Mit einer Beteiligung der Deutschen Bank an der Postbank rückt die nächste Fusion näher

Im Übernahmekarussell

Stephan Kaufmann
4 Min

BERLIN. Die Deutsche Bank ist mit ihrem Einstieg bei der Postbank so gut wie am Ziel. Deutschlands Branchenprimus bestätigte gestern erstmals Gespräche mit der Postbank-Mutter Post über eine Beteiligung. Eingeweihten Kreisen zufolge ist der Kauf von knapp einem Drittel der Anteile aber schon beschlossene Sache. Auf längere Sicht wird von einer Übernahme der Aktien-Mehrheit ausgegangen.Nur zwei Wochen nach der Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank steht damit der nächste Milliarden-Deal in der deutschen Bankenbranche unmittelbar bevor. Den Kürzeren zieht Kreisen zufolge die spanische Großbank Santander, die in letzter Minute ebenfalls ein Angebot abgegeben hatte. Post-Chef Frank Appel bevorzuge aber die Deutsche Bank, da er bei dieser Lösung von späteren Kursgewinnen profitieren könne. Wohl schon heute wird der Aufsichtsrat der Post eine Entscheidung fällen. Damit sähe die Bankenbranche den vierten Zusammenschluss in nur zwei Monaten.Nach der Einigung auf ein Zusammengehen von Commerzbank und Dresdner und der Übernahme der Citibank durch die französische Crédit Mutuel war erwartet worden, dass die Deutsche Bank sich verstärkt um die Postbank bemühen würde. Marktbeobachtern zufolge dürfte die Deutsche Bank in einem ersten Schritt 29,75 Prozent der Postbank kaufen. In den Folgejahren könnten die restlichen Anteile von der Post übernommen werden, die 50 Prozent plus eine Aktie an ihrer Tochter hält.Harter WettbewerbDie Deutsche Post möchte sich von ihrer Bank trennen, um sich stärker auf das Kerngeschäft Briefzustellung und Logistik zu konzentrieren. Zuletzt waren Beobachter allerdings davon ausgegangen, dass die Post den Verkauf wieder absagen wird: Das Institut hat drastisch an Wert verloren. Hauptstreitpunkt in den aktuellen Verhandlungen dürfte daher der Preis für den Postbank-Anteil sein.Die Deutsche Bank ihrerseits dürfte von einer Übernahme der Postbank profitieren. Seit langem schon sucht Deutschlands Branchenprimus nach Möglichkeiten, von dem schwankungsanfälligen Investmentbanking unabhängiger zu werden und sich stärker auf das stabilere Privatkundengeschäft zu konzentrieren. Zu diesem Zweck übernahmen die Frankfurter bereits die Berliner Bank und die Filialen der Norisbank. Im Rennen um die Dresdner und die Citibank zog man jedoch den kürzeren. Mit der Postbank nutzt die Deutsche Bank nun die letzte Möglichkeit, an der hiesigen Branchenkonsolidierung teilzunehmen - auch wenn beide Institute nicht ideal zusammenpassen.Der Zusammenschluss wäre auch für den Finanzplatz Deutschland sinnvoll. Deutsche Banken stehen unter Fusionsdruck. Auf sich allein gestellt sind sie zu klein, um im internationalen Wettbewerb mitzuspielen. Die Konkurrenz in Deutschland ist zudem härter als in anderen Ländern, da sich Sparkassen, Genossenschafts- und Privatbanken den Markt teilen müssen, die harte Konkurrenz drückt die Gewinne.Das jedoch kommt den Kunden zugute - sie zahlen relativ geringe Gebühren. Daran würde sich auch mit einer Übernahme der Postbank nichts ändern. Langfristig jedoch könnten weitere Fusionen zu höheren Preisen führen. Die Kunden wären dann die Verlierer - und die Arbeitnehmer. Schließlich wird der Zusammenschluss von Dresdner und Commerzbank rund 9 000 Stellen kosten. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Post kündigten daher gestern an, sie würden einen Verkauf der Postbank ablehnen.------------------------------Wer ist die größte im ganzen Land?Mit dem Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank entsteht für den Branchenprimus Deutsche Bank ein neuer Konkurrent. Zwar ist die Deutsche Bank gemessen an ihrer Bilanzsumme das bei Weitem größte deutsche Kreditinstitut. Doch haben Dresdner/Commerzbank elf Millionen Kunden, die Deutsche nur knapp zehn Millionen. Deutlicher ist der Unterschied bei der Anzahl der Filialen.Durch eine Übernahme der Postbank könnte die Deutsche Bank Boden gut machen. Die Postbank ist mit rund 14 Millionen Kunden gemessen an dieser Zahl die größte Privatkundenbank in Deutschland - von diesen 14 Millionen Kunden zählt die Bank jedoch nur 4,5 Millionen zu ihrer Kernkundschaft. Mit ihren Standorten in rund 850 früheren großen Post-Filialen, die sie in eigener Regie führt, hat die Postbank auch ein dichtes Filialnetz in Deutschland. Betreut werden gut 17 Millionen Sparkonten und rund 4,9 Millionen Girokonten. Der Jahresüberschuss der Postbank lag 2007 bei rund 870 Millionen Euro.------------------------------Grafik: (2) Absturz: Die Postbank-Aktie hat in den vergangenen Monaten kräftig verloren. Der Börsenwert des Instituts liegt daher nur noch bei 7,3 Milliarden Euro - drei Milliarden weniger als im Februar.------------------------------Grafik: Konkurrenten------------------------------Foto: Zentrale der Deutschen Postbank in Bonn: Das Kreditinstitut dürfte bald seine Unabhängigkeit verlieren.

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