Milde des Lebens

Klaus Georg Koch
2 Min

Zwei Meldungen aus diesen Tagen schließen ein übles Kapitel Berliner Kulturpolitik. Udo Zimmermann wird in Dresden Intendant eines "Europäischen Zentrums der Künste Hellerau". Fabio Luisi wird Generalmusikdirektor der Sächsischen Staatsoper, ebenfalls in Dresden, nach dem Votum der Orchestermusiker, wie es heißt.Zimmermann war zuletzt Intendant der Deutschen Oper Berlin für ein Jahr, bis ihn der Kultursenator Flierl entließ. Luisi war als Zimmermanns Generalmusikdirektor designiert. Eine Koalition aus Orchestermusikern, Freunden der Deutschen Oper und Berliner Politikern, allen voran Christoph Stölzl und Klaus Wowereit, nötigten ihn zur Resignation. An seiner Stelle wurde Christian Thielemann installiert.Nachdem nun auch die Unterlegenen neue Aufgaben und vergleichbare Titel gefunden haben, ist die Sache erledigt. Die Vorgänge um Luisi wurden damals unter dem Titel "Politik der Unverschämtheiten" hinreichend erörtert; die Vermutung, die Demontage Luisis bedeute bereits die Entmachtung Zimmermanns, hat sich bestätigt, bald nachdem dieser sein Amt angetreten hatte.Auch die berühmte Frage, die Klaus Wowereit, damals noch Fraktionsvorsitzender der Berliner SPD, mit Applomb stellte: "Was sollen wir mit einem Herrn Luisi, wenn wir Christian Thielemann haben können?", diese Frage lässt sich nun beantworten. Mit Christian Thielemann ist Udo Zimmermann hinausgetrieben worden. Die Deutsche Oper hat keinen Intendanten im vollen Sinne mehr, es ist auch keiner nominiert. Mit dem Intendanten ist dem Opernhaus auch der ästhetische Aufbruch abhanden gekommen, der nach der Erstarrung zum Ende der langen Amtszeit Götz Friedrichs überfällig erschien. Die aktuelle Leitung des Hauses hat sich um die Glättung der Wogen und um eine Beruhigung des Stammpublikums bemüht, das Haus wirkt wieder stabilisiert. In Fragen der Sängerbesetzung steht es respektabel da. Aber es gibt auch Momente wie die unzulängliche Inszenierung des "Don Pasquale" oder das alberne Gastspiel der Wiener Staatsoper mit Bellinis "Puritanern". Eine künstlerische Linie, ein Ziel, ein Profil, wie es gerade in schwierigen Zeiten wünschenswert erschiene, besitzt die Deutsche Oper nicht.Christian Thielemann selbst hat nach seiner Installierung erklärt, viel Zeit für sein Haus habe er aber nicht. Daran hat er sich gehalten, dirigiert meist anderswo. Andererseits konnte das Orchester der Deutschen Oper, das sich so für Thielemann stark gemacht hatte, sein Spiel zuletzt auch ohne Chef stetig verbessern. Man mag es jetzt für versöhnlich halten, dass selbst die gröbsten Entscheidungen der Politik durch die Unwägbarkeiten des Lebens zuweilen in ihren Folgen gemildert werden können.

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