Nahe des Alexanderplatzes zieht sich am Freitagmorgen eine Schlange aus hunderten Metal-Fans durch die Mollstraße. Der Grund: Ein Pop-Up Store von Metallica hat seine Pforten geöffnet – einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Heavy-Metal-Bands aller Zeiten. Pünktlich zum ausverkauften Konzert im Olympiastadion am Samstag reisen Fans aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Eile ist geboten: Bereits kommenden Montag zieht der Laden weiter in die nächste Stadt. Geöffnet ist der Store noch bis Samstag um 20 Uhr sowie am Sonntag bis 18 Uhr.
Die Stimmung in der Schlange ist ausgelassen. Etliche Fans tragen bereits Band-Shirts oder anderes Metallica-Merch, als wäre die Warterei schon Teil des Konzerterlebnisses. Für das Merchandise ihrer Lieblingsband nehmen sie stundenlanges Warten klaglos in Kauf. Schon am frühen Morgen zieht sich die Menschenmenge an der Embassade Eventlocation vorbei bis in die angrenzende Wadzeckstraße – wer sich am Ende der Schlange einreiht, muss mit zwei bis drei Stunden Wartezeit rechnen.
So lässt es sich warten: Dieser Schlangen-Camper ist bestens auf die Wartezeit vorbereitet.
© Albert Hammig/Berliner Zeitung
Der Laden bietet exklusives Metallica-Merchandise
Erfahrene Schlangen-Camper haben sich auf mitgebrachten Campingstühlen eingerichtet, alle anderen stehen sich die Füße wund. Einlass gibt es nur, wenn jemand den Laden verlässt – entsprechend schleppend geht es voran.
Der Grund für den Ansturm liegt auf der Hand: Der Shop bietet ein exklusives Sortiment, das es so nur hier gibt. Eine eigens für Berlin gepresste Splatter-Vinyl-Edition des Albums 72 Seasons, ein limitiertes Siebdruck-Poster, ein Event-T-Shirt sowie ein Skateboard-Deck, gestaltet von renommierten Künstlern. Daneben locken Premium-Artikel wie Schmuck der Kollektion Deathbones x Metallica und tourexklusive Fußballtrikots. Wer eine sogenannte M72 Fan Card erwirbt, nimmt automatisch an einem Gewinnspiel teil – Hauptpreis: ein begehrter Snake-Pit-Pass, also ein Platz direkt vor der Bühne.
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Anstehen seit 5 Uhr morgens
Eine Kundin vor dem Laden gehört zu den glücklichen Gewinnerinnen. Stolz zeigt sie ihr exklusives Ticket – morgen wird sie ihrer Band so nah sein wie nie zuvor. Die extra aus Nürnberg Angereiste stand bereits ab 6:30 Uhr in der Schlange; nach drei Stunden, eine halbe Stunde nach der Öffnung, durfte sie endlich eintreten. Knapp 300 Euro hat sie für T-Shirts, Caps und Poster gelassen. „Bei Metallica spielt Geld keine Rolle. Hauptsache, ich bin bestens gewappnet für das Konzert", sagt sie mit leuchtenden Augen.
Janine S. ist seit den Neunzigern treue Anhängerin von Metallica.
© Albert Hammig/Berliner Zeitung
Strahlend und mit prall gefüllten schwarzen Metallica-Tüten in den Händen kommt Janine S. aus dem Laden. Die Metal-Enthusiastin ist sogar eigens aus dem Sauerland angereist – allein für die Neueröffnung. „Ich bin für Metallica-Konzerte schon bis nach Philadelphia gereist, für mich ist das ein Katzensprung“, sagt sie grinsend. Sie betont, dass viele der Artikel schlicht nirgendwo sonst erhältlich seien – nicht einmal auf dem Konzert selbst. Seit 5:30 Uhr stand sie hier; als eine der Ersten durfte sie zuschlagen.
Der Manager des Metallica-Pop-Up-Stores beobachtet das bunte Treiben von draußen mit stoischer Gelassenheit. Auf die Frage, ob er mit einem solchen Ansturm gerechnet habe, antwortet er trocken: „Of course. It's Berlin.“ Auf das kursierende Gerücht, dass im Laufe des Freitags ein Bandmitglied persönlich vorbeischauen werde, äußert er sich nicht. Schon nach dem Wochenende bricht sein Pop-Up Store wieder auf – nächste Station: das italienische Bologna.
Metal-Hauptstadt für einen Tag
Das Konzert im Olympiastadion ist längst restlos ausverkauft; rund 95.000 Zuschauer werden erwartet – das größte Stadion-Konzert, das Deutschland je gesehen hat. Die M72-Tour, die auf dem Album 72 Seasons basiert, zählt zu den größten Rocktourneen der Gegenwart und hat weltweit bereits mehrere Millionen Besucher angezogen. Metallica spielt auf einer kreisförmigen 360-Grad-Bühne mitten im Stadion, sodass die Fans von allen Seiten freie Sicht auf die Band haben. Mehrere Türme mit riesigen Videoleinwänden machen die Produktion zu einer der aufwendigsten der Konzertgeschichte.
Kirk Hammett (L), Lars Ulrich (M) und James Hetfield von Metallica rocken am Samstag das Olympiastadion.
© David Silpa, IMAGO
Als Vorbands treten Gojira und Knocked Loose auf. Traditionell rätseln die Fans bis kurz vor Konzertbeginn über die Setlist: Klassiker wie Enter Sandman, One oder Master of Puppets gelten als sichere Kandidaten.
Metallica gründete sich 1981 in Los Angeles und zählt heute zu den meistverkauften Bands aller Zeiten – mehr als 125 Millionen Alben wurden weltweit abgesetzt. Das Schwarze Album von 1991 gehört bis heute zu den meistverkauften der Musikgeschichte. Obwohl James Hetfield, Lars Ulrich und ihre Bandkollegen die 60 längst überschritten haben, füllen sie nach wie vor mühelos die größten Stadien der Welt. Und offenbar auch Pop-Up Stores. Nach mehr als vier Jahrzehnten haben die Metal-Legenden nichts von ihrer Anziehungskraft verloren.
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