BERLIN. Während sich das neue Grippevirus rund um den Globus ausbreitet, bereiten sich Forscher in den Labors von Universitäten und Pharmafirmen auf die kommenden Aufgaben vor. Sie wollen zum einen herausfinden, ob und inwieweit der Mexikanischen Grippe mit bereits existierenden Impfstoffen gegen die normale Wintergrippe beizukommen ist und wie ein optimal wirksamer, neuartiger Impfschutz aufgebaut sein müsste."Als eines der ersten Labors hierzulande haben wir eine infektiöse Zellprobe von einem deutschen Patienten erhalten", berichtet Hans-Dieter Klenk, Virologieprofessor an der Universität Marburg. Man untersuche die Gensequenz und versuche, das Virus zu isolieren. Dazu werde es in befruchteten Hühnereiern und in Zellkulturen vermehrt. "Das kann ein paar Tage dauern", sagt Klenk. Anschließend könne man die Erreger mehreren Wirkstoffen aussetzen, um deren Schutzfunktion zu testen. Der in Marburg ansässige Impfstoffhersteller Novartis Behring wolle mit seinem Institut zusammenarbeiten, um möglicherweise ein neues Präparat zu entwickeln, sagt Klenk, dem es 2004 mit anderen Teams gelang, den Erreger der Sars-Seuche zu identifizieren. Richtig loslegen mit der Entwicklungsarbeit können die Wissenschaftler aber erst, wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihnen bestimmte Virenstämme liefert, gegen die der neue Impfstoff schützen muss."Sonst bricht Chaos aus"Auf diesen Moment bereiten sich nach Auskunft von Rolf Hömke vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) zahlreiche Impfstoffhersteller vor. "Dazu zählen die beiden deutschen Firmen Novartis Behring und Glaxo Smith Kline, die in Dresden produzieren", sagt Hömke. Alle Hersteller müssen sich an die WHO-Vorgaben halten, "sonst bräche Chaos aus", sagt Hömke. Die Virenstämme würden die genetische Bandbreite des neuen Erregers abdecken, um einen optimalen Schutz zu ermöglichen. "Manche Viren lassen sich sehr schwer vermehren, die Entwicklung einer Schutzimpfung kann Monate dauern", sagt der VFA-Sprecher. Das Robert-Koch-Institut geht von drei Monaten aus. Der fertige Impfstoff besteht aus Virusteilen, Wirkverstärkern, Salzen und Flüssigkeit.Durch die weltweiten Vorbereitungen auf eine Vogelgrippe-Pandemie sei die Industrie für den Notfall gerüstet und könne schnell große Mengen produzieren. Man arbeite an einem Universalimpfstoff, der gegen viele Subtypen des Grippe-Erregers wirke und vom Zwang zum ständigen Ummodeln befreie, sagt Rolf Hömke. "Aber leider ist die Supervakzine noch nicht gefunden."
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