Misstrauenserklärung an alle Mitarbeiter

Matthias Loke
2 Min

Man ist ja noch geneigt, der Deutschen Bahn bei ihrer unglaublichen Massen-Durchleuchtung zu Gute zu halten, dass sie etwas zur Bekämpfung von Korruption tun wollte. Korruption spielt bei Konzernen, die Jahr für Jahr milliardenschwere Aufträge vergeben, potenziell immer eine Rolle. Das Unternehmen ist verpflichtet, dagegen vorzugehen. Soweit der - möglicherweise gute - Vorsatz.Aber was die Bahn und ihr Vorstand glauben, sich dabei leisten zu können, ist für die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit schlicht unerträglich. Die Bahn hat in den vergangenen Jahren 173 000 Mitarbeiter regelrecht durchleuchten lassen - auf Verbindungen, die auf Korruption hindeuten könnten. Damit sind rund drei Viertel des gesamten Personalbestandes in einer Art Rasterfahndung überprüft worden. Allein diese unglaubliche Zahl lässt einen erschaudern. Davon abgesehen, ist dieses Screening eine einzige Misstrauenserklärung an alle Mitarbeiter, weil ohne konkrete Verdachtsmomente Komplettüberprüfungen vorgenommen wurden. Dazu passt, dass das Unternehmen es nicht für nötig hielt, die Betroffenen über diese Überprüfungen zu informieren.Die Fälle Lidl und Telekom haben bereits ein markantes Bild ergeben, wie weit Firmen bei der heimlichen Ausspähung gehen und dabei Grenzen bedenkenlos überschreiten. Die Bahn hatte bisher nur eingeräumt, dass sie etwa 1 000 Spitzenleute - allerdings auch deren Ehepartner - überprüft hatte. Jetzt ist das staatseigene Unternehmen in der Pflicht, alles vorzulegen - und zwar von selbst und nicht scheibchenweise.

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