Der Golfstrom und andere Meeresströmungen im Atlantik, die dem Norden Wärme bringen, schwellen innerhalb eines Jahres mehrfach an und wieder ab. Ihre Stärke schwanke um bis zu 50 Prozent, berichtet ein Team um Stuart Cunningham und Torsten Kanzow vom National Oceanographic Centre in Southampton. Im Wissenschaftsmagazin Science schreiben sie, dass die atlantischen Ozeanströmungen durchschnittlich 18,7 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde nach Norden transportieren - das ist etwa hundertmal so viel Wasser, wie der Amazonas an seiner Mündung führt.Die Strömungsintensitäten ermittelten die Ozeanografen mithilfe von Sonden, die sie im Februar und März 2004 am Meeresboden verankerten und von März bis Mai 2005 wieder einholten. Die Messgeräte waren entlang einer gedachten Linie aufgereiht, die den Atlantik nahe 26,5 Grad nördlicher Breite zwischen Florida und den Kanarischen Inseln quert.Anhand ihrer Studie können die Forscher um Cunningham und Kanzow jetzt ein irritierendes, einzelnes Messergebnis vom April 2004 erklären. Damals hatten die Atlantikströmungen etwa ein Drittel weniger Wasser transportiert als bei Messungen in den Jahren 1981, 1992 und 1998. Manche Klimaforscher sahen sich daraufhin in ihrer Befürchtung bestätigt, dass die Erderwärmung einen Teil der Strömungen schon bald zum Erliegen bringen könnte. Doch die neue Untersuchung zeigt klar, dass die Abschwächung nur eine kurzfristige Schwankung war. Derzeit deute nichts darauf hin, dass die nach Norden gerichteten Strömungen im Atlantik nachlassen würden, schreiben die Autoren der neuen Studie.Falls man künftig wieder einmal das Nachlassen von Atlantikströmungen beobachten sollte, müsse man vor einem abschließenden Urteil sogar mehrere Jahrzehnte warten. Das schreibt John Church vom Forschungszentrum CSIRO in Hobart auf Tasmanien in einem Kommentar in Science. Denn die Meeresströmungen variieren nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. (st.)Science, Bd. 317, S. 892, 935, 938
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