BERLIN, 24. Mai. Nach zahllosen Beschwerden verunsicherter Kunden will Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) nun die Preissteigerungen nach der Bargeldeinführung des Euro genauer unter die Lupe nehmen. Bei einem Euro-Gipfel mit Vertretern des Handels, Gastronomie, Verbraucherverbänden, Arbeitgeber und Gewerkschaften werde sie auf Preissenkungen drängen, kündigte Künast am Freitag in Berlin an. Ziel des runden Tisches in der nächsten Woche sei es, dass "die schwarzen Schafe ihre Preise wieder runterrechnen". Die Verbraucher seien zu Recht über die zum Teil "unverschämten Preise" verärgert. Dies führe gegenwärtig zu einer enormen Kaufzurückhaltung und schade der Konjunktur.Künast äußerte die Erwartung, dass auch die Wirtschaft ein Interesse an dem Treffen habe, das am kommenden Freitag im Verbraucherministerium stattfinden soll. Das Hotel- und Gaststättengewerbe erklärte, man begrüße den Gipfel und werde der Ministerin gern die Lage der Branche erläutern. Der Hauptverband des Einzelhandels (HDE) erklärte dagegen, er sehe keinen Handlungsbedarf. Es gebe faire Preise. Den wenigen mit dem Euro zusammenhängenden Preiserhöhungen stünden viele Preissenkungen gegenüber.Teuerung sinkt auf 1,2 Prozent Künast wie auch das Bundesfinanzministerium warnten aber zugleich vor zu hohen Erwartungen an die Gespräche. Eine Sprecherin von Hans Eichel (SPD) wies darauf hin, dass in Deutschland die Preise nicht gesetzlich vorgeschrieben werden könnten. In einer Marktwirtschaft würden sich diese nach Angebot und Nachfrage bilden. Gleichwohl habe das Treffen mit der Wirtschaft auf freiwilliger Basis einen Sinn. "Es wäre eine schlechte Regierung, wenn sie nicht auf die Gefühle der Bevölkerung reagieren würde", sagte die Sprecherin. Ziel sei es, das Vertrauen der Verbraucher in die Preisstabilität wieder zu festigen.Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise im Mai unterdessen weiter abgebremst. Die Lebenshaltungskosten seien im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat voraussichtlich nur noch um 1,2 Prozent gestiegen. Dies ist der niedrigste Anstieg im Jahresvergleich seit Ende 1999. Im April hatte die Teuerungsrate noch 1,6 Prozent betragen, im März waren es sogar 1,8 Prozent.Wie aus den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, wurden vor allem Heizöl, Gas und Kraftstoffe günstiger. Auch bei Nahrungsmitteln wurden nur noch geringe Verteuerungen beobachtet. Die hohen witterungsbedingten Preissteigerungen bei Obst und Gemüse hatten Anfang des Jahres stark zur Inflation beigetragen.
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