Feuilleton Zu "Protestieren strengt an" von Cornelia Geissler (1. Juli):Als Lehrerin, die mit den gerade durch die neue Rechtschreibung erst entstandenen Problemen praktisch zu tun hat, verstehe ich nicht, wieso die Autorin eine Gruppe angreift, die das zu praktizieren sucht, was Willy Brandt einmal unter großem Beifall gefordert hat, nämlich mehr Demokratie zu wagen.Versteckte Häme über eine geringe "Rücklaufquote" beim Aufruf der Professoren gegen die Rechtschreibreform (als ob 110 Hochschullehrer nicht ein stolzes Ergebnis sind) ist völlig inakzeptabel in einem Land, in dem Politiker zu Recht mehr Verantwortung für das große Ganze fordern.Außerdem ist die Anzahl derer, die Mut zeigen, überhaupt kein Argument gegen die Berechtigung ihrer Forderungen. Oder soll die Zivilcourage jener preußischen Professoren von 1837 ("Göttinger Sieben") auf einmal mit Spott bedacht werden, weil auch schon damals die "Rücklaufquote" recht unbefriedigend war einfach, weil auch Hochschullehrer ängstlich oder träge sein können.Eben deshalb sollte man auch hier nach Schiller "die Stimmen wägen und nicht zählen".Gunhild Bacmeister, Goslar
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