Kanada hat mit Australien und dem Rüstungskonzern BAE Systems Australia einen Vertrag über die Lieferung eines Langstreckenradars zur Überwachung der Arktis unterzeichnet. Das teilte die kanadische Defence Investment Agency, die für Rüstungsbeschaffungen zuständige Behörde in Ottawa, am Montag mit.
Das Auftragsvolumen beträgt nach Regierungsangaben umgerechnet rund 1,75 Milliarden US-Dollar. Es handelt sich nach Darstellung beider Regierungen um den größten Rüstungsexport in der Geschichte Australiens.
Der kanadische Staatssekretär für Rüstungsbeschaffung, Stephen Fuhr, unterzeichnete die Vereinbarung mit dem australischen Vizepremier und Verteidigungsminister Richard Marles bei einer Zeremonie in Canberra. Mit dem Abkommen gehe das Programm „Arctic Over-the-Horizon Radar“ in die Lieferphase, teilte die Behörde mit. BAE Systems Australia soll am 1. Juli mit den Arbeiten beginnen. Eine erste Einsatzbereitschaft ist für Dezember 2029 vorgesehen.
Reichweite bis zu 3000 Kilometer
Bei der Technik handelt es sich um ein sogenanntes Über-den-Horizont-Radar. Es nutzt die Reflexion hochfrequenter elektromagnetischer Wellen an der Ionosphäre und kann dadurch Flugzeuge, Schiffe und Raketen auch hinter der Erdkrümmung erfassen.
Das australische Vorbildsystem, das Jindalee Operational Radar Network, kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 3000 Kilometern aufspüren, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf australische Angaben berichtete. Die Technologie ist nach Angaben von BAE Systems Australia seit mehr als 40 Jahren entwickelt worden.
Kanadas arktisches Gebiet umfasst rund 40 Prozent der Landesfläche, ist aber dünn besiedelt. Ein erheblicher Teil der russischen Arktis liegt Kanada und dem US-Bundesstaat Alaska gegenüber.
Kanada kam den USA zuvor
Dem Auftrag gingen monatelange Verhandlungen zwischen Canberra und Washington über einen möglichen Export der Jindalee-Technologie in die USA voraus. Kanada kam dem zuvor: Premierminister Mark Carney hatte den Kauf bereits im März 2025 bei einem Besuch im nordkanadischen Nunavut angekündigt, wie der australische Sender ABC berichtete.
Das System solle Kanada in die Lage versetzen, „sowohl Luft- als auch Seebedrohungen über unserer Arktis schneller und aus größerer Entfernung zu erkennen und darauf zu reagieren“, sagte Carney damals. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP entschied sich Carney dabei gegen eine vergleichbare US-Technik.
Die Entscheidung fiel in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Ottawa und Washington. US-Präsident Donald Trump hatte Kanada als möglichen 51. Bundesstaat der USA bezeichnet und hohe Zölle gegen das Nachbarland verhängt. Zugleich drängte die US-Regierung Kanada, seine Rüstungsausgaben anzuheben.
Der australische Premierminister Anthony Albanese verwies darauf, dass es angesichts der US-Zollpolitik auch für Australien sinnvoll sei, seine Handelsbeziehungen zu verbreitern: Kanada sei dabei ein wichtiger Partner.
Industrielle Effekte für beide Länder
Albanese sprach von einem „bedeutenden Meilenstein im australischen Rüstungsexport“. Nach Angaben der australischen Regierung sollen durch das Geschäft rund 300 Arbeitsplätze in Australien entstehen.
Kanada beziffert den jährlichen Beitrag zur eigenen Wirtschaftsleistung auf rund 290 Millionen kanadische Dollar. Nach Regierungsangaben soll das Projekt von 2026 bis 2033 jährlich etwa 2270 Arbeitsplätze in Kanada sichern. Das Programm ist Teil der laufenden Modernisierung des nordamerikanischen Luftraumverteidigungsverbunds NORAD.
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