Seit Ende Mai konnten Jugendliche zwischen elf und 20 Jahren ihre Vorschläge für das alljährliche Sprachbarometer einreichen. Aus Hunderten Einsendungen hat der Langenscheidt-Verlag nun die offizielle Top-10-Liste zusammengestellt. Ab sofort kann bis zum 20. August über die engere Auswahl abgestimmt werden. Anschließend wird ein weiteres Votum die drei Finalisten ermitteln, bevor am 10. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse der Sieger gekürt wird.
Traditionell übernahm in diesem Jahr wieder die „Tagesschau“-Sprecherin Susanne Daubner die humorvolle Präsentation der Kandidaten – inklusive einer musikalischen Einlage.
Jugendwort gestrichen wegen organisierter Kampagne
Doch schon vor dem offiziellen Start der Abstimmung gibt es einen Aufreger: Der Begriff „Mehrzweckeier“, der in den vergangenen Wochen in den sozialen Netzwerken regelrecht gepusht worden war, wurde von der Jury nachträglich aus der Wertung genommen. Dabei hatte er es unter den eingereichten Vorschlägen rechnerisch sogar in die Top 10 geschafft. Der Verlag begründete die Streichung mit zwei zentralen Ausschlusskriterien: Zum einen beruhe der Begriff auf einer organisierten Kampagne, zum anderen enthalte er eine persönliche Beleidigung.
Hinter dem Hype um „Mehrzweckeier“ steckt politischer Protest. Der Ausdruck ist eine abgeschwächte Version des Slogans „Merz leck Eier“, der bei mehreren Demonstrationen gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Berlin auftauchte. Bei einer Protestaktion im März hatte ein 18-Jähriger ein entsprechendes Plakat mit dem Konterfei von Bundeskanzler Friedrich Merz hochgehalten – daraufhin leitete die Polizei Ermittlungen wegen des Verdachts der Verleumdung ein. Der Satz avancierte schnell zum Meme und wurde später in der entschärften Form „Mehrzweckeier“ auf Plattformen wie Reddit für die Jugendwort-Abstimmung beworben.
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Jugendwort-Wahl: Das sind die zehn Kandidaten
„67“ (gesprochen „six seven“): Eine bedeutungsoffene Insider-Floskel, die zu nahezu jeder Gelegenheit passt – begleitet von einer typischen Handbewegung. Entstanden ist der Trend in den USA durch TikTok, Basketball-Memes und den Song „Doot Doot (67)“ von Rapper Skrilla.
„Crashout“: Wer komplett die Fassung verliert oder extrem emotional reagiert, erlebt einen „Crashout“ – sei es im Ernst oder ironisch überspitzt.
„Digga“: Der Dauerbrenner unter den Jugendwörtern ist wieder mit von der Partie. Der Ausruf dient als Anrede für Freunde, Bekannte oder einfach jedermann – ähnlich wie „Bro“ oder „Kumpel“.
„Du bist gut genug“: Der Ohrwurm-Refrain aus dem viralen Song von Kitschkrieg, Blumengarten und Shirin David hat längst ein Eigenleben entwickelt und wird in zahllosen Memes und Parodien variiert.
„Gute Käse“: Eine augenzwinkernde Form der Zustimmung – wer etwas für „richtig gut“ oder „stabil“ hält, adelt es mit diesem kuriosen Lob.
„Macker“: Der altbekannte Begriff erlebt ein Revival und wird ironisch oder liebevoll für den festen Freund, den Crush oder den Kumpel verwendet.
„Peak“: Vom englischen „Gipfel“ abgeleitet, steht der Ausdruck für das Beste vom Besten oder den absoluten Höhepunkt einer Sache.
„Ragebait“: Gemeint sind bewusst provokante Inhalte in sozialen Medien – mit absurden Thesen oder Falschbehauptungen, die gezielt Wut und damit Reichweite erzeugen sollen.
„Schere“: Ein kurzer, knapper Ausdruck aus der Gaming-Szene, der so viel wie „mein Fehler“ bedeutet – und sich mittlerweile in vielen Alltagssituationen als Entschuldigung etabliert hat.
„Süper“: Aus dem Türkischen entlehnt und durch ein virales Video des Ultramarathonläufers Arda Saatci bekannt geworden, der nach seinen Rennen stets mit „Süper!“ antwortete.
Ob am Ende ein Klassiker wie „Digga“ die Nase vorn hat, ein Trend aus den sozialen Medien wie „Ragebait“ oder doch ein Newcomer wie „Süper“ – die Entscheidung liegt nun in den Händen der Jugendlichen. Fest steht nur, dass der heimliche Favorit „Mehrzweckeier“ in diesem Jahr nicht zum Zug kommt. Die Abstimmung läuft bis zum 20. August unter jugendwort.de.
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