Mediziner in der Hauptstadt erhalten in den ersten drei Monaten 32 Prozent mehr Honorar Folge der Gesundheitsreform / Krankenkassen: Ärzteprotest "reine Panikmache"

Berliner Ärzte machen Kasse

Eva Dorothée Schmid Daniel Baumann
3 Min

BERLIN. Die Berliner Ärzte sind die Gewinner der umstrittenen Honorarreform. Die niedergelassenen Mediziner in der Hauptstadt erhalten für die ersten drei Monate des laufenden Jahres durchschnittlich 32 Prozent mehr Geld als vor einem Jahr. Diese Zahl hat gestern die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) veröffentlicht. Die Senatsgesundheitsverwaltung begrüßte den Aufschlag. "Mit der Honorarreform wurden Ungerechtigkeiten der Vergütung beseitigt. Es wurde Zeit, dass die Arbeit der Berliner Ärzte entsprechend honoriert wird, davon profitieren am Ende auch die Patienten", sagte Staatssekretär Benjamin Hoff. Ein Berliner Arzt erhielt im Durchschnitt bislang rund 145 000 Euro Honorar im Jahr.Die Berliner Ärzte haben bisher im bundesweiten Vergleich am schlechtesten verdient. "Das ist ein Riesenschritt aus unserer Rolle als Träger der roten Laterne heraus", sagte der Vize-Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin, Uwe Kraffel. Die Höhe des Honorarplus hat ihn aber überrascht. "Wir haben 12 Prozent erwartet, dass es soviel mehr wird, war uns nicht klar." Berliner Hausärzte erhalten demnach im Schnitt 28 Prozent mehr Honorar, bei den Fachärzten in der Hauptstadt falle die Steigerung etwas geringer aus. Die großen Gewinner seien die Psychotherapeuten mit einem Plus von 40 Prozent. Allerdings haben die Ärzte bisher noch nichts von ihrem Glück. Die Zahlungen erfolgen laut Kraffel erst Mitte August.Bundesweit erhalten die Ärzte mit eigener Praxis für das erste Quartal 7,8 Prozent höhere Honorare. Die Budgets sind mit Ausnahme Baden-Württembergs überall üppiger als noch vor einem Jahr. In Brandenburg legten die Ärzte-Honorare im Schnitt um 8,9 Prozent zu.Von den höheren Zahlungen profitieren im Bundesgebiet drei Viertel der Ärzteschaft. Der Rest muss Einbußen hinnehmen. Berliner Ärzte profitieren laut Kraffel stärker als andere, weil die Behandlung von Krebs- und HIV-Kranken sowie Sterbenden in Berlin bereits vor der Honorarreform ambulant erbracht, jedoch nur teilweise vergütet wurde. Nun werde dies honoriert, während in anderen Regionen diese Leistungen weiter Sache der Krankenhäuser seien.Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeigte sich gestern zufrieden mit den Ergebnissen der Honorarreform. Nun müssten dort Korrekturen vorgenommen werden, wo Ärzte benachteiligt würden, sagte KBV-Chef Andreas Köhler.Die Kassen forderten die Ärzte auf, zur Sachlichkeit zurückzukehren. Die Zahlen entlarvten den Protest der Ärztefunktionäre als "reine Panikmache und haltlosen Populismus auf Kosten der Patienten", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg. Von der Ärzteschaft erwarte er, dass Patienten nun wieder ordentlich versorgt würden. Aus Protest waren Patienten abgewiesen und Praxen geschlossen worden.Kommentar Seite 4, Wirtschaft Seite 9------------------------------"Es darf jetzt nicht mehr über Geld geredet werden." Wolfram Candidus, Patientenvertreter

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