Mit Solarpojekten will sich der Südosten einen Namen machen - doch getan wurde bislang wenig

Die Boote bleiben liegen

Marcel Gäding
3 Min

Ginge es nach Burckhard Adam, dann würde es in Köpenick längst ein Solarzentrum geben. Dort könnten der Diplomingenieur für Energetik und seine Mitstreiter Hausbesitzer über den sinnvollen Einsatz von Solarenergie informieren. Und an einem Steg würden solarbetriebene Boote für Fahrten entlang von Spree und Dahme angeboten. - Doch für den Chef der bezirklichen Solarberatung Ibasolar bleiben die Vorstellungen vorerst nur Ideen auf dem Papier. Und das nun schon seit fast sechs Jahren. Für das Projekt braucht Adam die Unterstützung des Bezirksamtes. Das hat zwar inzwischen ein Wassergrundstück in der Lindenstraße 45 gekauft - für Adam aber viel zu spät. Denn Ibasolar besteht inzwischen nur noch aus ihm. Die Mitarbeiter, die das Solarzentrum benötigt, sind arbeitslos, weil die Förderung des Arbeitsamtes inzwischen beendet wurde.Traurige Berühmtheit1995 schloss sich das Bezirksamt der Idee von Umweltexperten und Unternehmern an, den Berliner Südosten zur Solarregion zu machen. Viel ist seitdem jedoch nicht passiert. "Es ist unnötig viel Zeit ins Land gegangen", sagt Hauptinitiator Adam. Das Bezirksamt hatte von Anfang an seine Unterstützung zugesagt. Doch einzig eine Ausleih- und Tankstation für solarbetriebene Boote machte die Idee von dem Solarbezirk über Köpenicks Grenzen bekannt: 1995, als sie als erste ihrer Art in Europa in Betrieb genommen wurde, 1999, als sie von Wendeschloss an den Frauentog zog und zuletzt in der vergangenen Woche, als ihr Betreiber Holger K. zwei Mitarbeiter des Bezirksamtes als Geiseln nahm. Jetzt ist die Ausleihstation zu, K. sitzt in Haft und die Boote bleiben liegen. Dass Holger K. jetzt die Nerven durchgegangen sind, sei kein Wunder, sagt Adam. Denn immer wieder sei K., ein begeisterter Verfechter der Solaridee, von der Verwaltung hingehalten worden. "Es ging um einen richtigen Standort für ihn und seine Boote." Eine Zusage habe er nicht erhalten. Und die Bank, die K. s Pläne finanziell unterstützen sollte, verlangte ein langfristiges Konzept. "Ohne festes Grundstück funktioniert so etwas nicht."Adam wartet darauf, dass der Bezirk nun endlich Tatsachen schafft. "Es muss ein Vertrag her", sagt er. "Schließlich gibt es einen Investor für das Solarzentrum." Am liebsten wäre ihm, das Grundstück in der Lindenstraße zu pachten. Die Solartankstelle will er dort ansiedeln. Sie könnte von ehemaligen Mitarbeitern Holger K. s betrieben werden.Möglichst bald will Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD) mit Ibasolar über das Solarzentrum reden. Dass sich das Projekt so in die Länge zieht, hat für Ulbricht mehrere Gründe. "Erst musste ein passender Standort gefunden werden", sagt er. Und dann sei immer noch nicht geklärt, ob das Vorhaben auch vom Land gefördert wird. Ulbricht will sich auch beim Staatsanwalt einen Termin geben lassen, um mit dem inhaftierten Holger K. zu sprechen. Worum es dabei konkret gehen soll, sagt der Bürgermeister nicht.Der Solarbezirk // Seit sechs Jahren versuchen Bezirksverordnete, Mitglieder von Umweltverbänden und Privatleute, den Berliner Südosten zur Solarregion zu machen. Während sich die Verwaltung noch zurückhält, nutzen immer mehr Privatleute die Sonnenenergie.Lediglich auf acht Gebäuden der Bezirksverwaltung stehen acht Solaranlagen. Weit mehr sind es bei Privatleuten. Immerhin gewinnen 220 Haushalte im Altbezirk Köpenick ihren Strom über die Sonnenenergie.Die Solarboottankstelle galt als Vorzeigeprojekt. Doch sie bleibt zunächst geschlossen, weil deren Betreiber in Untersuchungshaft sitzt. Ibarsolar, die bezirkliche Solarberatung, will die Tankstelle auf dem Gelände des künftigen Solarzentrums ansiedeln.Der Tourismusverein Treptow-Köpenick hält die Idee von der Solarboot-Ausleihe nach wie vor für gut, kritisiert aber, dass die Ausleihe zu teuer war. So hatte die Miete für ein Boot pro Tag bis zu 198 Mark gekostet.BERLINER ZEITUNG/WULF OLM Die Solartankstelle ist seit der vergangenen Woche geschlossen. Ihre Zukunft ist ungewiss.

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