Trauer

Benjamin-Blümchen-Sänger Michael Thilo ist tot: Wie der DDR-Musiker in West-Berlin blieb

Unter seinem bürgerlichen Namen Michael-Tilo Amft veröffentlichte er Musik bei Amiga. Im Westen wurde seine Stimme durch ein Lied bekannt, das viele bis heute auswendig können.

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Michael Thilo bei einem Fernsehauftritt im Jahr 1975.

Michael Thilo bei einem Fernsehauftritt im Jahr 1975.

© kpa/imago

Sein Name dürfte vielen kaum etwas sagen. Seine Stimme dagegen haben Millionen Menschen gehört: Michael Thilo sang das ursprüngliche Titellied der Hörspielreihe Benjamin Blümchen und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre. Nun ist bekannt geworden, dass der Musiker bereits am 3. März im Alter von 81 Jahren gestorben ist.

Sein Sohn Enrico Amft bestätigte den Tod dem Münchner Merkur. Zuvor war die Nachricht lediglich auf einer Fanseite veröffentlicht worden. Eine eigene öffentliche Mitteilung der Familie oder des heutigen Benjamin-Blümchen-Anbieters KIDDINX gibt es bislang nicht.

Thilos Weg zu einem der bekanntesten deutschen Kinderhörspiele begann allerdings ganz woanders: in der DDR. Und eine entscheidende Station seiner Biografie war West-Berlin.

Als Michael-Tilo Amft nahm er bei Amiga auf

Geboren wurde der Musiker am 22. September 1944 in Dresden als Michael Tilo Amft. In der DDR trat er als Michael-Tilo Amft auf. Ein Archiv zur DDR-Unterhaltungsmusik, das seine Angaben unter anderem auf zeitgenössische Ausgaben der Zeitschrift Melodie & Rhythmus stützt, verzeichnet sein Amiga-Debüt für das Jahr 1969.

Amft war nicht nur Sänger, sondern schrieb auch eigene Musik. Von ihm stammen unter anderem „Barbara“ und „Drei Wochen Urlaub“. Für das 1971 veröffentlichte „Ich denk’ an den Winter“ komponierte er die Musik, den Text schrieb Gisela Steineckert. Am Mikrofon stand er gemeinsam mit Aurora Lacasa. Auch mit dem bekannten DDR-Texter Kurt Demmler arbeitete er zusammen.

Dann nahm seine Karriere eine entscheidende Wendung. Mitte der 1970er Jahre kam Amft für ein Gastspiel nach West-Berlin – und blieb dort. Mehr ist über die Umstände dieses Schrittes öffentlich kaum dokumentiert. Im Westen trat er fortan als Michael Thilo auf, veröffentlichte weitere Platten und war auch im Fernsehen zu sehen.

Von West-Berlin zu Benjamin Blümchen

Wenig später entstand jene Aufnahme, die seine übrige Karriere schließlich überstrahlen sollte. Thilo sang das ursprüngliche Benjamin-Blümchen-Titellied – jene Gitarrenfassung, mit der die frühen Hörspiele begannen.

Bei den Originalaufnahmen war Thilos Musik in den ersten 57 Folgen und bis 1987 zu hören. Später wurde die Titelmelodie ersetzt.

Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die Bedeutung dieses Liedes innerhalb und außerhalb der Familie offenbar war. „Benjamin Blümchen war eher eine Randerscheinung. Das war für Außenstehende immer größer als für uns“, sagte Sohn Enrico Amft dem Münchner Merkur. Er entdecke bis heute Aufnahmen seines Vaters, die er selbst noch nicht gekannt habe.

Besonders deutlich werde die Bekanntheit des Liedes, wenn er anderen Menschen erzähle, wer es gesungen habe. Viele könnten die alte Benjamin-Blümchen-Melodie noch aus ihrer Kindheit mitsingen, berichtete Amft. Erst anschließend erfuhren sie, dass sein Vater hinter der Aufnahme steckte.

Michael Thilo trat bis 2009 in Berlin auf

Auch Berlin blieb in Thilos späterem Leben präsent. Nach Angaben seines Sohnes trat der Sänger noch bis 2009 regelmäßig in der Zitadelle in Berlin auf. Erst danach reduzierte er seine musikalischen Aktivitäten zunehmend. Zuletzt lebte Michael Thilo in Guttenberg im oberfränkischen Landkreis Kulmbach.

Damit führt seine Biografie durch sehr unterschiedliche Kapitel deutscher Musikgeschichte: vom DDR-Plattenlabel Amiga über den Entschluss, nach einem Gastspiel in West-Berlin nicht zurückzukehren, bis zu einer Melodie, die für viele Westdeutsche zur Kindheit gehörte.

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