Aus seiner Abneigung gegenüber dem Rivalen hat Steve Ballmer, 51, nie einen Hehl gemacht. "Ich werde Google killen", schrie der Chef des weltgrößten Computerprogramme-Herstellers Microsoft und schleuderte wütend einen Stuhl durch den Raum, als ihm wieder einmal ein Mitarbeiter mitteilte, zu dem Suchmaschinenkonzern wechseln zu wollen. Auch wenn Ballmer später Einzelheiten des in Gerichtsakten bezeugten Vorgangs aus dem November 2004 bestritt - dass der bullig wirkende Microsoft-Boss Google gerne auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgen würde, daran hat er nie Zweifel gelassen."Nicht erwünscht"Gestern nun verkündete der Software-Riese aus Redmond, US-Bundesstaat Washington, eine Maßnahme, die Ballmer seinem Ziel näher bringen kann: Microsoft will für 44,6 Milliarden Dollar (31 Milliarden Euro) den wichtigsten Gegenspieler Googles bei Onlinewerbung, Webportalbetreiber Yahoo, kaufen. Der von Bill Gates mitbegründete Konzern sei bereit, 31 Dollar je Yahoo-Aktie in Microsoft-Papieren und bar zu zahlen. Dies entspricht einem Aufschlag von 62 Prozent zum Schlusskurs vom Donnerstag. "Wir haben großen Respekt für Yahoo", erklärte Ballmer. "Gemeinsam können wir immer attraktivere Angebote für Verbraucher, Verleger und Werbekunden anbieten", warb er.An den Börsen herrschte freudige Überraschung: Die Nachricht von dem Mega-Übernahmeangebot ließ die zuletzt von Rezessionsängsten arg geplagten Anleger rund um den Globus auf wieder steigende Kurse hoffen: Der deutsche Aktienindex Dax ging fast zwei Prozent nach oben; Yahoo-Aktien notierten gestern in New York mit einem Plus von rund 50 Prozent.Dabei sind Zweifel angebracht, ob der Deal zustande kommt. Die Yahoo-Führung sagte zwar eine Prüfung des Angebots zu, wertete die Microsoft-Offerte allerdings als "nicht erwünscht". Schwerer wiegt, dass Microsoft beim Zustandekommen der Übernahme auch im Internet jene Stellung erobern könnte, die der Konzern bei Software mit seinen Windows-PC-Betriebssystemen und den "Office" getauften Bürosoftwarepaketen inne hat: die eines in weiten Teilen des World Wide Web marktbeherrschenden und damit umstrittenen Unternehmens.Microsoft würde dank Yahoo nicht nur zur Nummer eins auf dem Suchmaschinenmarkt, Google, aufschließen können. Der Gates-Konzern wäre auch in der Lage, das Geschäft mit herkömmlicher Online-Werbung, den Bannern und Pop-up-Fenstern, zu dominieren. Und damit Google langfristig zu schlagen - ein Szenario, das staatliche Wettbewerbsaufsichten, die den Kauf kartellrechtlich genehmigen müssen, wohl kaum riskieren möchten.Zwar gibt sich Microsoft sicher: Man gehe von einer Zustimmung der Behörden bis Ende 2008 aus, hieß es aus Redmond. Aber ob die EU-Kommission die angestrebte Allianz so schnell durchwinkt, darf bezweifelt werden. Schließlich hat Brüssel nicht nur wegen früherer Fälle von Marktmachtmissbrauch gegen Microsoft mehr als eine halbe Milliarde Euro Strafen verhängt. Seit kurzem untersucht die EU überdies erneut das Gebaren des Konzerns, diesmal auf dem Bürosoftware-Markt.Die Kampfansage Ballmers ist auch als Versuch einer Revanche gegenüber Google-Chef Eric Schmidt zu werten. Wie Ballmer hat Schmidt, 52, für seinen Hauptkonkurrenten kein gutes Wort übrig. Anders als Ballmer konnte der Google-Chef bisher aber immer weiter in das Kerngeschäft von Microsoft vordringen: Mit Google Apps macht der Suchmaschinenriese beispielsweise Microsoft Unternehmenskunden abspenstig - sie nutzen für 40 Euro Lizenzgebühr im Jahr Onlineversionen von Textbearbeitungs-, Tabellenkalkulations-, Terminverwaltungs- und Kommunikationsprogrammen, deren Kauf in Form von Microsoft-Software tausende Euro kosten kann. Im