Die Friedensaktion Plauen-Vogtland hatte am Donnerstagabend in das älteste Veranstaltungsgebäude der Stadt Plauen, das Komturhof-Konventgebäude, eingeladen. Sie tritt seit 2024 dafür ein, Diplomatie statt Hass, Hetze und Krieg als Waffe in den gesellschaftlichen, nationalen und internationalen Konflikten einzusetzen. Diesmal sollte es in einer Diskussionsveranstaltung um Meinungs- und Pressefreiheit in Deutschland gehen.
Es war bereits die dritte derartige öffentliche Veranstaltung, die in diesem Format organisiert wurde. In den früheren Gesprächsrunden ging es mit Ex-Marineinspekteur Kay-Achim Schönbach um seine Sicht auf den Ukrainekrieg und mit dem früheren OSZE-Beobachter Wolfgang Richter um die Bewaffnung in Europa und Russland. Diesmal also sprachen – moderiert von Jan Meinel – der Berliner Unternehmer und Verleger (u. a. der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung), Holger Friedrich, und der Dekan der Medien-Fakultät der Hochschule Mittweida, Prof. Markus Heinker über Meinungs- und Pressefreiheit.
Der Chefredakteur der in Chemnitz erscheinenden Freien Presse hatte die Diskussion gescheut, wie eine Sprecherin der Friedensaktion zu Beginn erläuterte. Dann ging es zur Sache. Die gut sechzig Besucher erlebten einen interessanten Abend, unter anderem mit spannenden Einblicken in die Intention von Holger Friedrich, eine ostdeutsche Perspektive in die bundesdeutsche Medienwelt einzubringen.
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Jeder kann heute Publizist sein
Die beiden Diskutierenden versuchten sich in einer objektiven Sicht auf die Situation der Medien in unserer Zeit. „Jeder von uns hat heute die Möglichkeit, selbst Publizist zu sein, dank des Smarthphones, das wir alle in der Hosentasche haben“, verdeutlichte Heinker. Das sei die größte Veränderung der Medienwelt seit Erfindung des Buchdrucks. Umso bemerkenswerter sei es, dass sein Gesprächspartner das Wagnis auf sich genommen habe, in klassische Medien zu investieren.
Holger Friedrich versuchte den Unterschied deutlich zu machen, den er zwischen den etablierten und stets westdeutsch geführten Verlagen und seiner Ostdeutschen Medienholding sieht: Es sei der Versuch, auf Augenhöhe zu sein, auch wenn einmal Meinungen aufeinanderprallten. „Ein konstruktives Miteinander würde uns auch innerhalb Deutschlands helfen und nach außen ein gutes Zeichen sein“, ist sich Holger Friedrich sicher. Er habe sich sehr gefreut, dass in Sachsen, wo die OAZ im Februar gestartet ist, schneller als erwartet viele Türen aufgegangen seien.
Verleger Holger Friedrich betonte, dass Medien eine wichtige Rolle für ein konstruktives Miteinander in der Gesellschaft spielen.
© Ingo Eckardt/Ostdeutsche Allgemeine
„Man muss auch innerhalb von Redaktionen unterschiedliche Meinungen aushalten“, zog er einen Vergleich zwischen der als eher konservativ geltenden Berliner Zeitung und der doch eher links im politischen Spektrum verorteten Weltbühne – beides Produkte der Ostdeutschen Medienholding. „Die Kollegen gehen zusammen vielleicht nicht jeden Abend in die Kneipe, aber es gibt eine Basis für ein professionelles Miteinander im täglichen Umgang“, beschrieb er seinen Anspruch an die Mitarbeiter.
Journalistische Verantwortung: Menschlichkeit
Markus Heinker bemerkte dazu, es sei schon auffällig, dass Journalisten heute belehrender und aktivistischer als früher agierten, was auch seinen Studenten auffalle. „Im Grundsatzpapier der ersten Vorgänger des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gab es eine gute Aufgabenformulierung. Heute gibt es diese nicht mehr. Reformen werden immer wieder angemahnt und sind auch breiter gesellschaftlicher Konsens, aber es geschieht kaum etwas“, stellte der Medienprofessor fest. Insbesondere der Föderalismus hemme die Veränderungen in den Medienanstalten.
Prof. Markus Heinker steht dazu, dass es einen guten öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben sollte – allerdings brauche der dringend eine umfassende Reform.
© Ingo Eckardt/Ostdeutsche Allgemeine
Im Gegensatz zu anderen kritischen Protagonisten sieht er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchaus als relevant für die Demokratie an. „Wir brauchen den ÖRR so dringend wie nie. Medien können nie objektive Wahrheit verkünden, aber sie können sich dem Ideal annähern“, ist sich Heinker sicher. Allerdings würden die Strukturen mit vielen anständig entlohnten Journalisten, die hofften, in den Rundfunkanstalten bis in die Rente zu kommen, eine kritische Auseinandersetzung mit Politik und Gesellschaft erschweren.
Holger Friedrich gab ein Beispiel, wo Journalisten eine besondere Verantwortung hätten. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine sagte er, dass bei allen unterschiedlichen Sichtweisen auf diese Tragödie die Menschlichkeit stets oberste Prämisse der journalistischen Arbeit sein müsse. „In unserem Haus arbeiten Muttersprachler beider Seiten und verschiedenen Alters. Sie bieten ganz unterschiedliche Perspektiven auf diesen furchtbaren Krieg. Alle wünschen sich aus humaitärer Sicht, dass dieser Krieg so schnell wie möglich endet“, sprach er auch den vielen Friedensbewegten im Publikum aus der Seele.
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