Der 1. FC Union Berlin ist in dieser Bundesliga-Saison angekommen. Nach dem schwachen Start mit 17 Gegentoren aus den ersten vier Spielen haben die Eisernen zuletzt erst gegen die SV Elversberg gewonnen und dann Borussia Dortmund einen Punkt abgerungen – und in beiden Spielen stand hinten die Null.
Trainer Mauro Lustrinelli hat die Defensive der Köpenicker in den Griff bekommen. Und vorne, wo es dem Verein durchaus an Optionen mangelt, hat der Coach noch ein Talent aus dem Hut gezaubert. Mekhi Gray feierte beim 1:0 gegen Elversberg sein Debüt in der Profimannschaft des 1. FC Union, kam in der 78. Minute für Wooyeong Jeong ins Spiel. Beim 0:0 am vergangenen Wochenende gegen den BVB kam er gleich zu seinem zweiten Joker-Einsatz.
So erlebte Gray seinen ersten Einsatz
In den Tagen vor seinem Debüt habe er schon so eine Vorahnung gehabt, dass es langsam so weit sein könnte. „Ich habe in der Woche ziemlich gut trainiert und hatte daher die Hoffnung, dabei zu sein“, sagte Gray am Donnerstag im Gespräch mit einigen Medienvertretern. Es war das erste Mal, dass er öffentlich sprach. Mit leiser Stimme verriet er, dass er durchaus aufgeregt sei. „Aber es ist auch ganz cool.“
Mekhi Gray bei seiner ersten Medienrunde als Profi des 1. FC Union Berlin
© Matthias Koch/IMAGO
Aufgeregt war er natürlich auch, als er erfahren hat, dass sein Debüt nun anstehe, Mauro Lustrinelli ihn vom Warmlaufen abholen ließ, um ihn ins Spiel zu bringen. „Ich habe kurz nach links geguckt, weil dort mein kleiner Bruder und mein Papa standen. Die habe ich noch gesehen. Sonst war im Kopf nicht mehr viel, außer einfach nur schnell zu sein“, erzählte er.
Gerade für seinen kleinen Bruder sei das Erlebnis im Stadion An der Alten Försterei surreal gewesen. „Er ist nicht der große Fußballfan, hat sich aber natürlich sehr für mich gefreut. Er kann nicht ganz begreifen, warum das so viele interessiert, aber er mag es sehr.“ Gray selbst ist schon von klein auf von dem Sport begeistert: „Ich hatte das Ziel, Fußballprofi zu werden, seit ich etwa sieben oder acht war.“
Gelernt hat er dann, seit er 13 war, beim 1. FC Union Berlin. Besonders seinen Jugendtrainer Tom Winkler hob er als Förderer hervor. Später habe Marie-Louise Eta ihm viel beigebracht. Und sein Vorbild als Kind? Das war der Franzose Paul Pogba. „Er war einfach ein geiler Spieler zum Zugucken. Ich erinnere mich an die WM 2018, das war die erste WM, die ich richtig verfolgt habe. Da hat er gut gespielt“, schilderte Gray.
1,97 Meter groß: Das macht Gray für Union so interessant
Spielerisch ähnele er aber eher anderen. „Spieler, mit denen ich mich vergleichen würde, sind Brian Brobbey, Serhou Guirassy oder Romelu Lukaku.“ Gegen den Dortmunder Guirassy stand er nun mit 19 Jahren bereits selbst auf dem Platz – und tauschte mit ihm nach der Partie gleich mal sein Trikot.
Das hatte er sich nach dem Spiel durchaus verdient. „Er hat gegen Dortmund vieles richtig gemacht“, sagte Lustrinelli auf der Spieltagspressekonferenz vor dem Duell in Augsburg am Sonnabend (15.30 Uhr) und lobte: „Er hat ein sehr interessantes Profil für die Art, wie wir spielen wollen. Er kann vorne den Ball sehr gut festmachen.“
Dieses Profil ist bei den Eisernen derzeit rar. Gray ist 1,97 Meter groß und nach dem Abgang von Ilyas Ansah und solange Andrej Ilic noch verletzt ausfällt genau der Typ Stürmer, der den Eisernen fehlt. „Ich bin ein physischer Stürmer. Meine Stärken sind, Bälle zu sichern, den Ball zu tragen und die Mannschaft zu entlasten. Ich kann Bälle gut in der Fortsetzung weiterführen, habe eine gute Boxpräsenz und starke Abschlüsse, die ich in der Jugend mit links und rechts gezeigt habe“, beschrieb sich Gray selbst.
Welpenschutz mit Verfallsdatum: Wann bekommt Union-Talent Güther mehr?
Können Fans also damit rechnen, dass sie in den nächsten Wochen noch mehr von Gray sehen? Schließlich hat Union nach Augsburg am Sonnabend gleich am Dienstag im Pokal gegen den 1. FC Köln und dann am nächsten Wochenende in der Liga das nächste Duell gegen den Effzeh. „Ich freue mich auf jede Spielminute und hoffe natürlich, viel zu spielen. Aber das entscheidet am Ende der Trainer“, sagte Gray und versprach: „Wenn ich auf dem Platz stehe, gebe ich alles.“
Das könnte er auch bald im internationalen Rahmen tun. Gray ist in Kingston, Jamaika, geboren und mit sechs Jahren nach Deutschland gekommen. Mit beiden Verbänden habe es schon Kontakt gegeben. Für die deutsche U19-Nationalmannschaft stand er auf Abruf bereit. In Jamaika wurde er nach seinem Debüt für Union schon als Neuner der Zukunft betitelt. Er habe sich aber noch nicht festgelegt, für welche Nation er spielen möchte.
Lustrinelli mahnt zur Geduld
Erst einmal sollte der Fokus ohnehin darauf liegen, weitere Einsätze im Verein zu sammeln. Sein Coach allerdings bremste ein wenig. „Es ist immer schön, wenn ein junger Spieler aus der Region Spielzeit bekommen kann. Gleichzeitig ist es nicht einfach für ihn – er ist ein Mensch, und seine Situation und sein Umfeld haben sich verändert. In diesem Moment ist Geduld wichtig“, sagte Lustrinelli.
In den beiden Spielen zuletzt hätte der Moment gepasst, die Mannschaft sei stabil gewesen, weswegen die jungen Spieler, Gray und auch Linus Güther, Minuten sammeln konnten. Grundsätzlich wolle man ihnen aber Zeit geben. Er betonte: „Wichtig ist, dass sie immer Vollgas geben – und er (Gray) ist jemand, der immer Vollgas gibt.“
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