Immer wieder fängt jemand neu an in dieser Stadt. Immer wieder verlässt jemand Berlin und nimmt Erinnerungsstücke mit. Und sommers wie winters holen Touristen am Potsdamer Platz ihre Fotoapparate heraus oder stellen fest, dass der Kudamm auch nicht mehr das ist, was er einmal war. Nur wenn man sich all diese Menschen als mögliche Buchkäufer vorstellt, kann man sich erklären, warum Jahr für Jahr so viele Bücher über Berlin erscheinen. Verlage rechnen mit schenkenden Menschen. Sie bringen Bildbände wie "Berlin heute" (Foto oben) oder "Berlin Sightseeing" (Nicolai) auf den Markt, die mit bunten Fotos Bekanntes präsentieren. Mini-Stadtführer zerpflücken die Stadt ("Rund um den Savignyplatz", be.bra), der Verlag Bostelmann & Siebenhaar lockt nun schon zum zweiten Mal nach "Berlin, wo es am schönsten ist: 101 Lieblingsplätze". Rundum informiert wird der Hauptstadt-Neuling mit dem Berlin-Paket von Michael Lewitscharoff. Auf sieben Doppelseiten entfalten sich Bauwerke wie das Ludwig-Erhard-Haus, der Kollhoff-Turm am Potsdamer Platz oder das Jüdische Museum als Pop-Up-Konstruktionen aus Papier. Man kann Skizzen aufblättern, Bildteile als Vorher-Nachher-Ansichten verschieben, in Fotos auf kleinen eingeklebten Heftchen blättern. Eine beigefügte CD-Rom bietet einen virtuellen Stadtspaziergang und Tondokumente. Doch bei aller Spielerei sind die Informationen des Pakets seriös, die Fakten stimmen und der Blick des Betrachters wird von den üblichen Sehenswürdigkeiten auf wissenswerte Details gelenkt (Ars Edition, 59 Euro). Mit beinahe jedem neuen Gebäude in Berlin wächst auch die Zahl der Architekturführer. Schlechtes ist dabei, viel Mittelmäßiges und wenig Gutes. Es verhält sich wie mit den Bauten selbst. So hat sich der ungarische Maler Andras Kaldor zwar viel Arbeit gemacht, als er über 40 detailgenaue Aquarelle von Baudenkmälern der Stadt anfertigte und sie in einem aufwändig gestalteten Buch herausbrachte. Eine Bereicherung ist dieses Buch jedoch nicht. Die Bilder im Stile eines antiquierten akademischen Realismus gemalt, bieten nichts, weder inhaltlich noch ästhetisch, was gegenüber vergleichbaren Fotografien einen Mehrwert darstellen könnte (Heyne-Verlag, 96 S., 19,95 Euro).Christina Haberlik und Gerwin Zohlen dagegen beschreiben in ihrem "Stadtführer zur Architektur des neuen Berlin" übersichtlich, knapp und sehr kenntnisreich die neuen Repräsentationsbauten der Hauptstadt (Nicolai-Verlag, 126 S., 9,90 Euro). Untergliedert nach den jeweils ausführenden Architekten findet man Fotos und Kurzcharakteristika von insgesamt 60 Bauten. Mit objektivem Blick betrachten die Autoren die neuen Gebäude, sie beschreiben zunächst die Baukörper und bewerten dann ihre Qualität. Dabei fällt das Urteil nicht immer positiv aus. Helmut Jahns neues Kranzler-Eck ist für sie beispielsweise "eine eher ärgerliche Büro- und Ladenstadt, (.) die sich imposant und asymmetrisch um jeden Preis gebärdet". Die meisten anderen Architekturführer vermeiden solch klare Worte und bieten selten mehr als superlativische Hauptstadt-Schwärmerei.Foto: PRESTEL VERLAG "Berlin heute" heißt ein typischer Touristen-Bildband mit 112 Fotos - hier ein Foto des Hamburger Bahnhofs (Prestel Verlag, 96 S. , 14,95 Euro) .
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