Vor dem Lebewohl muss noch was geklärt werden: „Welches waren gleich nochmal die Texte von Heiner Müller?“ Es ist kurz nach der Premiere von Lessings „Nathan der Weise“, nach 18 Jahren der letzten von Axel Vornam als Intendant in Heilbronn. Im Foyer wird getanzt, die Älteren sind dabei, sich zu verabschieden, aber die Müller-Frage ist einer Dame so wichtig, dass sie ihren Mann – und zwar ausgesprochen fröhlich – noch ein bisschen warten lässt.
Die Inszenierung hatte mit Müllers „Glücklosem Engel“ begonnen und mit seinem „Engel der Verzweiflung“ geendet. Der bedeutendste deutsche Dramatiker, sagt Vornam. Weshalb er die Heilbronner über die Jahre offenbar so sehr an ihn gewöhnt hat, dass sie selbst in Partylaune mehr davon wollen. „Im Schatten meiner Flügel wohnt der Abgrund.“ In der Käthchen-Stadt Heilbronn. Viel mehr Kompliment geht nicht.
Intendantenabschied
Mit Müller nach Heilbronn: Wie der Ossi Axel Vornam die reichste Stadt noch reicher machte
Der Intendant Axel Vornam wurde beargwöhnt, als er aus Rudolstadt an den Neckar kam. Nach 18-jähriger Intendanz übergibt er ein Erstligisten-Stadttheater und wird gefeiert.
Matthias Schmidt
8 Min
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Engel der Geschichte. Heiner-Müller-Szene aus Axel Vornams Inszenierung „Nathan, der Weise“ in Heilbronn. Mit Luise Haley und Ingrid Richter-Wendel (v.l.)
© Jochen Quast
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