Die Ukraine wird 20 neue Saab-Kampfjets des Typs Gripen E/F aus Schweden beschaffen. Das gaben der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz auf dem Luftwaffenstützpunkt Uppsala bekannt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Finanziert werden soll der Kauf mit 2,5 Milliarden Euro aus einem 90 Milliarden Euro schweren EU-Kreditpaket für die Ukraine.
Wie die schwedische Regierung in einer Mitteilung erklärte, plant Stockholm zusätzlich, 16 ältere Maschinen vom Typ Gripen C/D als bilaterale Militärhilfe zu spenden, sobald Kiew den Kauf der neueren Modelle abschließt. Die Lieferung der gespendeten C/D-Jets soll laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bereits Anfang 2027 beginnen, die neuen E/F-Maschinen mit stärkeren Triebwerken, größerer Reichweite und modernerer Avionik sollen ab 2030 zur Verfügung stehen.
„Gripen ist die beste und optimale Wahl für die Ukraine“, sagte Kristersson laut Reuters. Selenskyj sprach laut dem Kyiv Independent von einem „historischen Tag“ und kündigte an, sein Land beabsichtige, die in einer Absichtserklärung vom vergangenen Herbst vorgesehenen 150 Maschinen vollständig zu erwerben. Erste Fähigkeiten erwarte die Ukraine binnen zehn Monaten, ukrainische Piloten hätten bereits mit der Ausbildung begonnen.
Gripen-Kampfjets besonders für Ukraine geeignet
Saab-Chef Micael Johansson bezeichnete den Abschluss gegenüber Reuters als „großen Tag“ für das Unternehmen. Die Saab-Aktie legte am Donnerstagmittag um 4,4 Prozent zu und war damit größter Gewinner an Europas Börsen.
Laut dem Kyiv Independent gilt der Gripen unter Militärexperten als für ukrainische Bedingungen besonders geeignet: Das Flugzeug kann von kurzen Pisten und sogar Autobahnabschnitten starten, was es weniger anfällig für russische Raketenangriffe auf Flugplätze macht. Peter Layton vom Royal United Services Institute (RUSI) verwies darauf, dass die schwedische Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg darauf vorbereitet sei, mit Wehrpflichtigen von vielen verteilten Standorten aus zu operieren. RUSI-Forscher Justin Bronk hob gegenüber dem Kyiv Independent hervor, dass nur die mit dem Gripen einsetzbare Meteor-Rakete eine ausreichende Reichweite besitze, um russische Su-34-Jets zu bedrohen, die aus 60 bis 100 Kilometern Entfernung Gleitbomben abwerfen.
Das Gripen-Paket ist nach Angaben der schwedischen Regierung Teil des bislang größten Militärhilfepakets Schwedens für die Ukraine, das auch Langstreckenwaffen, Munition und elektronische Kampfführung umfasst. Insgesamt hat Schweden laut Reuters bereits Militär- und Zivilhilfe im Wert von 128 Milliarden schwedischen Kronen (rund 13,75 Milliarden US-Dollar) geleistet.
Wegen EU-Liste: Panama verschärft Steuerregeln für multinationale Konzerne
Streit um EU-Mitgliedschaft: Selenskyj weist Merz-Vorschlag als „unfair“ zurück
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]