Mit der U-Bahn nach Seoul

GRIPS THEATER Das erfolgreichste Berlin-Musical muss nicht in Berlin spielen

BLZ
3 Min

Wer "Linie 1" von GRIPS-Autor Volker Ludwig für ein typisches Berlin-Musical hält, liegt mit seiner Annahme nur zum Teil richtig. Übertragungen zahlreicher Theaterbühnen in der ganzen Welt haben hinter den Berliner Verhältnissen ein spezifisch litauisches oder indisches Lebensgefühl freigelegt. Oder auch ein koreanisches!Kim Min'gi, Produzent, Nachdichter und Regisseur der "Seoul Line 1", gilt in Korea als Symbolfigur des Widerstandes. Er hat die Rollen aus "Linie 1" teils in mehrere Gestalten zerlegt, wieder neu kombiniert und Charaktere entwickelt, wie sie in Seoul leben, und hat so das Kunststück fertig gebracht, aus dem Original einen Klassiker des koreanischen Musicals zu machen. Im Oktober können Sie die beiden Fassungen auf der GRIPS-Bühne am Hansaplatz miteinander vergleichen. Denn anläßlich der Frankfurter Buchmesse ist das Hakchon-Theater aus Seoul zu Gast in Deutschland. Das GRIPS Theater hat die Kollegen kurzerhand nach Berlin eingeladen und zeigt neben der berliner "Linie 1" in drei Vorstellungen die koreanische Adaption.Wer von den rasanten Fahrten durch die Großstadt einfach nicht genug bekommen kann, der hat im Oktober Gelegenheit zu weiteren Abenteuern im Großstadtdschungel. "Melodys Ring", das Musical über die Eingewöhnungsprobleme einer jungen Neuberlinerin, führt Sie mit Witz und Tempo durch die Licht- und Schattenseiten der Metropole. Auch für dieses Kultstück zeichnen Autor Volker Ludwig, Komponist Birger Heymann und die GRIPS-Band verantwortlich.Ähnlich wie das Mädchen Sunny in "Linie 1" fühlt Melody sich in der Großstadt fremd. Da verliert sie auch noch beim Einkaufsbummel am Breitscheidplatz einen kostbaren Ring. So beginnt eine Verfolgungsjagd quer durch das Neue Berlin. Dabei lernt Melody zahlreiche Bewohner der Großstadt kennen: Die abgefahrene Chilli, den Palästinenser Hassan und Murat den "Türkberliner". Sie trifft auf die Angolanerin Marie, auf den alten Sigi und einen geheimnisvollen Blinden. Und sie begegnet Mujo, dem Flüchtlingsjungen aus Bosnien, der sich in Berlin vor der drohenden Abschiebung versteckt und Melodys Herz im Sturm erobert .Stürmisch geht es auch in dem Freibad-Musical "Baden gehn" zu. Weil nicht nur das Wetter den Badegästen übel mitspielt, sondern auch die Stadtverwaltung: An einem Tag kurz vor den Sommerferien stehen die Besucher vor verschlossenen Türen. Ihr sanierungsbedürftiges Freibad wurde von Amts wegen geschlossen: Die Stadt ist pleite. Ein paar Berliner lassen sich von einem Verbotsschild nicht von ihren Gewohnheiten abbringen, klettern über die Absperrung und gehen baden. Bademeister und Rentner, Lebenskünstler und Liebespaare, Lebensmüde und Glückskinder - hier treffen sich Menschen, die auf der Suche sind, die ihre Ängste und Hoffnungen verdrängen und immer wieder von ihnen eingeholt werden. Menschen, die nichts miteinander zu tun haben, an diesem Tag aber durch unvorhergesehene Ereignisse zusammen kommen, sich bedrohen, ignorieren, streiten, verlieben und für Momente von einem Glück getroffen werden, das sie verändert.------------------------------Seoul Line 114. & 15. Oktober, 19.30 Uhr. 16. Oktober, 18 Uhr.Linie 1 7., 8., 10. & 11. Oktober, 19.30 Uhr.Melodys Ring 25. Oktober, 18 Uhr.Baden gehn 1. & 2. Oktober, 19.30 Uhr.Kartentelefon: (030) 39 74 74 77www.grips-theater.de------------------------------Foto: Anlässlich der Frankfurter Buchmesse ist das Hakchon-Theater aus Seoul wieder zu Gast in Berlin.

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