Die Bässe lassen die Innereien vibrieren, während die Leiber der Tanzenden im Stroboskop-Licht zucken. Ungeübte tun gut daran, sich einen festen Stehplatz zu sichern, am besten mit dem Rücken zur Wand. Der Keller des Tresors war immer und ist auch heute wieder etwas für mutige Touristen, aber eben auch für Techno-Kenner. Und trotzdem gibt es Streit, seit der Club vor zwei Monaten sein neues Domizil in einem alten Kraftwerk in der Köpenicker Straße aufmachte.Der eine Diskussionspunkt ist die Musik. Oder vielmehr: ihr Klang. Im Gästebuch des Tresor schreibt ein "amtlich": "Die Kelleranlage ist einfach inakzeptabel. So bringt die Musik einfach nicht den Spaß, den sie bringen könnte/sollte." Andere stimmen zu: Der Sound sei zu schwammig, insgesamt nicht hart genug. Eine Enttäuschung, nachdem man zwei Jahre auf die Wiedereröffnung gewartet habe, seit der Ur-Tresor in der Leipziger Straße einem Geschäftshaus weichen musste. Ein "nixfürungut" schreibt: "Mission gescheitert."Nicole Himmerlich kennt die Diskussion. "Es ist ja schön, dass sich so viele Leute sorgen. Und wir arbeiten auch ständig an Verbesserungen", sagt die Tresor-Managerin: "Aber ich verstehe die Kritik wirklich nicht. Es ist doch laut." Sie berichtet von Akustikfirmen, die sich den Keller angesehen und dem Schall nachgespürt haben. Ergebnis: Die Gewölbe mit ihren vielen Zwischenwänden und Nischen seien "sehr schwierig". Lieber spricht sie über künftige Projekte. Darüber, dass man auf der großen Tanzfläche, dem Batterieraum, mehr musikalische Abwechslung plane: ein bisschen House, auch Drum'n'Bass. "Und warum sollte in der Bar nicht Zweiraumwohnung spielen?" Nur im Keller bleibe alles beim Alten, also bei Techno.Freilich ist der Tresor nicht der einzige Ort für diese Musik, weshalb die Wiedereröffnung im Berliner Nachtleben offenbar einiges in Bewegung gebracht hat. Ben de Biel, mit seinem Club Maria nur zwei Straßenecken entfernt, sieht sich zwar nicht als Opfer. Aber natürlich befinde man sich im Wettbewerb. Schlimm sei das nicht, versichert de Biel, die Gäste seien doch sehr unterschiedlich: "Da geht das Rave-Volk zum Feiern hin. Ich mag die, die Musik hören."Während in den Tresor Azubis und Angestellte gingen, "habe ich sicher mehr Studenten", sagt de Biel, der in der Maria seit neun Jahren verstärkt auf Live-Musik setzt. Dennoch seien seine Zahlen tatsächlich nicht mehr so gut wie 2006 - ein, wie Ben de Biel sagt, "wirklich sehr gutes Jahr". Den aktuellen Rückgang begründet er lieber mit dem Sommer. "Es ist doch so, dass wir eigentlich seit März scheißgutes Wetter haben. Man konnte so viel draußen sein wie noch nie." Maue Zeiten für alle Clubs mit Dach.Auch über Jürgen Halm und seinen Club Pulp Mansion war kürzlich zu lesen, er leide sehr unter der neuen Konkurrenz. Sein Techno-Club in der Backfabrik, Saarbrücker Straße in Mitte, fahre mangels Publikum schon einen dünneren Sommerbetrieb, hieß es. Das stimme so nicht, sagt Halm. Zwar gebe es in Berlin eine Gruppe von gerade einmal vielleicht 5 000 Leuten, die mit elektronischer Musik etwas anfangen können, "und davon zieht der Tresor natürlich eine ganze Menge an". Aber die Orte seien unterschiedlich genug. Den Tresor nennt er "eine große Kiste", einen "Global Player, der an sich zu groß ist für die Stadt". Sein Pulp Mansion sieht schon bei 300 Gästen gut gefüllt aus. Halm: "Ich bin mit meiner Größe eigentlich ganz froh." Mittlerweile habe er festgestellt: "Die Leute kommen längst gerne wieder zurück."Tresor: Heute, 23 Uhr, "Girls On Speed!" mit u.a. Sylvie Marks, Drama Nui, Dj Kristin, Dj Dana, Dj Deph.Maria: Fr., 23 Uhr, "Evil Echnoton Evening" - Electro und Techno mit u.a. Lady Wax aus Russland und Fernando Martins aus Brasilien.Pulp Mansion: Sa, 0 Uhr, "Klubnacht" mit Tony Montana, Thomson, Chris Friend, Swift und Alexander Grundei.------------------------------Foto: Sven Väth, einer der Großmeister der Branche, legte zur Eröffnung des Tresors vor zwei Monaten auf. Im Batterieraum gab er für das Publikum und die Fotografen eine große Show. Anschließend zeigte er sich begeistert von dem neuen Ort.------------------------------Foto: Dem Schall auf der Spur: Zur Eröffnung war der Tresor-Keller vergleichsweise hell beleuchtet. Mittlerweile zucken dort Stroboskop-Blitze.
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