MÜNCHEN. Die Nacht verbrachte Bayerns neuer Ministerpräsident in der Münchener Staatskanzlei. Geschlafen habe er praktisch nicht, berichtete Horst Seehofer, kurz bevor er sein neues Kabinett der CSU-Landtagsfraktion vorstellte. "Manche haben sich gewundert, zu welcher Zeit ich sie angerufen habe." Die Zusammenstellung der Mannschaft war nicht einfach. Viele Altverdiente mussten weichen. Einzig Innenminister Joachim Herrmann bildete einen Pol der Ruhe: Er soll Innenminister bleiben. Auch die Erwartung, dass der bisherige Europaminister Markus Söder Umweltminister werde und Justizministerin Beate Merk bleiben würde, erfüllte sich.Ansonsten baute Seehofer sein Kabinett praktisch im Stunden-Rhythmus nach Bedenken und Protesten der Parteifreunde um, berichten Insider. Bis es dann gestern endlich stand. Vor allem der CSU-interne Regionalproporz, der nach wie vor eine nicht geringe Rolle spielt, hatte ihm bei seinem erklärten Ziel schwer zu schaffen gemacht, das Kabinett sowohl jünger als auch weiblicher zu machen. Denn mit dem neuen Finanzminister Georg Fahrenschon, dem neuen Kultusminister Ludwig Spaenle, der Ex-CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer als neuer Sozialministerin und dem vom Kultusressort in die Staatskanzlei versetzten Staatsminister Siegfried Schneider besetzen neben Seehofer selbst vier Oberbayern wichtige Ressorts in der neuen Landesregierung.Der Unmut der Niederbayern, Unter- und Oberfranken über eine drohende Übermacht des Südens zwang Seehofer, den sogar von der Opposition als hochqualifiziert angesehenen bisherigen Umwelt- und Verbraucherschutz-Staatssekretär Marcel Huber wieder von der Ministerliste zu streichen. Der Oberbayer sollte die Nachfolge von Josef Miller als Landwirtschaftsminister antreten, wird aber nun Staatssekretär im Kultusministerium. Um einen Aufstand der Niederbayern zu verhindern, wurde der niederbayerische Landtagsabgeordnete und Agrarexperte Helmut Brunner in letzter Minute als Landwirtschaftsminister ausgeguckt.Feine regionale TarierungDie Schwaben in der CSU müssen sich mit der alten und neuen Justizministerin Beate Merk und dem zum Finanz-Staatssekretär ernannten Wirtschaftsexperten der CSU-Landtagsfraktion Franz Pschierer begnügen, die Oberfranken mit der Staatssekretärin Melanie Huml, die vom Sozialministerium ins Umweltministerium wechselt. Oberfranken ist vertreten mit dem Landtagsabgeordneten Bernd Weiß, der neuer Staatssekretär im Innenministerium wird und die Oberpfalz steht mit der Europaministerin Emilia Müller und dem Staatssekretär im Sozialministerium Markus Sackmann im Kabinett Seehofer. Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium hatte die CSU nicht mehr zu besetzen - diese Ressorts fallen laut Koalitionsvertrag an die FDP.Die Zufriedenheit mit dieser Zusammenstellung hielt sich innerhalb der CSU-Landtagsfraktion in Grenzen, zumal der 59-jährige Regierungschef Seehofer konsequent alle über 60-Jährigen hinauswarf. "Wir haben eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten und deshalb gibt es nie eine vollständige Zufriedenheit", räumte Seehofer ein, zeigte sich aber dennoch von seinem "vernünftig ausbalancierten" Personaltableau überzeugt. "Wenn man das nicht als Neuanfang begreifen kann, weiß ich nicht mehr, was ein Neuanfang ist."------------------------------Foto: Georg Fahrenschon (CSU)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]