In den Streit zwischen dem Wohnungsunternehmen Prima GmbH und seinen Mietern hat sich nun auch der Berliner Mieterverein eingeschaltet. Er fordert von der Prima, die Geschäftspolitik zu überprüfen. "Die Sanierung der Wohnungen geht zu Lasten der Mieter", so Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. Ob in Alt-Friedrichsfelde, der Balaton- und Moldaustraße, der Mellenseestraße oder in der Rudolf-Seiffert-Straße in vielen Gebieten des Bezirks stößt die Prima-Sanierungspraxis auf Kritik. Mieter haben sich deshalb geweigert, die Modernisierungsvereinbarung des Unternehmens zu unterschreiben und der Modernisierung zuzustimmen. Als Grund werden zu hohe Kosten und keine klare Trennung zwischen Sanierung und Instandsetzung genannt. "Ein Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer hat festgestellt, daß die Sanierungskosten bei Prima-Häusern zwischen 15 und 97 Prozent höher liegen als in vergleichbaren Objekten", so Vetter. Kritisiert wird jedoch auch der Druck, den das Unternehmen auf seine Mieter ausübt. "Die Prima stellt die Leute vor die Alternative: Entweder ihr unterschreibt unsere Modernisierungsvereinbarung, oder wir sanieren überhaupt nicht", sagt der Lichtenberger Bezirksleiter des Mietervereins, Eckbert Krappe. Das deckt sich auch mit den Erfahrungen der Mieter aus der Rudolf-Seiffert-Straße 19. Während in den Nachbaraufgängen saniert wird, geschieht in ihrem Haus nichts. "Zehn von 33 Mietparteien haben die Prima-Vereinbarung nicht unterschrieben", sagt Bewohnerin Ruth Rogée. Nun würden nicht mal defekte Fenster ausgewechselt. Die Prima GmbH bezeichnet die kritischen Mieter als "Einzelfälle". "Wir bekommen auch Post, wie zufrieden die Bewohner mit den Wohnungen sind", sagt Curt von Goßler, einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Von Druck auf die Mieter will er nichts wissen. "Wir nutzen nur den vorhandenen Spielraum aus." Und die Baukosten seien "absolut in Ordnung". 350 Millionen Mark will die Prima GmbH in die Sanierung der von der WBL gekauften Wohnungen investieren. Da die GmbH mit ihrem geringen Stammkapital von 204 000 Mark dazu allein nicht in der Lage ist, finanzieren gleich sieben Banken das Groß-Projekt. "Wenn wir an der Sanierung gehindert werden, kann das ganze Projekt baden gehen", glaubt Goßler. Hartmann Vetter indes wirft der Prima eine "ungesunde Konstruktion" vor. So seien Goßler und seine Kollegen Gesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens zugleich und außerdem Mitglieder der Arbeitsgruppe Stadtplanung und Architektur, die im Auftrag der Prima die Bauarbeiten plant und leitet. Hinzu komme, daß die WBL die mit 24,5 Prozent zu den Gesellschaftern des Unternehmens gehört der Prima beim Verkauf der Wohnungen vertraglich zugesichert habe, 20 Jahre lang für leerstehende Wohnungen zu zahlen. Damit könne es der Prima egal sein, ob Mieter ausziehen oder nicht.
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