Merkel stimmt vor EU-Gipfel mit Frankreich den Kurs ab

Auch Sarkozy bekennt sich zu Barroso

Axel Veiel
3 Min

PARIS. Binnen einer Stunde haben Nicolas Sarkozy und Angela Merkel gestern bei ihrem Routinetreffen im Pariser Elysée-Palast aufgearbeitet, was deutsch-französischer Absprache verlangt. Präsident und Kanzlerin erzielten rundum Einigkeit und demonstrierten so vor dem EU-Gipfel den perfekten Schulterschluss - ob es nun um die Kandidatur des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso für eine weitere Amtszeit ging oder um die Zukunft des Militärtransporters A400M.Am meisten beeindruckt das Einvernehmen über eine weitere Amtszeit Barrosos. Immer wieder hatte sich Sarkozy an dem Portugiesen gerieben, der nach seiner Meinung der Gemeinschaft nicht entschlossen genug den Weg weist. Barroso blieb deutlich hinter den Erwartungen Sarkozys zurück, und das nicht nur beim Aufbau eines Europas, das die Bürger schützt. Auch sein Wirken für eine strengere Aufsicht über die Finanzmärkte lässt aus Pariser Sicht zu wünschen übrig. Merkel springt Sarkozy in dieser Frage zur Seite: Auch sie nennt in Paris eine bessere Regulierung der Finanzmärkte einen der "zentraler Punkte" beim EU-Gipfeltreffen in der kommenden Woche.Gleichwohl verkündet der Gastgeber nun unter Kuppeln und Kronleuchtern in feierlichem Ton: "Wir unterstützen die Kandidatur Barrosos." Von der Bundeskanzlerin hatte man gewusst, dass sie den Portugiesen gern weiter im Amt sähe. Dass sich Sarkozy derart klar zu ihm bekennen würde, hatte man hingegen nicht erwartet.Auflagen für den PortugiesenDas gemeinsame Ja zu Barroso entpuppt sich denn auch als ein Ja mit Auflagen, die vor allem Sarkozys Handschrift tragen, auch wenn Merkel sich wiederum anschließt. "Wir wollen, dass Barroso seine Pläne präzisiert", sagt der französische Präsident. Es sei Barrosos Pflicht, die Europäer zu schützen und sich für eine Regulierung der Finanzmärkte einzusetzen. Für Merkel und Sarkozy heißt es nun, beim EU-Gipfel in Brüssel die Partner und in Straßburg das EU-Parlament für ein zweites Mandat des Kommissionspräsidenten zu gewinnen.Nichts kann an diesem Tag das deutsch-französische Einvernehmen trüben, nicht einmal die neuerliche Verzögerung bei der Entwicklung des Militärflugzeugs A400M. Denn die Anzeichen mehren sich, dass das EADS-Konsortium den zum 1. Juli erwarteten Zeitplan für den Bau der Transportmaschine nicht vorlegen kann und eine weitere Fristverlängerung beantragen wird. Obwohl EADS mit dem A400M bereits drei Jahre in Verzug ist, will Frankreich am Bau des Flugzeugs festhalten. "Wir brauchen ein Transportflugzeug, soviel ist klar", sagt die Kanzlerin. Sarkozy fügt hinzu, man wolle sich für eine Entscheidung weitere sechs Monate Zeit lassen. Merkel nickt zustimmend.Sarkozy bekundet schließlich noch seine "sehr große Sorge" um die birmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, der auf Betreiben der Militärregierung der Prozess gemacht wird - eine Sorge, die Merkel teilt.------------------------------Foto: Gewohnt herzlich: die Begrüßung für die Kanzlerin in Paris.

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