Nach einem Interview in den ZDF-Kindernachrichten „logo!“ sind beim Fernsehrat des Senders innerhalb von fünf Tagen mehr als 100 Beschwerden eingegangen.
Im Zentrum der Kritik steht das Interview mit dem sachsen-anhaltischen Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (AfD). Die meisten Zuschriften bemängeln, dass ein AfD-Politiker in einer Kindersendung zu Wort kommt, wie das Büro des Aufsichtsgremiums dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Mainz mitteilte.
Genaue Zahlen nannte das Gremium nicht, weil sie sich noch ändern könnten. Das ZDF hingegen verteidigt die Sendung und beruft sich auf seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag.
Über 100 Beschwerden beim ZDF-Fernsehrat in fünf Tagen
Der Fernsehrat ist das oberste Kontrollgremium des ZDF. Bei ihm ging nach Angaben des Gremienbüros eine „niedrige dreistellige Zahl an Zuschriften“ ein.
Die Beschwerden beziehen sich auf die „logo!“-Ausgabe vom dritten September. Überwiegend richten sie sich gegen den Auftritt Siegmunds in einer Sendung für Kinder.
Für die Sendung hatte die frühere Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt, Lucienne Balke, zwei Politiker befragt: neben Siegmund auch den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU). Beide bekamen weitgehend dieselben Fragen. Ihre Antworten schnitt die Redaktion in einem Beitrag gegeneinander.
Wie der Moderator die AfD in der Sendung einordnete
In der Abmoderation stellte „logo!“-Moderator Sherif Rizkallah klar, dass die AfD „sehr umstritten“ sei. Die Entscheidung für das Interview begründete Rizkallah mit den Umfragen. Die AfD liege in Sachsen-Anhalt seit einiger Zeit deutlich vorn, viele Menschen im Land unterstützten die Partei, die dort eine große Rolle spiele.
Das ZDF verteidigte die Sendung mit Verweis auf die politische Realität und den öffentlich-rechtlichen Auftrag von „logo!“, Kindern Orientierung bei aktuellen und gesellschaftlich relevanten Themen zu geben.
Bereits vor der Ausstrahlung meldete sich Constanze Knöchel zu Wort, die Leiterin der „logo!“-Nachrichten. „Am Ende orientieren wir uns nicht an der Frage, welcher Shitstorm droht, sondern an unserem Auftrag: Kinder brauchen verlässliche Informationen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Auch dann, wenn es unbequem wird“, schrieb sie in einem Beitrag auf LinkedIn.
Nicht der erste AfD-Auftritt bei „logo!“ in der Kritik
Der Widerspruch kam nicht nur aus dem Publikum. Neben Debatten in sozialen Netzwerken verurteilte auch das Internationale Auschwitz Komitee den Auftritt des AfD-Spitzenkandidaten.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein AfD-Auftritt bei „logo!“ für Kritik sorgt. Schon bei einer früheren Sendung zur Wahl von Friedrich Merz zum Bundeskanzler im vergangenen Jahr kam mit AfD-Chef Tino Chrupalla ein Vertreter der Partei zu Wort.
Eine Reporterin hatte mehrere Politiker zum weiteren Vorgehen befragt, darunter Franziska Brantner (Grüne), Ralf Stegner (SPD), Jan van Aken (Linke) und Chrupalla. „Herr Merz muss sich schon um seine eigenen Mehrheiten kümmern“, sagte Chrupalla damals in der Sendung.
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Damals schrieb das ZDF dieser Redaktion auf Anfrage: „Als Nachrichtenmagazin für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren erklärt ‚logo!‘ politische Prozesse zielgruppengerecht und stellt unterschiedliche Positionen dar, um eine Meinungsbildung zu ermöglichen“. In der aktuellen Berichterstattung setze sich die Sendung „auch kritisch mit Meinungen der AfD auseinander und ordnet diese ein“.
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