Kerngeschäft wiederum gelingt es Schmidt, die Konkurrenz abzuhängen. So entfielen am 31. Januar 89,2 Prozent aller Suchanfragen in Deutschland auf Google. Für Microsoft entschieden sich nur 1,9 Prozent der Bundesbürger, maß die Marktforschung von Webhits.de. Auf dem wichtigsten Markt USA deklassierte Google Microsoft um den Faktor Sechs: 5,6 Milliarden Suchanfragen wurden im Dezember über Google-Webseiten gestartet, nur 940 Millionen bei Microsoft.Allerdings gibt es in den Vereinigten Staaten einen Wettbewerber, der Google noch immer die Stirn bieten kann: Yahoo. Der Webpionier aus Kalifornien, der seit kurzem wieder von Mitgründer Jerry Yang geleitet wird, leidet zwar auch unter der Google-Konkurrenz. Doch stark ist Yahoo noch immer bei herkömmlicher Online-Werbung - eine Domäne, in die Google mit der von Brüssel noch nicht genehmigten Übernahme des Werbevermarkters Doubleclick vordringen möchte. Just am Mittwoch musste Yang einen Gewinneinbruch für 2007 vermelden. Das Unternehmen will deshalb 1 000 seiner rund 12 000 Stellen streichen - Steve Ballmer sah seine Chance gekommen, den angeschlagenen Webportal-Betreiber Microsoft einzuverleiben.80-Milliarden-Dollar-MarktGemeinsam könnten Microsoft und Yahoo Werbekunden wettbewerbsfähigere Angebote machen und damit eher die Vormachtstellung des Suchmaschinenbetreibers Google angreifen, warb Ballmer. Damit könnte der Microsoft-Chef recht behalten. Denn wenn es zu einer Fusion kommt, dürfte das nur der Auftakt für weitere Zukäufe von Microsoft und Google sein - was die Preise für Onlinewerbung hoch treiben würde. "Es geht um eine weitere Konzentration des Marktes", sagt Veit Siegenheim von der Unternehmensberatung Accenture, der mit seinem Kollegen Ralf Kaumanns ein Sachbuch über Google veröffentlicht hat. Viel steht auf dem Spiel: Bis 2010 rechnet Microsoft mit einer Verdopplung der weltweiten Online-Werbeaufwendungen auf dann 80 Milliarden Dollar im Jahr. Wo so viel Geld auf dem Spiel steht, wird Google nicht lange mit einer Antwort auf Microsofts Vorstoß zögern, glaubt Siegenheim. Ähnlich Yahoo drohten dann auch andere Internetanbieter zwischen Google und Microsoft zerrieben zu werden. Das Onlineauktionshaus Ebay etwa, das zuletzt glücklos geführt wurde. Oder AOL, für das der US-Mutterkonzern TimeWarner schon länger nach Ausstiegsoptionen sucht. Ebay wie AOL arbeiten übrigens in Sachen Werbung längst mit Google zusammen. Eins zumindest scheint sicher: Im Web entsteht ein Duopol. Früher oder später.------------------------------Gewaltiger Kurs-AufschlagGrafikYahoo: Wer Yahoo-Aktien besitzt, konnte sich am Freitag über eine Tagessteigerung von rund 50 Prozent freuen. Allerdings liegt der Kurs noch deutlich unter Vorjahreswert.GrafikGoogle: Die Papiere von Google standen deutlich unter Druck, nachdem das Unternehmen die Börse am Vorabend auch noch mit den Quartalszahlen enttäuscht hatte.GrafikMicrosoft: So richtig überzeugen konnte der Software-Riese die Börsen mit seinen Übernahmeplänen offensichtlich nicht. Der Kurs der Aktie gab ebenfalls nach.------------------------------Grafik: Suchanfragen USAGrafik: Suchmaschinen-Nutzung / Google liegt in Deutschland unangefochten an der Spitze.------------------------------Foto: Werbung auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas: Auf der Yahoo-Straße ist der Weg klar vorgegeben - ins Internet. Wohin sonst.------------------------------Foto: Milliardär gegen Milliardär - Microsoft-Chef Steve Ballmer (r.) will die Vorherrschaft von Online-Werbemarktführer Google mit Eric Schmidt an der Spitze brechen. Beide gehören zu den reichsten Menschen der Welt.
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