Mehr als doppelt so viele Rettungseinsätze wie an anderen Tagen / Restaurant Wannsee-Terrassen brannte ab

Die Feuerwehr hatte kein ruhiges Fest

Lutz Schnedelbach
3 Min

Weihnachten war für Berlins Feuerwehrleute kein ruhiges Fest. Vor allem die glatten Straßen bescherten den Wehrleuten zusätzliche Arbeit. Im Durchschnitt mussten täglich rund 600 Verletzte betreut und mit Rettungswagen in Krankenhäuser gebracht werden. Das sind 200 Verletzte mehr als an anderen Tagen. Allein in den Rettungsstellen der Charité sowie des Virchow-Klinikums wurden einige hundert Notfallpatienten behandelt. Die Feuerwehr musste aber nicht nur Verletzten helfen, sondern auch 55 Klein- und mittlere Brände löschen. Es brannten Fernseher und Adventsgestecke sowie ein Weihnachtsbaum in der Kirche im Martin-Luther-King-Weg in Buckow. Am schlimmsten wüteten die Flammen am Wannsee, wo sie eines der bekanntesten Ausflugslokale in der Hauptstadt vernichteten. Anwohner bemerkten RauchNach dem Großbrand in der Bismarckstraße am Vorweihnachtsabend, bei dem, wie berichtet, zwei Frauen starben, hat die Polizei die Unglücksursache noch nicht ermittelt. Nähere Informationen werden am Donnerstag erwartet.Seit dem ersten Feiertag gibt es die Wannsee-Terrassen nicht mehr. Das traditionsreiche Haus am Wannseebadeweg brannte bis auf die Grundmauern ab. Ein Koch des Restaurants wurde dabei verletzt. Er kam mit Verdacht auf Rauchvergiftung in ein Krankenhaus. Die Brandursache ist noch ungeklärt. Nach ersten Schätzungen entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Bewohner von Schwanenwerder hatten am Morgen Rauch bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Mehr als 50 Männer, ein Wasserwerfer und vier große Tankfahrzeuge sowie fünf Löschautos waren nötig, um die Flammen zu löschen. Kurz darauf suchten Brandexperten des Landeskriminalamtes im Schutt nach Spuren, um die Ursache für das Feuer zu finden. Über die Ergebnisse ihrer Ermittlungen wurde nichts bekannt. Offenbar geht die Polizei nicht von Brandstiftung aus. Dafür gebe es bislang keine Hinweise, sagte ein Beamter. Abschließende Ergebnisse der Untersuchungen werden erst in einigen Tagen vorliegen. Nach den bisherigen Erkenntnissen war der Brand gegen 7.30 Uhr in der Küche ausgebrochen. Ein Koch hatte mit den Vorbereitungen für das Mittagessen begonnen. Das Lokal war für Weihnachten seit Tagen ausgebucht. Bei den Vor-Bestellungen hatten die Gäste französische Flugenten, Karpfen und Forellen bevorzugt. Bei solchen Speisen seien längere Vorbereitungszeiten nicht ungewöhnlich, sagte ein Polizist und begründete damit den frühen Arbeitsbeginn des Kochs. Ob dann das Feuer in einer Fritteuse oder in der Lüftungsanlage ausbrach oder der Schornstein möglicherweise verstopft war, wie Pächter Ralf-Jürgen Freesemann behauptete, ist noch unklar. Fest steht, dass die Flammen sich rasend schnell ausbreiteten und nach wenigen Minuten das Reetdach erfassten. Vermutlich sind die Flammen aus dem Schornstein geschlagen, sagte ein Polizist. Innerhalb von zwei Stunden fiel das Gebäude in Schutt und Asche. "Es war nicht zu retten", sagte Landesbranddirektor Albrecht Broemme am Abend. Pächter Ralf-Jürgen Freesemann kündigte am selben Tag an, das Lokal wieder aufzubauen und in zehn Monaten wieder zu eröffnen. Die Wannsee-Terrassen sind seit Jahrzehnten ein beliebtes Ausflugsziel. Außerdem wurde das Lokal häufig bei Hochzeiten sowie größeren Festen genutzt. Dafür gab es einen Saal für etwa 250 Personen. Einzigartig war der Panoramablick über die Havel und den Wannsee, den die Besucher vom Lokal aus hatten. Besonders im Sommer waren auf der Terrasse wegen der vielen Gäste kaum Plätze zu bekommen. Am Dienstag und Mittwoch besichtigten mehr als 100 Spaziergänger die Ruine des Lokals. Hildegard D. aus Reinickendorf: "Ich bin im Sommer oft hier gewesen, weil es einzigartig war. Ab neun Uhr konnte man auf der Terrasse sitzen und frühstücken. Nur dienstags hatte man Pech, da war Ruhetag."BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLICH Ein Großbrand hat am ersten Weihnachtsfeiertag die Wannsee-Terrassen zerstört. Das Lokal soll wieder aufgebaut werden, sagt der Pächter.

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