Wahlniederlage

„Merz ist ein Witz“: So wird der Kanzler nach CDU-Absturz im Ausland wahrgenommen

Drei Wahlpleiten, miserable Umfragewerte: Für Friedrich Merz wird es ungemütlich. Selbst im Ausland wird inzwischen offen über seine politische Zukunft diskutiert.

Anna Schütz
Anna Schütz
7 Min
Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz

© Florian Gaertner/Imago

Drei Landtagswahlen: Drei schwere Rückschläge für die CDU. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern erzielten die Christdemokraten  ihre beiden schlechtesten Landtagswahlergebnisse in der Geschichte der Bundesrepublik. In MV scheiterte sie sogar erstmals an der Fünfprozenthürde. Auch in Berlin verlor die CDU deutlich und wurde von der Linken überholt.

Die Ergebnisse zeigen eine wachsende Distanz vieler Wähler zur Partei und ihrer Politik auf. Sie spiegeln eine Unzufriedenheit wider, die sich zunehmend auch gegen den Vorsitzenden richtet. Die persönlichen Zustimmungswerte von Bundeskanzler Friedrich Merz sind seit seinem Amtsantritt eingebrochen. In Umfragen sind zeitweise nur noch 13 bis 17 Prozent der Befragten mit seiner Arbeit zufrieden.

Damit stellt sich zunehmend die Frage, wie lange Merz diese politische Schwäche noch versuchen will aufzufangen - und wie viel Verantwortung für diese Entwicklung bei ihm selbst liegt. Die Frage nach der Zukunft des Kanzlers wird dabei nicht nur in Deutschland gestellt. Auch in Frankreich und den USA wird aufmerksam verfolgt, wie stark die selbsternannte politische Mitte in Deutschland unter Druck gerät, die AfD zulegt und die CDU an Rückhalt verliert. Wie wird Merz dort wahrgenommen?

So bewerten ausländische Medien den Kanzler

Auch im Ausland wird die Entwicklung der CDU inzwischen als politische Krise des Kanzlers wahrgenommen. In Frankreich richtet sich der Blick dabei besonders auf Merz' persönliche Autorität und die Frage, ob er seine Partei und seine Regierung noch zusammenhalten kann. Le Monde spricht nach den Wahlen von einer „historischen Niederlage“ für Merz und die CDU und beschreibt den Kanzler als politisch zunehmend unter Druck. Zugleich weist die Zeitung darauf hin, dass Merz' Probleme nicht allein auf seine Person zurückzuführen sind: Die wirtschaftliche Lage, schwierige Reformen und die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung belasten die Union ebenso.

Auch andere französische Medien betrachten die Entwicklung vor allem unter dem Gesichtspunkt der politischen Stabilität Deutschlands. Dabei interessiert weniger die einzelne Landtagswahl als die Frage, ob Merz noch über genügend politischen Rückhalt verfügt, um seinen angekündigten Reformkurs fortzusetzen.

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Der politische Bedeutungsverlust von Merz wird auch in USA registriert. CNN spricht angesichts der drei Wahlniederlagen von einem schweren Rückschlag und stellt inzwischen ausdrücklich die Frage, ob Merz politisch überleben kann. Gleichzeitig betont der Sender, dass Merz trotz des Drucks an seinem Amt und seinem Reformkurs festhält.

Fox News stellt den AfD-Erfolg stärker als Ausdruck des Protests gegen Migration und gegen die politische Führung in Berlin dar und hebt zugleich die Bedeutung der Wahlergebnisse für die deutsche politische Ordnung hervor. Die New York Times beschreibt Merz als zunehmend angeschlagenen und unpopulären Kanzler und stellt die Wahlergebnisse vor allem in den Zusammenhang mit dem Niedergang der etablierten Parteien und dem Aufstieg der AfD.

Zwei Auslandsblicke auf denselben Kanzler

Doch wie kommt die deutsche Entwicklung bei den Menschen selbst an? Was wissen sie über Merz, die CDU und die politische Stimmung in Deutschland und was denken sie darüber? In Frankreich ist die deutsche Politik vielen Menschen vergleichsweise präsent, nicht zuletzt wegen der engen politischen und wirtschaftlichen Verflechtung beider Länder. Rachel, 35, Köchin aus Marseille, verfolgt die Situation gespannt. Sie blickt mit Sorge auf den Aufstieg der AfD und die scheinbare Machtlosigkeit des Kanzlers, wie sie dieser Zeitung sagt.

