BREMEN. Vierzehn Mal im Laufe seiner Karriere hatte Miroslav Klose es schon versucht, gegen den FC Bayern zu gewinnen. Es blieb beim Versuch. Bis zum Sonnabend, als der Nationalstürmer von Werder Bremen auch noch an allen drei Treffern beim 3:0-Erfolg über den deutschen Rekordmeister beteiligt war. Und was machte Boris Becker bei seiner Premiere als Premiere-Reporter? Er brachte es doch tatsächlich fertig, Klose die selten blöde Frage zu stellen: "Wie fühlen Sie sich?" Klose ist ein durch und durch höflicher Mensch, und so ignorierte er das anfängerhafte Gestammel des ehemaligen Berufs-Tennisspielers und antwortete wahrheitsgemäß und wohl kaum überraschend, dass er sich ziemlich gut fühle.Zwar hatte er ausnahmsweise mal selbst keinen Treffer beigesteuert, aber allein seine Vorbereitung zum 1:0 ließ nicht nur den einstigen Weltklasse-Stürmer Jürgen Klinsmann auf der Tribüne des Weserstadions mit der Zunge schnalzen. Darüber, wer die Nummer eins im deutschen Angriff ist, muss gottlob weder entschieden noch diskutiert werden. Klose führt die Torschützenliste nach wie vor mit 20 Treffern in 20 Spielen an, er hat in der Champions League unter Beweis gestellt, dass er höchsten internationalen Ansprüchen gewachsen ist. Lange fehlte lediglich im Nationalteam der Nachweis, dass er zur Kategorie der Weltklasse-Stürmer zu zählen ist. Das Länderspiel gegen die USA vor einigen Wochen könnte für Klose auch im Nationaldress so etwas wie einen Wendepunkt darstellen.Knochenbrüche im GesichtKaum jemand im Bundesliga-Zirkus ist auf der einen Seite so abhängig von Erfolgserlebnissen, kaum jemand braucht so sehr ein harmonisches Umfeld wie Klose (27). Auf der anderen Seite beweist kaum ein anderer Angreifer in der Liga solche Stehauf-Männchen-Qualitäten wie er. Drei verletzungsbedingte Pausen, darunter schwere Knochenbrüche im Gesicht, hat er in der laufenden Serie weggesteckt. Jedes Mal ist er in Rekordzeit zurückgekehrt auf den Platz. Miroslav Klose ist so etwas wie ein kontinuierlicher Glücksfall für Werder.Beim Sieg gegen den FC Bayern kam kurzfristig noch einer hinzu. Nämlich der, dass Werders oft kritisierte Innenverteidigung mit Naldo und Frank Fahrenhorst genau zum rechten Zeitpunkt Sicherheit und Stabilität demonstrierte. "Sie haben hinten sehr gut gestanden. Das war der Schlüssel zum Erfolg", lobte der frühere Bremer Valerien Ismaël. Die beiden eher hüftsteifen, aber ungemein bissigen und kopfballstarken Abwehrrecken waren um so mehr gefragt, weil das Bremer Mittelfeld spätestens nach der verletzungsbedingten Auswechslung des Kapitäns Johan Micoud unterzugehen schien. Vor allem der in fußballtechnischen Belangen doch eher limitierte Fahrenhorst hatte ein ums andere Mal in höchster Not irgendein Körperteil zwischen Ball und Werder-Tor gebracht. Wie Münchens Coach Felix Magath fand auch Bremens Trainer Thomas Schaaf, "dass wir phasenweise ganz schön Glück hatten", aber er stellte auch fest: "Wir haben gewonnen, weil wir zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht haben." Daniel Jensen (80.) mit seinem ersten Ligatreffer und Tim Borowski (83.) sorgten für das am Ende klare Ergebnis.Dass der Hamburger SV am Sonntag gewinnen würde, das wussten weder Magath noch Schaaf ahnen. Doch Magath sagte schon: "Wir können uns immer noch eine Niederlage leisten. Deswegen werden wir uns nicht in Sicherheit wiegen, was die Meisterschaft anbelangt, aber wir werden jetzt auch nicht nervös." Es liegt in der Natur der Sache, dass Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs genau darauf hofft und selbst den Titelkampf noch nicht ganz ad acta legen wollte. "Sieben Punkte Vorsprung auf uns sind schon eine Menge. Normal kann da nichts mehr passieren. Aber wir wollen vorbereitet sein für den Fall, dass die Konkurrenten schwächeln." Miroslav Klose erklärte ganz im Herberger'schen Sinne das nächste Spiel zum schwersten. Gegen Wolfsburg gelte es nachzulegen, um Platz zwei zu sichern. "An ganz oben denke ich gar nicht", sagte Klose, einer der derzeit selbst ganz oben ist.------------------------------Foto: Bremens wichtigste Stützen: Eigentorschütze Schweinsteiger (l.) und Klose.
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