TURIN. Gianluigi Buffon hat einen Meniskusschaden im Knie, er wird diesen Mittwoch operiert. Aber Meniskusschaden, pah, das ist nichts, wenn man ein entscheidendes Champions-League-Spiel gegen Bayern München bestreitet; Buffon führte also schon nach 19 Minuten einen Sprint vor, der selbst den Münchner Dauerläufer Ivica Olic in den Schatten gestellt hätte. Juves Torwart Buffon lief von seinem Arbeitsplatz auf der einen Seite des Feldes die rund hundert Meter hinüber zur anderen, wo seine Kollegen an der Eckfahne einen jubelnden Menschenhaufen bildeten, Buffon sprang dann als Letzter obendrauf. Juve hatte gerade das 1:0 erzielt, und was sollte jetzt noch schiefgehen? Das letzte Mal, dass Juve in der Champions League zu Hause nach einer 1:0-Führung verlor, liegt zehn Jahre zurück.So gesehen wurde es danach ein historischer Abend: Die Münchner gewannen das Spiel 4:1 (1:1) und sind nun für das Achtelfinale qualifiziert.Es war ein Endspiel für den FC Bayern. Und die Münchner zeigten von Beginn an, dass sie sich ihrer Situation bewusst waren, sie waren bissiger und lauffreudiger als die Turiner; schon nach elf Minuten traf Ivica Olic per Kopf den Pfosten. Olic stürmte gemeinsam mit Mario Gomez, flankiert von Thomas Müller und Danijel Pranjic, und das war überraschend: Eigentlich war der genesene Arjen Robben in der Startformation erwartet worden. Doch Trainer Louis van Gaal entschied sich erneut für die drei Mal in Folge siegreiche Anfangself, und es ging ja dann auch ohne den Kreativspieler aus den Niederlanden. Die Bayern zeigten in Turin ihre bisher wohl beste Saisonleistung.Gestört wurde der gute Eindruck einzig durch einen kapitalen Aussetzer von Innenverteidiger Martin Demichelis, der in einer unverschämten Lässigkeit an Juves Claudio Marchisio vorbeiziehen wollte; Marchisio aber nahm Demichelis den Ball ab, flankte sofort in den Strafraum, wo David Trezeguet per Direktabnahme Buffon zu seinem epochalen Sprint veranlasste. Die Juve-Fans unter den knapp 29 000 Zuschauern hüpften und schrien und fielen sich um den Hals, doch wer nun schon eine vorzeitige Entscheidung erwartet hatte, wurde getäuscht. Die Münchner kamen zurück - unter Mithilfe der Turiner.Butt verwandelt sicherIn der 29. Minute trat der Uruguayer Martin Caceres mitten im Sechzehnmeterraum Olic von hinten in die Hacken, den fälligen Strafstoß verwandelte - Hans-Jörg Butt. Der Münchner Torwart lief gemächlicher als zuvor Buffon auf die andere Seite des Platzes, und dann schoss er den Ball souverän in die linke Ecke. Es war Bayerns erster Elfmeter in dieser Saison und tatsächlich bereits das dritte Tor des Elfmeterschützen Butt gegen Juventus Turin in seinem insgesamt 50. Champions-League-Spiel. Und sein erster Treffer für die Bayern.In Turin sind sie seit Wochen unzufrieden mit den Leistungen der Juve, die Situation ist ähnlich wie in München. Nach 52 Minuten gab Ivica Olic dem Abend eine Tendenz: die Tendenz, dass danach die Münchner diejenigen sein würden, die von der Wende sprächen, und die Turiner diejenigen, die sich noch tiefer im Unglück sähen. Mark van Bommel flankte den Ball in den Strafraum, Daniel van Buyten zwang Buffon per Kopf zu einer Parade, der Ball sprang Olic vor die Füße, es stand 2:1 für die Bayern.Es wurde nun ein spannendes und nervöses Spiel. Beide Mannschaften rannten kompromisslos nach vorne, und die Fans trieben ihre Juve unermüdlich an, 29 000 schreiende Peitschen. Die Spannung schien greifbar - bis zur 83. Minute: Da traf Mario Gomez nach einer Ecke von Holger Badstuber zum 3:1. Die Juve-Fans gingen, und die Münchner hatten nun Gewissheit: Sie hatten ihre Chance genutzt. Den Schlusspunkt setzte Anatolij Timoschtschuk (90.).------------------------------Unsichere MailänderÜberzeugend: In der Gruppe C hat sich der spanische Rekordmeister Real Madrid mit einem überzeugenden 3:1 in Marseille für die K.o.-Runde qualifiziert.Etwas unsicherer als Real zeigte sich der AC Mailand beim Gastspiel in Zürich. Doch auch das 1:1 reichte dem italienischen Großklub zum Einzug ins Achtelfinale.Überraschend: Ohne Michael Ballack und mit einer Enttäuschung beendete der FC Chelsea die Gruppenphase. Gegen Apoel Nikosia kamen die Blues nur zu einem 2:2.------------------------------Foto: Ruhe bitte! Bayerns Ivica Olic verbietet dem Turiner Publikum das Pfeifen.
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