Die Oberflächentemperatur von Nord- und Ostsee ist in der letzten Juniwoche vergleichsweise schnell gestiegen. Das teilte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit. Im Flächenmittel legte die Meeresoberflächen-Temperatur zwischen dem 21. und 28. Juni in der Nordsee um 1,9 Grad Celsius und in der Ostsee um 3,4 Grad Celsius zu.
„Damit hat sich der Trend der saisonalen Erwärmung während der Hitzewelle beschleunigt“, sagte ein Sprecher der Behörde. Besonders ausgeprägt sei die Entwicklung in Küstennähe. Nach BSH-Angaben stieg die Temperatur im genannten Zeitraum in der Nordsee von 15,7 auf 17,6 Grad Celsius, in der Ostsee von 15,9 auf 19,3 Grad Celsius. Die Werte werden täglich über Satellitenfernerkundung für die gesamte Meeresfläche berechnet.
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Erwärmung der Ostsee hat drastische Folgen
„Auf einer Zeitskala von Tagen bis Wochen ist es vor allem das lokale Wettergeschehen, welches die Meeresoberflächen-Temperatur prägt“, erklärte der Sprecher. Der aktuelle Anstieg sei im Wesentlichen auf die Hitzewelle und die starke Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Zusätzlich könnten Meeresströmungen wärmeres oder kälteres Wasser transportieren. Überlagert werde dies vom langfristigen Erwärmungstrend, der auf die menschengemachte Klimaerwärmung zurückzuführen sei.
Für die Nordsee wertet das BSH die Meeresoberflächen-Temperaturen seit 1969 aus. Im Mittel über die gesamte Fläche und im Jahresdurchschnitt hat sich die Nordsee seither um etwa 1,3 Grad Celsius erwärmt, davon rund 0,5 Grad seit 2005. Für die Ostsee liegen flächendeckende Analysen seit 1990 vor. In diesem Zeitraum stieg die Durchschnittstemperatur nach Angaben der Behörde um etwa 2,1 Grad Celsius, davon rund 1,3 Grad seit 2005.
Höhere Temperaturen haben nach Angaben des BSH Auswirkungen auf das Ökosystem im Meer. So begünstigten sie das Wachstum von Algen, deren Zersetzung Sauerstoff verbrauche, der dann Fischen fehle. Beim Hering der westlichen Ostsee bringe der Temperaturanstieg zudem die Nachwuchsentwicklung durcheinander: Nach Angaben von Fachleuten schlüpfen die Larven durch spätere und wärmere Winter früher, noch bevor eine ausreichende Nahrungsgrundlage vorhanden ist.
Die Erwärmung der Ostsee führt zu gravierenden ökologischen und gesundheitlichen Folgen. Wassertemperaturen, die bereits 1,5 bis 1,9 Grad Celsius über dem Niveau der 1990er Jahre liegen, senken den Sauerstoffgehalt. Dies begünstigt die Ausbreitung von sauerstofffreien „Todeszonen“ und das Wachstum gesundheitsgefährdender Bakterien. Auch heimische Fischarten leiden darunter. Auch Seegraswiesen, die als wichtige Kinderstube für Jungfische dienen, werden durch Hitzeperioden stark geschädigt.
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