Mit beherzten Runden fährt der Österreicher Zorn in seinem ersten Grand-Prix-Jahr auf Rang drei

Nikulin ist der neue Master of Spikes

Franziska Herbert
3 Min

BERLIN, 27. Dezember. Der 28jährige mit deutscher Lizenz fahrende Russe Wjatscheslaw Nikulin hat am Sonntag abend beim 3. Internationalen Eisspeedwayrennen in Berlin den totalen Triumph seines Landsmannes Wladimir Lumpow verhindert. Nikulin gewann das abschließende Rennen der vier Besten der beiden Veranstaltungstage vor Lumpow, dem Österreicher Franz Zorn und dem Deutschen Günter Bauer und sicherte sich damit den Titel des "Master of Spikes". Zuvor war Lumpow sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag in seinen jeweils vier Vorläufen sowie in beiden A-Finals ungeschlagen geblieben. Auffälligster AkteurTrotz des russischen Doppelsieges war der auffälligste Akteur des Internationalen Eisspeedwayrennens in der Eisschnellaufhalle des Sportforums Berlin-Hohenschönhausen ein anderer: Franz Zorn. Der Österreicher hatte sich nicht träumen lassen, am Ende des ersten Tages als Dritter auf dem Siegerpodest zu stehen und den amtierenden Weltmeister hinter sich zu lassen. "Es lief einfach alles super", sagte Zorn nach seinem Überraschungscoup am Sonnabend. Der 28jährige, der in dieser Saison erstmals in der Grand-Prix-Serie der Eisspeedway-WM fährt, hat damit bei seinem dritten Start nach 1996 und 1997 beim mit insgesamt 25 000 Mark dotierten "Master of Spikes" die beste Plazierung erreicht.In den Vorläufen hatte der Autokranfahrer aus Saalfelden die hochfavorisierten Russen das Fürchten gelehrt. Nur in seinem ersten Rennen mußte Zorn dem späteren Tagessieger vom Sonnabend, dem WM-Vierten Lumpow, den Vortritt lassen. Danach hatten sowohl der seit drei Jahren mit deutscher Lizenz fahrende Nikulin (Sieger Master of Spikes 1996) als auch der amtierende Weltmeister Alexander Balashow (Sieger Master of Spikes 1997) keine Chance gegen den beherzt fahrenden Zorn. Balashov wollte in dem Vorlauf, mit Zorn an zweiter Stelle liegend, mit Macht an dem Österreicher vorbei, riskierte aber zuviel und segelte kopfüber in die Schaumstoffbande zum Glück ohne größere Blessuren. "Sie kochen alle nur mit Wasser", meinte Zorn, auch wenn er im Finale um den Tagessieg Lumpov und Nikulin ziehen lassen mußte.Der von Eisspeedway-Experten als Geheimtip in der diesjährigen WM gehandelte Zorn, der vom Berliner Publikum am Sonnabend rund 4 000 Fans Sonderapplaus für seine Fahrten auf dem 400-Meter-Hallen-Oval erhielt, hat sich für sein erstes Jahr im Grand-Prix-Zirkus nur den Klassenerhalt vorgenommen, will aber "irgendwann auch mal Weltmeister werden".Zurück nach SaalfeldenNach Berlin geht es gleich auf die heimatliche Bahn in Saalfelden zum Training. "Der Speedwayclub Lenzing hat die 320-Meter-Piste jetzt super präpariert. Das Eis ist zirka 25 Zentimeter dick, und wir können dort nun endlich trainieren", sagt Zorn, der vor seinem Trip zum Rußland-Grand-Prix Mitte/Ende Januar noch zuvor am 16. Januar in St. Johann und einen Tag später in Saalfelden Rennen fahren will.Seine 500-ccm-Jawa-Maschinen werden von Harald Mößmer (Fahrgestell) und dem ehemaligen deutschen Weltmeister auf der Langbahn, Klaus Lausch (Tuning), vorbereitet. Und daß Zorn, der seit 1993 Eisspeedway fährt, in der Szene wirklich einen Sprung nach vorn machen kann, hat er nun in Hohenschönhausen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gerd Sievers, der Veranstalter des "Master of Spikes" und Chef des neuen Berliner ADMV-Ortsclubs "team zwei rad action", sieht ebenfalls in Franz Zorn einen hoffnungsvollen Fahrer aus dem deutschsprachigen Raum: "Der Franz hat das Zeug dazu, mal nach vorn zu kommen."

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