Vatikan

Stollen für den Heiligen Stuhl: Sachsens Ministerpräsident besucht den Papst

Es sind vier Tage Luftholen von der CDU-Krise: Michael Kretschmer wird zum zweiten Mal vom Heiligen Vater empfangen und bringt Geschenke aus Sachsen mit.

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Auf dem Petersplatz in Rom findet morgen die Generalaudienz des Papstes statt, an der auch sächsische Kirchenvertreter teilnehmen.

Auf dem Petersplatz in Rom findet morgen die Generalaudienz des Papstes statt, an der auch sächsische Kirchenvertreter teilnehmen.

© Alessandra Tarantino/AP/dpa

Es dürfte eine schöne Auszeit von den Krisensitzungen in der Bundes-CDU sein. Nachdem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer noch am Montag im Parteipräsidium in Berlin beratschlagte, wie es mit der Partei und dem Kanzler weitergeht, steht ab Dienstag ein wesentlich versöhnlicherer Termin an.

Kretschmer reist zusammen mit Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch, Infrastrukturministerin Regina Kraushaar und Justizministerin Constanze Geiert (alle CDU) sowie Vertretern des Bistums Dresden-Meißen nach Rom. Für den Ministerpräsidenten und seine Ministerinnen steht am Mittwoch auch eine Privataudienz bei Papst Leo XIV. an – für Kretschmer persönlich ist es bereits die zweite Audienz beim Papst.

2022 empfing Papst Franziskus ihn und Ehefrau Annett Hoffmann im Vatikan. Kretschmer selbst bezeichnete seine erste Audienz und das Gespräch mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche als unvergesslich, als er nach dem Tod von Papst Franziskus 2025 Anteil nahm.

Dazu reist auch eine 15-köpfige Delegation des Bistums Dresden-Meißen, der unter anderen der emeritierte Bischof Heinrich Timmerevers und Diözesenadministrator Andreas Kutschke angehören, der derzeit die Amtsgeschäfte führt.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und seine Frau wurden bereits 2022 vom damaligen Papst Franziskus empfangen.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und seine Frau wurden bereits 2022 vom damaligen Papst Franziskus empfangen.

© Vatican Media/imago

Schwerpunkte der Reise von Dienstag bis Donnerstag seien das 30-jährige Bestehen des Staatskirchenvertrages zwischen Sachsen und dem Heiligen Stuhl sowie die Stärkung der Partnerschaft zur Region Latium, teilte die sächsische Staatskanzlei mit.

Während seines Aufenthaltes übergibt Kretschmer einen 1, 50 Meter großen Herrnhuter Stern an den Vatikan. Auch ein vier Kilogramm schwerer Christstollen aus dem Erzgebirge reist mit zum Papst. Den hat Konditor Thomas Neubert aus Bärenstein extra gebacken und dazu ein eigens angefertigtes Holzbrett mit dem Namen des Pontifex anfertigen lassen.

Die Geschenke sächsischer Volkskunst und Backtradition kamen offensichtlich schon bei den letzten Besuchen gut an. Der Herrnhuter Stern soll im Dezember auf dem Petersplatz die Adventskrippe schmücken.

Naumburger Cranach-Altaraufsatz nach Rom ausgeliehen

Gemeinsam mit dem Leipziger Künstler Michael Triegel werde Kretschmer außerdem das Cranach-Triegel-Altarretabel des Naumburger Doms besichtigen, hieß es. Das von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) geschaffene und 2022 von Triegel ergänzte Kunstwerk wird derzeit in der Kirche Santa Maria della Pieta auf dem Campo Santo Teutonico direkt neben dem Petersdom präsentiert. Es wurde für zwei Jahre nach Rom ausgeliehen.

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In Naumburg hatte der neu gestaltete Altaraufsatz für Diskussionen gesorgt. Nach Ansicht von Experten verdeckten die Altarbilder die berühmten Stifterfiguren aus dem 13. Jahrhundert. Wegen einer drohenden Aberkennung des Unesco-Welterbetitels für den Dom soll nun eine akzeptable Lösung gefunden werden.

Auf dem Programm steht zudem der Besuch der Päpstlichen Universität Gregoriana und Gespräche mit Gelehrten über Kirchenrecht. Sachsen feiert in diesen Tagen den 30. Jahrestag der Kirchenstaatsverträge, die das Zusammenspiel zwischen Kirche und Staat beispielsweise im Religionsunterricht an sächsischen Schulen oder auch bei der Seelsorge im Strafvollzug oder bei der Polizei regeln.

Papst sucht neuen sächsischen Bischof mit aus

Der Heilige Vater ist in den nächsten Wochen und Monaten auch in die Suche nach einem neuen Bischof für Sachsen involviert. Anfang September hatte Papst Leo XIV. das Rücktrittsgesuch von Bischof Heinrich Timmerevers entgegengenommen.

Diesem wird in Rom diese Woche noch einmal eine große Ehre zuteil: Er darf seine letzte Messe am Donnerstagmorgen im Petersdom abhalten. Zudem sitzt seine Delegation morgen prominent bei der Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz - und hofft auf ein persönliches Zusammentreffen mit dem Kirchenoberhaupt.

Zeitgleich begann die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. In Rom werden dazu die jährlich eingereichten Empfehlungen des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet. Unter Würdigung dieser Listen erstellt der Heilige Stuhl einen Dreiervorschlag, der zumindest einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten muss.

Aus dieser „Terna“ wählt das Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof von Dresden-Meißen, der dann durch den Heiligen Vater ins Amt berufen wird. Ein Prozess, der erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern kann, so die Pressestelle des Bistums.

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