Basketball-WM

Mehr als Platz vier: Das Vermächtnis von Deutschlands Basketballerinnen

Tränen, Stolz und ein historischer WM-Lauf: Deutschlands Basketballerinnen haben trotz Platz vier etwas geschaffen, das weit über die WM hinausgeht.

5 Min
Emma Eichmeyer und Frieda Bühner liegen sich nach der verpassten Medaille für Deutschland in den Armen.

Emma Eichmeyer und Frieda Bühner liegen sich nach der verpassten Medaille für Deutschland in den Armen.

© Tonhäuser/BEAUTIFUL SPORTS/IMAGO

Am Ende war da die Trauer. Tränen liefen den deutschen Basketballerinnen über ihre Wangen, auf dem Court und noch in der Mixed-Zone. Emma Eichmeyer hatte nicht aufgehört zu weinen, als sie dort sprach. Leonie Fiebich beantwortete Fragen mit zitternder Stimme.

Sie hatten Geschichte geschrieben. Sie waren die erste deutsche Frauen-Basketballnationalmannschaft, die es geschafft hatte, bei einer Weltmeisterschaft bis ins Halbfinale vorzurücken. Doch sie konnten diesen historischen Erfolg nicht mit einer Medaille krönen. „Pure Enttäuschung“, fasste Eichmeyer ihren Gemütszustand zusammen. „Es tut weh. Es ist schwer, den Frust in Worte zu fassen. Wir haben mit sehr viel Euphorie gespielt und gedacht, wir könnten das mitnehmen und heute die Medaille holen. Aber wir haben gemerkt, dass wir nicht gut genug sind“, sagte Leonie Fiebich.

Knapp vorbei an der ersten WM-Medaille

Einen Tag nachdem sie im Halbfinale den Französinnen unterlegen waren, hatten sie das Aus noch nicht überwunden. Das war ihnen anzumerken, als sie gegen Spanien nicht mehr die gleiche Energie in die Halle trugen, die sie überhaupt erst so weit gebracht hatte. Das Spiel um Platz drei ging am Ende mit 58:81 deutlich verloren. Das Team, das Berlin und ganz Basketball-Deutschland in den vergangenen zehn Tagen so begeistert hatte, schrammte um ein Spiel an der ersten Medaille in der Historie der DBB-Frauen vorbei.

Leonie Fiebich in Tränen nach dem verlorenen Spiel um Platz drei

Leonie Fiebich in Tränen nach dem verlorenen Spiel um Platz drei

© Tonhäuser/BEAUTIFUL SPORTS/IMAGO

Bundestrainer Olaf Lange fiel es leichter, mit den Niederlagen am Wochenende umzugehen. „Es ist ein unglaubliches Erlebnis. Das ist das, worauf ich mich konzentrieren werde. Was wir hier in dieser kurzen Zeit erreicht haben, nicht nur als Team, sondern auch als Coaching-Staff, ist unglaublich“, sagte er. Für die Spielerinnen tue es ihm leid, die Medaille so knapp verpasst zu haben. „Aber ich denke, in ein paar Tagen werden wir zurückblicken und wissen, was wir erreicht haben.“

Das Vermächtnis dieses Teams ist die Zukunft

Doch nicht nur er musste nach den Spielen tröstende Worte sprechen. Die Halle war auch am vergangenen Sonntag wieder voll. Ein kleines Mädchen spazierte mit ihrem Papa durch die Gänge der Arena am Ostbahnhof und trug ein selbstgebasteltes Plakat mit der Aufschrift „Let’s go, Girls!“ vor sich her. Auf den Rängen hielten viele Jungen und Mädchen ähnliche Schilder in den Händen. Sie hatten mit diesem deutschen Team mitgefiebert, mitgejubelt und nach den Niederlagen mitgelitten.

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Es könnte das Vermächtnis dieses Teams werden und wichtiger sein als die Platzierung, diese Kinder für Basketball begeistert zu haben. „Man hat einfach gemerkt, dass wir junge Mädchen und Jungs inspirieren und motivieren. Ich glaube, dass wir und die anderen Teams da so nahbar waren, die Kinder und die Menschen uns so begegnen konnten, das wird Basketball-Deutschland bereichern“, sagte Kapitänin Marie Gülich auf der Pressekonferenz.

Vielleicht sind es diese Kinder, die in den nächsten Jahren die Zukunft des deutschen Basketballs bilden. Doch es braucht auch die Strukturen, um die nächsten Generationen auszubilden und zu fördern, betonte Olaf Lange auf der Pressekonferenz am Sonntagabend. Diese seien im Moment, gerade bei den Frauen, nicht gegeben: „Die Vereinssituationen sind halb professionell, wenn man positiv sein möchte. Medizinisch ist die Situation katastrophal. Und im Profisport braucht man medizinische Topbereiche, damit sie überhaupt auf dem Niveau trainieren können. Die DBBL ist da weit hintendran. Deshalb muss ich dafür Sorge tragen, dass unsere Topspielerinnen ins Ausland gehen“, sagte er.

Der Abstand schrumpft

Ohnehin fokussiert sich Lange aber lieber auf das Jetzt. „Ich bin gerne da, wo meine Füße stehen“, sagte er. Und da hat er ein Team zur Verfügung, das zwar noch nicht zur Weltspitze gehöre, dort aber anklopfe. „Der Gap ist heruntergegangen“, sagte Lange. Die Weltmeisterinnen aus den USA, die Spanierinnen, Französinnen und Australierinnen sind, so Lange, noch immer die Top Vier. Doch das deutsche Team habe sich angemeldet und sei noch nicht an der Spitze seines Leistungsvermögens angekommen.

Bundestrainer Olaf Lange blickte nach der WM bereits nach vorn.

Bundestrainer Olaf Lange blickte nach der WM bereits nach vorn.

© O.Behrendt/IMAGO

Immer wieder war vom Trainer und von einigen Spielerinnen betont worden, wie jung dieses deutsche Nationalteam sei. Wichtige Spielerinnen fehlten, besonders die Berlinerin Satou Sabally, die wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung nicht am Turnier teilnehmen konnte. „Wir brauchen Satou“, sagte Lange im Laufe des Turniers dazu, wie das deutsche Team noch besser werden könne.

Und auch die Tränen, die seine Spielerinnen in der Nacht vom Sonntag vergossen, sollen das Team in Zukunft stärker machen. Zwar soll der Stolz über die erbrachte Leistung überwiegen, wenn die unmittelbare Enttäuschung überwunden ist. Aber Lange erklärte: „Ich denke, dass es wichtig ist, den Schmerz, den die Spielerinnen gerade fühlen, noch ein bisschen zu kultivieren. Denn in der täglichen Arbeit in den nächsten Monaten und Jahren müssen wir einfach besser werden. Da braucht man starke Motivation.“

Leichter wird es bei den kommenden Turnieren ohne den Heimvorteil des Berliner Spätsommers nicht. Doch die deutschen Basketballerinnen gehen durch die Erfahrungen dieses Turniers reifer in die Zukunft. Und sind vielleicht schon im nächsten Sommer reif für eine Medaille. Dann nämlich findet die Europameisterschaft statt. Und zwei der von Lange bestimmten Top-Vier-Teams können dann nicht dabei sein.

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