„Das rechte Spektrum gewinnt immer mehr an Zustimmung. Da bräuchte es einen Kanzler, der die Sorgen der Menschen ernstnimmt und etwas dafür tut, die Gesellschaft zusammenzuhalten. Merz versagt in dieser Hinsicht vollkommen“, so Rachel. Mit Blick auf Frankreich sieht sie in der Entwicklung eine Warnung für das eigene Land: „Was dort passiert, kann hier auch passieren. Ich habe das Gefühl, wir verfolgen die deutsche Politik und sehen bereits, was uns selbst irgendwann drohen könnte.“

In den USA ist die deutsche Innenpolitik im Alltag normalerweise weniger präsent. Umso auffälliger ist für einige Beobachter, dass Merz und die jüngsten Wahlen inzwischen auch dort stärker in den Nachrichten auftauchen. Jordan, 29, Pharmareferent aus New York, bewertet den Kanzler entsprechend kritisch. „Merz ist ein Witz. Wir sehen gerade, dass ihn in seinem eigenen Land niemand leiden kann und seine Partei eine Wahl nach der nächsten verliert“, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung. Dann fügt Jordan hinzu: „Dass er daraus keine Konsequenzen zieht und einfach weitermacht, als wäre nichts gewesen, finde ich peinlich.“

Auch Stephanie, 40, die ein Geschäft in New Jersey führt, zweifelt angesichts der Wahlergebnisse an Merz' politischer Zukunft: „Er kann nicht gut mit Menschen umgehen. Für einen Regierungschef ist das eine denkbar schlechte Eigenschaft. Mit den Ergebnissen der letzten Wahlen frage ich mich immer mehr, mit welcher Legitimität er überhaupt noch im Amt ist.“

Merz‘ Rolle in der Welt

Für Frankreich steht bei der Bewertung von Merz auch die Frage im Mittelpunkt, ob Deutschland seine Rolle als wichtigster europäischer Partner Frankreichs weiterhin ausfüllen kann. Paris ist auf ein politisch handlungsfähiges Deutschland angewiesen, etwa bei Fragen der europäischen Verteidigung, der Unterstützung der Ukraine und der gemeinsamen EU-Politik. Die jüngsten Wahlergebnisse nähren deshalb Zweifel. Die 21-jährige Eléonore, Studentin aus Paris, beschäftigt deshalb weniger die Frage nach Merz' persönlicher Beliebtheit als die Folgen seiner Schwäche für Europa: „Deutschland war jahrelang der starke Partner an unserer Seite. Jetzt mache ich mir Sorgen. Merz ist deutlich geschwächt und ich frage mich, ob wir uns überhaupt noch auf ihn verlassen können und was aus Europa wird, wenn sich Deutschland weiter in die Richtung entwickelt, die es gerade ansteuert.“

Auch in den USA wird Merz danach beurteilt, ob er Deutschland politisch und wirtschaftlich handlungsfähig halten kann. Für Washington ist ein stabiles Deutschland ein wichtiger Faktor für die europäische Sicherheitsordnung und die Zusammenarbeit innerhalb der NATO. Amerikanische Analysen stellen deshalb die Frage, ob er trotz des innenpolitischen Drucks seine Reformen durchsetzen und Deutschland als verlässlichen Partner führen kann.

Der Kanzler persönlich: Merz vs. Merkel

Die Zweifel an Merz beziehen sich nicht nur auf seine aktuelle politische Lage. Für manche Beobachter wird sein Ansehen erst im Vergleich mit seiner Vorgängerin Angela Merkel greifbar. In Frankreich wie in den USA ist Merkel weiterhin mit dem Bild eines politisch erfahrenen und international verlässlichen Deutschlands verbunden. „Ich erinnere mich an Angela Merkel“, sagt Didier, ein Rentner aus Montpellier, dieser Zeitung. „Die Frau war charismatisch. Man hatte das Gefühl, sie wisse, was sie tut. Der aktuelle Kanzler dagegen wirkt auf mich unbeholfen. Vielleicht fehlt ihm die Erfahrung oder er ist einfach nicht geeignet für den Job. Ich glaube jedenfalls, dass es dem Land unter Merkel besser ging.“

Auch in den USA fällt der Vergleich ähnlich aus. Der 25-jährige Carter aus Philadelphia sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich glaube, was Deutschland tatsächlich guttun würde, ist, wenn Merkel aus dem Ruhestand wiederkommen würde. Als sie noch da war, war doch mehr oder weniger alles in Ordnung. Merz dagegen hat gar nichts im Griff. Er ist egoistisch und arrogant.“

Was sehen die anderen, was wir nicht sehen?

Während in Deutschland vor allem Merz' innenpolitische Schwäche im Mittelpunkt steht, richtet sich der Blick außerhalb des Landes stärker auf die Folgen dieser Entwicklung. Frankreich interessiert vor allem, ob Deutschland trotz der politischen Turbulenzen ein verlässlicher und handlungsfähiger Partner in Europa bleibt.

In den USA geht es stärker um die strategische Rolle Deutschlands, von der NATO bis zur Unterstützung der Ukraine. Für Merz bedeutet das: Seine politische Zukunft wird nicht nur daran gemessen, wie viel Rückhalt er in Deutschland noch besitzt, sondern auch daran, ob er die Erwartungen an Deutschland als zentrale europäische Macht noch erfüllen kann.

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