Leipzig–Wien

Wie Rembrandt in Amsterdam: Max Klingers „Urteil des Paris“ für alle

Im Leipziger Museum der Bildenden Künste wird Max Klingers berühmtes Symbolismus-Panorama aus dem Wiener Belvedere bald öffentlich zugänglich restauriert.

3 Min
Max Klingers Raumkunstwerk „Das Urteil des Paris“, 1885/87, Langzeit-Leihgabe des Wiener Belvedere ans Leipziger Kunstmuseum und nun bald kooperatives Restaurierungsprojekt.

Max Klingers Raumkunstwerk „Das Urteil des Paris“, 1885/87, Langzeit-Leihgabe des Wiener Belvedere ans Leipziger Kunstmuseum und nun bald kooperatives Restaurierungsprojekt.

© Belvedere Wien

Was können die Amsterdamer, wozu wir nicht auch imstande sind? Das sagen sich die Bildrestauratoren und Kunsthistoriker vom Museum der Bildenden Künste Leipzig und ihre Kooperationspartner vom Wiener Belvedere – und werden kooperativ ein Spitzenwerk des Hausheiligen Max Klinger (1857–1920) in aller Öffentlichkeit restaurieren. Beim „Urteil des Paris“, 1885/87, einst geschaffen als Belvedere- Raumkunstwerk und eine Langzeit-Leihgabe an die Klinger-Sammlung des Leipziger Museums, sollen nun noch weit mehr Kunstinteressierte zugucken können als vor einiger Zeit schon einmal bei den Arbeiten am Klinger-Gemälde „Christus im Olymp“.

Es war bekanntlich ein Riesenspektakel, als das Rijksmuseum Amsterdam, das Nationalmuseum der Niederlande, monatelang Rembrandts kapitale „Nachtwache“ vor aller Augen restaurieren ließ. Ich erinnere mich an das Gedränge, das Stimmengewirr, all die menschlichen Geräusche, welche die stoisch arbeitenden Restauratorinnen und Restauratoren ertrugen. Auch an deren Langmut, mit der sie Fragen beantworteten. Ich bewunderte sie für ihre Nervenstärke inmitten der Menschenmenge, für ihre souveräne Arbeit mit den Hightech-Geräten, für ihre ruhige Pinselführung beim Ausbessern winzigster Schadstellen des fast 500-jährigen Gemäldes.

Nun bereiten die Leipziger und Wiener zusammen ein ähnliches Ereignis vor. Klinger für alle – so lautet das Motto, auch wenn Klingers erotisches Panorama nicht die gleiche Weltberühmtheit hat wie Rembrandts Szene für die Amsterdamer Büchsenschützen-Gilde. Das Interesse ist dem Projekt dennoch gewiss. „Das Urteil des Paris“, auf dem der Leipziger Symbolismus-Meister eine berühmte Sage aus Troja erzählt, soll gereinigt und sorgsam repariert werden, da, wo der Zahn der Zeit zu nagen angefangen hat. Das Motiv stammt aus Homers „Ilias“. Drei Göttinnen halten sich selbst für die Schönste – Athene, Hera, Aphrodite. Zeus legt das Urteil in die Hände des jungen Prinzen Paris, Sohn des trojanischen Königs Priamos. Er wählt die Göttin der Liebe. 

Um 1900 war Max Klinger, was man heute wohl einen Superstar nennt. Der sächsische Symbolist war eine Zentralgestalt der europäischen Kunstszene und wurde der „deutsche Rodin“ genannt. Klinger hatte die Idee des Gesamtkunstwerkes von Richard Wagner aufgenommen und in seine Bilder übertragen. Und er stellte den nackten Körper so dar, wie er naturgegeben ist. Da wurde kaum idealisiert, es gibt nichts Schwülstiges wie in den Bildern anderer Symbolisten wie Böcklin, Franz von Stuck oder Gustave Moreau. Klinger bevorzugte das Authentische, auch bei Darstellungen zu Liebe und Erotik. Dennoch ist da reichlich Rätselhaftes. Diese besondere Gemengelage rechnet die Kunstwissenschaft dem Leipziger inzwischen als wesentlichen Beitrag zur Kunstgeschichte an: die Idee, nicht begrifflich zu fixieren oder direkt auszudrücken, eher sinnverborgen und intuitiv.

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