit teilweise übertriebener Schwarzmalerei nicht gerade immer leicht gemacht.Doch man muss der Branche auch zugute halten: Sie verfügt über ausreichend praktische Erfahrungen mit der Maut. Die Spediteure haben gleich mehrere Gründe, die Wirksamkeit der bisherigen MautKontrollen in Zweifel zu ziehen. So weiß inzwischen jeder Kraftfahrer, dass er nach Mitternacht auf der Autobahn kaum noch eine Maut-Kontrolle zu befürchten hat. Ausländische Spediteure sind inzwischen sogar so frech, dass sie in Grenzregionen offen ihre Dienste mit dem Hinweis anbieten, der Kunde könne die Mautkosten vom Auftrag abziehen.Dies alles muss aufgeklärt und unterbunden werden. Denn die Dummen sind all diejenigen Spediteure, die ehrlich ihre Maut entrichten und damit einen Wettbewerbsnachteil gegenüber allen Mautprellern haben. Ganz abgesehen davon, dass dem Staat viele Millionen weiterer Mauteinnahmen durch die Lappen gehen. Seite 10
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