Das bislang letzte Mal, dass der FC Energie Cottbus auf den 1. FC Nürnberg getroffen war, ist etwa siebeneinhalb Jahre her. Damals musste der Bundesligist Energie Cottbus in die Abstiegsrelegation gegen den Zweitligisten Nürnberg und, zu Ungunsten der Lausitzer, war es einer der seltenen Fälle, in denen sich der Zweitligist durchsetzte. Nürnberg wurde Bundesligist, Cottbus stieg ab und kehrte bis heute nicht mehr in die Bundesliga zurück.
Am vergangenen Freitag waren die Vorzeichen etwas anders. Den Status der Favoriten hielten die Franken, die bisher ungeschlagen durch die 2. Bundesliga marschieren und nur den Spitzenreiter Hertha vor sich in der Tabelle haben. Trotzdem bekräftigte Nürnberg-Trainer Miroslav Klose, das Spiel beim Aufsteiger in Cottbus sei „mit das Schwerste“, das auf seine Mannschaft in der 2. Bundesliga zukommen würde.
Nun, beschränkt man sich auf die bisherigen Spiele der laufenden Saison, so fällt es einem schwer, dem Weltmeister von 2014 zu widersprechen. Zumindest dann, wenn man das 1:1 (0:0), mit dem sich die beiden Teams am Freitag trennten, gesehen hat. Und so sah sich auch Klose nach dem Spiel bestätigt. „Ich hatte gesagt, dass uns das schwerste Spiel erwartet – und genau das war es“, sagte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.
Viele Chancen, keine Tore
Gerade in der Anfangsphase erspielten sich die Lausitzer Chance um Chance, nutzten diese aber nicht zur Führung. „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, sehr intensiv, mit guten Momenten“, lobte selbst der eigene Trainer, Claus-Dieter Wollitz. Er monierte aber auch: „Nach den ersten 20 bis 22 Minuten hatten wir aber nicht mehr diesen Gegenpunch.“
Klose hätte diese Phase gerne zur Führung genutzt: „Wenn man dort das 1:0 macht, wird vieles leichter, weil der Gegner sich dann öffnen muss. Das ist uns nicht gelungen.“ Weil beide Seiten aber ähnliche Probleme hatten, ihre Möglichkeiten zu nutzen, war das 0:0 zur Halbzeit durchaus verdient.
Und dann? „Nach der Halbzeit war klar: Wer nutzt den ersten Fehler?“ Das war Cottbus in Form von Justin Butler, der sein 5. Saisontor schoss (56.). Die Lausitzer verteidigten die Führung mit Herz. „Wir haben heute als Kollektiv, jeder für jeden, gearbeitet“, lobte Torwart Marcel Lotka nach dem Spiel. Den späten Ausgleich durch Styopa Mkrtchyan (79.) konnten sie trotzdem nicht verhindern.
Spitzenspiel unter Flutlicht: Energie Cottbus punktet gegen Tabellenzweiten Nürnberg
Und so haderten Spieler und Trainer nach dem Spiel damit, dass sie gegen das Team, das bisher noch kein Spiel in der Saison verloren hat, nicht gewonnen haben. Denn, so sagte Lotka: „Wir gehen in jedes Spiel hinein, als würden wir es gewinnen wollen.“
Ihm war nicht entgangen, wie viele Möglichkeiten seine Mitspieler ausließen. „Ich glaube, wenn man den Spielverlauf sieht, hätten wir in der ersten Halbzeit schon einige Tore machen können“, sagte der Torwart.
Marcel Lotka hält den Ball fest.
© Daniel Marr/IMAGO
Wollitz ärgerte sich über eine andere Szene. Butler hatte kurz nach dem 1:0 das vermeintliche 2:0 erzielt, doch Vorlagengeber Henry Rorig hatte zuvor im Abseits gestanden. „Beim abseitsverdächtigen Tor waren wir einfach zu gierig: Das Passfenster war weit offen, Henry hätte den Ball auch bei einem späteren Lauf bekommen können. Mit einer guten Boxbesetzung wäre das vielleicht der Deckel gewesen“, kritisierte der Coach.
Der Ausgleich sei dann verdient gewesen, sagte Wollitz. Er war sich darin mit seinem Kollegen einig. „Insgesamt war es ein verdientes Unentschieden, und wir nehmen den Punkt mit, weil wir wissen, wie schwer es hier zu spielen ist“, sagte Klose.
Viele schöne Momente – und ein sehr schlechter
Obwohl er sicher gerne ausgenutzt hätte, dass Spitzenreiter Hertha BSC im Parallelspiel beim Tabellenletzten Holstein Kiel ebenfalls nur einen Punkt holte, Nürnberg den Abstand also auf zwei Punkte hätte verkürzen können, war es für den ehemaligen Topstürmer ein gelungener Abend. „Fantastische Energie, fantastische Stimmung im Stadion und viele Dinge, die Fußball ausmachen“, habe er erlebt.
Claus-Dieter Wollitz und Miroslav Klose waren sich nach dem Spiel in vielem einig.
© Daniel Marr/IMAGO
Und dann geriet Klose fast ins Schwärmen über den Besuch im Stadion der Freundschaft: „Die Herzlichkeit, mit der wir angekommen sind, war besonders. Keine Pfiffe, nichts. Als der Bus vorbeifuhr, war alles ruhig. Aber wenn der Schiedsrichter anpfeift, darf es keine Freundschaft sein. Das habe ich hier oft erlebt, und ich habe auch gerne hier gespielt.“
Wohl auch deshalb, vermutete er, schoss er insgesamt neun Tore, wenn er mit seinen Teams in der Lausitz war. Aber, und daran erinnerte er sich besonders: „Dass ich hier die einzige rote Karte meiner Karriere bekommen habe, ist leider das Negative, was hängen geblieben ist.“
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