Wer ein Faible für große Zahlen hat, ist derzeit im Freistaat Bayern an der richtigen Adresse. Wenn man die staatlichen Hilfen, die am Freitag für die Bayerische Landesbank (BayernLB) auf den Weg gebracht wurden, addiert, kommt man auf die stolze Summe von gut 30 Milliarden Euro. Verbunden mit der Aussage, niemand könne sagen, ob dies schon das Ende der Fahnenstange sei.Natürlich sind nicht 30 Milliarden Cash auf den Tisch zu legen, aber schon die zehn Milliarden Euro an Kapitalspritze sind ein Betrag, der den bayerischen Staatshaushalt ins Wanken bringen kann. Zwar wird das ganze in ein "Sonderkapitel" zum Landeshaushalt ausgelagert, aber inzwischen durchschaut jeder, dass dahinter reine Kosmetik steckt. Selbst drucken kann der Freistaat das Geld ja nicht.Über viele Jahre hinweg hat Alt-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sparen lassen, dass die Schwarte krachte: Mit den Blinden legte er sich an wegen des Blindengeldes, die Polizisten mussten alte Schrottautos weiter fahren, bis sie auseinanderfielen, und die Trachtler drohten wegen der Streichung der Zuschüsse zur Trachten-Beschaffung mit dem Boykott des Oktoberfestzugs. Mit Ach und Krach schaffte Stoiber den ausgeglichenen Landeshaushalt.Doch während Stoiber sparte, zockten seine Landesbanker in den USA. Und jetzt ist das Zigfache von dem, was mühsam zusammen gekratzt wurde, weg. Der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kann sich ebenso wie sein Finanzminister Georg Fahrenschon wenigstens auf die Gnade der späten Wahl berufen. Die Fehler der Vergangenheit belasten ihn also nicht persönlich. Falschmachen kann er jetzt dennoch einiges. Immerhin geht es um die siebtgrößte deutsche Bank.Würde Bayern jetzt nicht handeln, wären die Folgen katastrophal. Die bayerischen Sparkassen, eine der Stützen des Mittelstands, würden ebenfalls in Schwierigkeiten kommen. Und die Bank mit einer Bilanzsumme von 100 Milliarden einfach an die Wand fahren zu lassen, kann sich ohnehin niemand vorstellen. Aus Bayern würde Island - über Nacht.Es bleibt der bayerischen Regierung also nichts anderes übrig, als die Milliarden locker zu machen. Doch die hohen Zinsen für die Bundes-Milliarden und den damit verbundenen Einmarsch der Berliner in das Führungsgremium der Bank wollen die Bayern wenigstens noch verhindern. Um dann - vielleicht - eines Tages wieder eine starke BayernLB wie den Phoenix aus der Asche neu entstehen zu lassen. Denn letztlich geht es nicht nur um Geld, sondern auch die noch vorhandenen Reste des bayerischen Selbstbewusstseins.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]