In Sachsen-Anhalt arbeiten deutlich mehr Mütter in Vollzeit als im geografischen Westen. So gingen im vergangenen Jahr 56 Prozent der Mütter einer Vollzeitbeschäftigung nach. Im Westen waren es nur 26 Prozent. Der Anteil der Vollzeit-Väter liegt hingegen im Ost-West-Vergleich auf ähnlichem Niveau. In Sachsen-Anhalt stieg zudem zuletzt die Erwerbstätigenquote unter den alleinerziehenden Vätern.
In Sachsen-Anhalt sind etwa 72 Prozent der Mütter erwerbstätig und knapp 84 Prozent der Väter. Im Westen gingen 66 Prozent aller Mütter einer bezahlten Beschäftigung nach. Das geht aus den jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Als erwerbstätig gilt dabei vereinfacht jede Person, die einer Arbeit nachgeht, um Geld zu verdienen. In dieser Hinsicht gleicht sich der Westen immer mehr dem Osten an – auch wenn es nach wie vor merkliche Unterschiede gibt. Ausschlaggebend ist dabei das Alter des Kindes.
Deutlich mehr Vollzeit-Mütter im Osten
Die Ursachen für diese Kluft liegen in den gegensätzlichen Familienidealen des geteilten Deutschlands ab 1949. Während die Bundesrepublik (BRD) das traditionelle Modell der Hausfrauenehe förderte, setzte die DDR zur Erreichung der Gleichberechtigung und wegen eines akuten Arbeitskräftemangels konsequent auf die voll erwerbstätige Mutter.
Unterstützt wurde dieser Kurs im Osten durch eine flächendeckende, ganztägige Kinderbetreuung, während die Fremdbetreuung von Kleinkindern im Westen lange Zeit gesellschaftlich verpönt war. Diese jahrzehntelange Prägung wirkt bis heute nach und bestimmt das kulturelle Selbstverständnis sowie die wirtschaftliche Notwendigkeit in den ostdeutschen Bundesländern.
Während Mütter im Osten nach der Geburt des Kindes deutlich früher wieder in Vollzeit einsteigen, bleiben die in Westdeutschland häufiger zu Hause oder kehren in geringerer Stundenzahl an den Arbeitsplatz zurück. Geht der Nachwuchs in den Kindergarten, wächst die Erwerbstätigkeit unter den Müttern stark an – bundesweit auf bis zu 74 Prozent. Dennoch bleibt der Umfang der Arbeitszeit im Westen oft im Bereich der klassischen – oder wie es so mancher Politiker ausdrücken würde – „Lifestyle“-Teilzeit. Mütter im Osten wählen dagegen deutlich früher den Wiedereinstieg in die Vollzeit. Nähern sich die Kinder dem Schulalter an, ziehen auch die Mütter im Westen nach. Bundesweit werden dann Spitzenwerte von bis zu 80 Prozent erreicht.
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Bei den Vollzeit-Vätern gibt es hingegen im Westen ähnlich viele wie in Sachsen-Anhalt. Bei Kindern unter sechs Jahren arbeiten rund 90 Prozent in Vollzeit – ist der Nachwuchs älter, sind es sogar knapp 93 Prozent.
Alleinerziehende in Sachsen-Anhalt häufiger erwerbstätig
Im Jahr 2025 lag in Sachsen-Anhalt der Anteil der aktiv erwerbstätigen Mütter mit 52,2 % leicht über dem der Väter, was vor allem an der großen Mehrheit alleinerziehender Mütter in der Bevölkerung liegt. Obwohl alleinerziehende Väter prozentual häufiger berufstätig sind (72,5 %) als alleinerziehende Mütter (62,2 %), machen sie insgesamt nur einen kleinen Teil aller Alleinerziehenden aus.
Seit 2021 ist die Zahl der Alleinerziehenden insgesamt leicht gestiegen, wobei sich besonders die Erwerbstätigenquote unter den alleinerziehenden Vätern deutlich erhöht hat.
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