In der bayerischen Politik gelten bekanntlich eigene Gesetze. Dazu gehört, dass sich Mandatsträger, die durch Pannen, Ungeschicklichkeiten und Skandale auffallen, dank der Monopolstellung der CSU ungewöhnlich lange im Amt halten können. Man denke nur an Edmund Stoiber, der trotz langer Querelen nicht vom Amt des Ministerpräsidenten lassen konnte. Oder an dessen Vorgänger Max Streibl, der sich in der Amigo-Bestechungsaffäre durch beharrliche Uneinsichtigkeit auszeichnete. Oder an die Strauss-Tochter Monika Hohlmeier, die trotz ihrer Affäre um Stimmenkäufe in der Münchener CSU lange am Posten der Kultusministerin festhielt. Der neueste Fall ist Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf.Der Oberfranke ist immer noch im Amt, obwohl er diverse Krisen und Skandalen zu verantworten hat. Etwa den bislang wenig erfolgreichen Kampf gegen Betriebe, die Gammelfleisch auf den Markt bringen: In Schnappaufs Amtszeit fällt eine beispiellose Serie ekelerregender Funde.Als in dieser Woche in Bayern erneut ein Skandal aufgedeckt wurde, blieb Schnappauf erstmal im Urlaub. Sein Ministerium am Münchener Rosenkavalierplatz teilt nur mit: Wir haben alles im Griff. Jetzt weiß man, dass statt der zunächst vermuteten 30 bis zu 160 Tonnen umetikettierte Fleischabfälle in den Umlauf kamen. Und dass nicht Schnappaufs Behörden dies aufdeckten, sondern ein geständiger Lkw-Fahrer. Seit Tagen fordert die Opposition im Landtag deswegen seinen Rücktritt. Das erinnert an das vergangene Jahr. Damals ignorierten Schnappaufs Beamte tagelang Hinweise auf verdorbenes Fleisch in einem Münchener Schlachthof. Und der Minister war nicht im Hause.Auch sonst sorgt der Jurist regelmäßig für negative Schlagzeilen: Als er im vergangenen Sommer nach einer beispiellosen Hatz den Abschuss des nach Bayern eingewanderten Braunbären Bruno anordnete, brachte er viele gegen sich auf. Im Kampf gegen die Vogelgrippe fiel er weniger durch besonnenes Krisenmanagement als durch Aktionismus auf. Doch trotz dieser Pannenserie wird Schnappauf wohl Minister bleiben. Als Chef der oberfränkischen CSU schützt ihn der fein austarierte bayerische Regionalproporz. Mit seinen 54 Jahren gehört er ferner zu der nicht eben üppigen Nachwuchsriege seiner Partei. In der bayerischen Politik gelten eben eigene Gesetze.------------------------------Foto: Werner Schnappauf steht mal wieder in der Kritik.
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