Die Mehrausgaben für Waffensysteme und Beschaffungen der Bundeswehr haben die Investitionen des deutschen Staates 2025 so stark steigen lassen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Der Sprung bei den Ausrüstungsinvestitionen fiel fast doppelt so hoch aus wie das Gesamtplus.
Die staatlichen Ausrüstungsinvestitionen sind im vergangenen Jahr um 47,7 Prozent gestiegen. Das sei vor allem auf Mehrausgaben für militärische Waffensysteme und sonstige Beschaffungen der Bundeswehr zurückzuführen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Zu den Ausrüstungsinvestitionen zählen bewegliche Anlagen, darunter auch Rüstungsgüter.
Rekordplus bei Gesamtinvestitionen
Der starke Anstieg in diesem Bereich war der wesentliche Treiber für ein Rekordplus bei den gesamten Bruttoinvestitionen des Staates. Diese kletterten um 12,3 Prozent oder 16,2 Milliarden Euro auf 147,5 Milliarden Euro. Das sei der höchste Anstieg der staatlichen Investitionen seit dem Jahr 2000, erklärten die Statistiker. Lediglich 1999 hatte es wegen statistischer Effekte im Zusammenhang mit der Bahnreform mit plus 14 Prozent ein etwas stärkeres Wachstum gegeben.
Bau bleibt deutlich zurück
Während die Rüstungsausgaben sprunghaft zulegten, entwickelten sich die staatlichen Bauinvestitionen mit einem Plus von zwei Prozent deutlich schwächer als in den Vorjahren. 2024 waren sie noch um 10,2 Prozent gestiegen. Der Anteil der Bruttoinvestitionen an den Staatsausgaben insgesamt erhöhte sich auf 6,5 Prozent, nach 6,1 Prozent im Vorjahr.
Sondervermögen zeigen Wirkung
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, führte die Entwicklung auf die zusätzlichen Kreditmöglichkeiten für Verteidigung und Investitionen durch Sondervermögen zurück. „Die Modernisierung des Landes kommt voran“, sagte er.
Zugleich mahnte Dullien, die Bundesregierung müsse darauf achten, „dass tatsächlich die zusätzliche Verschuldung aus den Sondervermögen auch vollständig in neue Investitionen fließt“. Schätzungen seines Instituts deuteten darauf hin, dass ein beträchtlicher Anteil der Mittel nicht in zusätzliche öffentliche Investitionen fließe, sondern indirekt für nicht-investive Zwecke verwendet worden sei – etwa für die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie, die Mütterrente oder die Senkung der Körperschaftsteuer.
Deutschland weiter unter EU-Schnitt
Trotz des Rekordanstiegs liegt Deutschland bei den Staatsinvestitionen unter dem EU-Durchschnitt. Der Anteil an der Wirtschaftsleistung erreichte 2025 hierzulande 3,3 Prozent, im Mittel der EU waren es 3,9 Prozent. An der Spitze der 27 Mitgliedstaaten steht Estland mit 7,6 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres schwächte sich die Dynamik in Deutschland mit einem Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal bereits wieder etwas ab. (mit dpa, AFP)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]