Afghanistans Präsident Karsai will morgen seine Regierung vorstellen. Viele Afghanen haben kaum Hoffnung, dass sich damit ihre Lage bessert. Auch für Hilfsorganisationen werde die Arbeit schwieriger, sagt der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann.Karsai konnte sein Amt nur durch Wahlbetrug und westliche Unterstützung behalten. Wird sich das auf die Sicherheitslage auswirken?Fehlende Rechtsstaatlichkeit, Korruption und Kriminalität gehörten schon bisher zu den größten Sorgen der Afghanen. Die zweifelhaften Umstände der Wahlen mindern die Hoffnung der Afghanen weiter, dass sich die Sicherheitslage verbessert. Ihre Skepsis gegenüber Ausländern nimmt zu - und damit die Risiken für die Helfer.Die Uno hat unlängst viele ihrer Mitarbeiter abgezogen. Was bedeutet das für die Hilfsorganisationen?Schon in den vergangenen Jahren haben mehrere Hilfsorganisationen ihr Engagement in Afghanistan aufgegeben. Für die Bleibenden wird es immer schwieriger, ihre Position zu halten und beizutragen, dass sich die Lebensbedingungen für die Afghanen verbessern.Ist es da nicht zwangsläufig, dass Soldaten Aufbauarbeit leisten?Nein, gute Entwicklungszusammenarbeit kann nicht von Laien durchgeführt werden, dafür braucht es entsprechende Ausbildung, Wissen, Erfahrung. Bei Aufbauarbeit geht es ja nicht darum, mal eine Brücke in Stand zu setzen. Außerdem können oder wollen die afghanischen Aufständischen nicht mehr zwischen Soldaten und zivilen Entwicklungshelfern unterscheiden. Das aber bedeutet eine ganz akute Gefährdung der zivilen Helfer. Wir werden zunehmend ein attraktives Ersatz-Ziel, weil auch der Tod von humanitären Helfern die Weltöffentlichkeit entsetzt.Wie kann, wie muss Afghanistan geholfen werden?Es hat niemand ein Patentrezept. Aber den Kampf gegen Drogenanbau zum Beispiel kann man nur mit den Bauern gewinnen. Mehr Mittel und Energie müssen in die nachhaltige Armutsbekämpfung fließen, und zwar nicht nur in Regionen, wo gekämpft wird, sondern dorthin, wo es Not gibt. Aber halbwegs sichere Gebiete bekommen keine Aufmerksamkeit und es fehlt der Wille, sich dort zu engagieren. Vor allem aber müssen wir mehr Geld und Energie für die Entwicklung des ländlichen Raumes aufbringen.Wie steht das Entwicklungsministerium dazu?Wir begrüßen, dass das Ministerium generell die Förderung für den ländlichen Raum erhöhen will. Das sollte ja auch im Abschlussdokument des Welternährungsgipfels in Rom festgeschrieben werden, was aber nicht passierte. Leider hat Entwicklungshilfeminister Niebel nur seine Staatssekretärin nach Rom geschickt. Wenn ihm aber diese Förderung wichtig wäre, würde ich erwarten, dass sich der Minister persönlich auf einem solchen Forum dafür einsetzt.Wird die Welthungerhilfe in Afghanistan bleiben?Wir mussten bereits einen unserer drei Standorte aufgeben, doch wir unterstützen in Afghanistan eine halbe Million Menschen - und würden das Land nur verlassen, wenn es nicht anders ginge. Sobald wir Geleitschutz durch Militärs oder gepanzerte Autos anfordern müssten, wären die Voraussetzungen für unsere Arbeit nicht mehr gegeben - und wir müssten gehen.Das Gespräch führte M. Doering.------------------------------Foto: W. Jamann, Welthungerhilfe
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