Minister und Senator stellen die Weichen für den Bau von 1 200 Eigenheimen / Bonn tauscht Golfplatz gegen Gutsgelände

"Bundesmusterstadt" Gatow hat nun grünes Licht

BLZ
4 Min

Einem der größten Neubauprojekte Spandaus hat nun auch der Senat grünes Licht gegeben. Auf dem früheren Flugplatz Gatow soll 1997 damit begonnen werden, rund 1 200 Wohnungen für Bundesbedienstete zu errichten. Grundlage ist ein Paket von Vereinbarungen, das Bundesbauminister Klaus Töpfer und Stadtentwicklungssenator Volker Hassemer (beide CDU) geschnürt haben.Über das Bauvorhaben, das bis zum Jahr 2000 Spandau rund 3 000 Neubürger bringen dürfte, hatten Bund und Senat nicht weniger als zwei Jahre heiß diskutiert. Auf dem Weg zu der Eigenheimsiedlung sind die letzten Hürden genommen.Kein Wunder also, daß Töpfer und Hassemer während der Rundfahrt über das künftige Baugelände sichtlich erleichtert wirkten. Fröhlich begrüßten sie zwei Rotfüchse, die abseits der Busroute durch den Schnee stapften. Die Exponate des Luftwaffenmuseums, einige noch mit DDR-Emblem geschmückt, verschafften Töpfer ein zusätzliches Aha-Erlebnis: "Was sind denn das für Flugzeuge? Wer hat die denn nur hergeschleppt?" Zum Abschluß der Rundtour lud der Minister die Teilnehmer noch in eine Kladower Kneipe ein.Es war unverkennbar: "Wir haben es geschafft", frohlockte Hassemer. Dabei hatte er dreierlei im Blick: Die Park- und Wiesenlandschaft, in der sich der Golfclub Gatow tummelt, wird erhalten. Volker Hassemer, um den Erhalt der Frischluftschneise besorgt, hat sich durchgesetzt. Das 22 Hektar große Gelände, heute im Bundeseigentum, geht auf Berlin über. Dafür erhält der Bund vom Senat auf dem Gelände des Gutshauses Neu-Kladow rund fünf Hektar bestes Bauland. Prächtiger Havelblick Noch stehen dort Holzhäuser, in denen sich bis vor kurzem Senioren erholten. Doch nach einem Abriß wäre Platz für 80 Wohnungen - die meisten mit prächtigem Havelblick. Hassemer: "Dort kann sehr schnell gebaut werden." Der künftige Grünzug, zu dem der Golfplatz gehört, zieht sich von der Havel über die Stadtgrenze hinweg zur Döberitzer Heide. Möglich wird dies durch die Trennung des Wohngebiets. Ein Teil der Einzel-, Reihen- und Doppelhäuser entsteht auf einem Geländestreifen entlang des Ritterfelddamms. Der andere Teil umschließt die Siedlung Habichtswald im Südwesten. Dazwischen: der Grünzug - die betonierte Landebahn wird beseitigt. "Hier entsteht kein Fremdkörper. Bestehende Bebauung wird ergänzt," lobt der Senator. Die Bundeswehr baut ihre geplante dritte Gatower Empfangsantenne an einem Ort, an dem weder Bauland noch Golfplatz geopfert werden müßten. Es steht fest: Der Horchposten entsteht am Ostende der früheren Landebahn. "Dies hat uns das Verteidigungsministerium zugesagt", freut sich Guido Zielke, im Bauministerium Referatsleiter für die Wohnungsfürsorge. Dafür müßten in der Gatower Heide laut Hassemer "bis zu fünf Hektar Wald" fallen. "Dieser Eingriff wird mehr als ausgeglichen", sagt Töpfer. Denn im Gegenzug erhält das Land zirka 20 Hektar vom ehemaligen Schießplatz - für Begrünung und Aufforstung. Premiere geplant "Wenn all dies durchgeführt worden ist, wird sich die ökologische Situation in diesem Gebiet deutlich verbessert haben", lobt der Bauminister. Das geplante Wohngebiet werde diesen Eindruck nicht stören, im Gegenteil. "Dort soll es ökologisches Bauen und Solarenergie-Projekte geben", sagt Guido Zielke. Ihm schwebt eine grüne "Bundesmusterstadt" vor, die zudem nach den Grundsätzen kosten- und flächensparenden Bauens errichtet werden soll.In einem Wettbewerb, der spätestens Februar beginnt, sollen Städteplaner die Grundzüge der Bebauung festlegen - Stichwort "Masterplan". Danach steht eine Premiere auf dem Programm: Zum ersten Mal gebe es einen Entwicklungsträgerwettbewerb in Berlin, so Zielke. Gesucht wird ein Unternehmen, das für die Erschließung des gesamten, 80 Hektar großen Geländes sorgt - so soll Geld gespart werden. Im Frühjahr 1997 könnte der Bau beginnen.Nachdem Töpfer und Hassemer das Grundsätzliche geregelt haben, geht es jetzt um Details. Nummer eins: In der Siedlung ist Platz für ein Gymnasium, eine Grundschule, drei Kitas. Bislang sollte Berlin derlei Infrastruktur selbst bezahlen - Bonn verwies auf den Geldstrom, der nach Inkrafttreten des Hauptstadtvertrages bereits hierher geflossen sei. Nun aber zeichnet sich offenbar ein weiterer finanzieller Beitrag des Bundes ab. "Wir verhandeln", so Töpfer.Detail Nummer zwei: Das Baugelände am Gutshaus Neukladower Allee, das der Senat dem Bund überträgt, ist rund fünfmal mehr wert als der dafür eingehandelte Golfplatz. Keine Mark von Berlin Das berichtet Hans-Joachim Legermann von der Senatsfinanzverwaltung. Also müßten weitere Bundesgrundstücke in den Deal einbezogen werden - was noch auszuhandeln wäre. Hassemer verspricht: "Bei diesem Geschäft legt Berlin keine einzige Mark dazu."Peter Neumann +++

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