Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zum Auftakt seiner ersten bekannten Auslandsreise seit Beginn des russischen Angriffskriegs in den USA eingetroffen. Der 44-Jährige wurde am Mittwochnachmittag (Ortszeit) von US-Präsident Joe Biden und dessen Ehefrau Jill mit einem roten Teppich vor dem Weißen Haus in der Hauptstadt Washington empfangen. Biden und Selenskyj begrüßten sich mit Handschlag.
Später gab es eine gemeinsame Pressekonferenz im Weißen Haus, bei der der amerikanische Präsident erneut seine Solidarität unterstrich – auch im Hinblick auf das kommende Jahr. Biden sieht den Freiheitskampf der Ukraine gegen Russland als Teil eines umfassenderen Konflikts: „Wir spüren in unseren Knochen, dass der Kampf der Ukraine Teil von etwas viel Größerem ist“, sagte er. Und weiter: „Das amerikanische Volk weiß, dass die Welt sicherlich mit schlimmeren Folgen konfrontiert wäre, wenn wir angesichts solch unverhohlener Angriffe auf Freiheit und Demokratie und die Grundprinzipien der Souveränität und territorialen Integrität tatenlos zusehen würden.“
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Joe Biden: Russland setzt „Winter als Waffe“ ein
US-Präsident Biden warf Russland vor, im Krieg „den Winter als Waffe“ einzusetzen. Moskau greife während der kältesten und dunkelsten Jahreszeit gezielt die Infrastruktur der Ukraine an. Russland lasse die Menschen hungern und frieren. „Das ist das jüngste Beispiel für die ungeheuerlichen Gräueltaten, die die russischen Streitkräfte an unschuldigen ukrainischen Zivilisten, Kindern und ihren Familien begehen“, sagte er. Die USA würden Kiew weiter mit allen Kräften unterstützen – solange dies notwendig sei. „Sie werden niemals alleine dastehen“, sicherte er zu. Bereits vor dem Besuch hatten die USA die Lieferung eines Patriot-Flugabwehrsystems an die Ukraine bekanntgegeben.
Vor der Pressekonferenz hatte Joe Biden bereits im Oval Office gesagt: „Wir werden weiterhin die Fähigkeit der Ukraine stärken, sich selbst zu verteidigen, insbesondere die Luftverteidigung, und deshalb werden wir der Ukraine Patriot-Raketenbatterien bereitstellen.“ Seine Botschaft an den Gast: „Präsident Selenskyj, die Vereinigten Staaten stehen hinter den tapferen Menschen in der Ukraine.“
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Der ukrainische Präsident bedankte sich „aus ganzem Herzen“ für die Unterstützung der USA. Die Ukraine sei auf dem Schlachtfeld in einer guten Situation „wegen Ihrer Unterstützung“. Bei den Gesprächen mit Biden werde es unter anderem auch um die Energiekrise in der Ukraine gehen.
Selenskyj überreichte Biden die Medaille eines Soldaten. Der ukrainische Kämpfer habe ihn gebeten, die Auszeichnung an Biden weiterzugeben. „Er ist sehr mutig und er sagte, ich solle es an einen sehr mutigen Präsidenten weitergeben.“ Biden bedankte sich. „Unverdient, aber sehr geschätzt“, sagte er.
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Selenskyj landet in US-Regierungsmaschine auf Joint Base Andrews
Selenskyj war am Mittwoch auf dem Militärflughafen Joint Base Andrews unweit der US-Hauptstadt Washington mit einer amerikanischen Regierungsmaschine gelandet. Am Abend amerikanischer Zeit sollte zudem eine Rede Selenskyjs vor dem Kongress stattfinden. Selenskyj hatte bereits im März eine Videoansprache vor dem US-Kongress gehalten. Damals forderte er die Einrichtung einer Flugverbotszone zum Schutz der Ukraine.
Seit Kriegsbeginn am 24. Februar hatte Selenskyj Auslandsreisen gemieden. Für Auftritte auf der politischen Weltbühne – etwa beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau – ließ er sich stets digital aus der Ukraine zuschalten.
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Zweiter Besuch von Selenskyj im Weißen Haus seit Bidens Amtsantritt
Es handelt sich um Selenskyjs zweiten Besuch im Weißen Haus seit Bidens Amtsantritt. Zuletzt hatte der US-Präsident ihn im Sommer 2021 in Washington empfangen. Dem Weißen Haus zufolge sprachen Biden und Selenskyj während eines Telefonats Mitte Dezember erstmals über einen möglichen Besuch in Washington. Später sei dann eine offizielle Einladung erfolgt.
Die USA sind der wichtigste Verbündete im Abwehrkampf der Ukraine gegen die russische Invasion. Seit Beginn der Amtszeit von Präsident Joe Biden im Januar 2021 stellten die USA Militärhilfe für die Ukraine in Höhe von knapp 22 Milliarden US-Dollar bereit. Die US-Regierung hatte früh öffentlich vor einem Angriff Russlands auf die Ukraine gewarnt und sich dabei auf Geheimdienstinformationen berufen. Seit Beginn der Invasion haben die USA und ihre Verbündeten Russland mit harten Sanktionen belegt.
Der Kreml hatte bereits vor Selenskyjs Ankunft in den USA vor einer Verschärfung des Ukraine-Konflikts gewarnt – und kündigte eine weitere Aufrüstung der russischen Armee an: mit mehr Geld, mehr Soldaten und moderneren Waffensystemen. Selenskyj hatte betont, Ziel seines Besuchs in Washington sei die Stärkung der Stabilität und Verteidigungsfähigkeit der Ukraine.
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