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Mit Trump als Frontfigur: Vom verstörenden Siegeszug des „Wohlstandsevangeliums“

Prediger wie Paula White und Kenneth Copeland verbinden Glauben, Reichtum und politische Macht – und machen den US-Präsidenten für Millionen zum „Gottgesandten“.

Frank Kürschner-Pelkmann
9 Min
Donald Trump genießt sichtlich, was Paula White (gelbes Kleid) vor dem Weißen Haus über ihn kundtut.

Donald Trump genießt sichtlich, was Paula White (gelbes Kleid) vor dem Weißen Haus über ihn kundtut.

© CNP/AdMedia/Imago

Dies ist ein Open-Source-Beitrag. Die Ostdeutsche Allgemeine und die Berliner Zeitung geben allen Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten.


„Wo auch immer ich hingehe, dort regiert Gott. Wenn ich zum Weißen Haus gehe, geht Gott dorthin. Ich habe die Autorität zu sagen: Das Weiße Haus ist heiliger Boden, denn ich stand dort. Wo ich stehe, ist heiliger Boden.“ Das verkündete Paula White, die religiöse Beraterin von Donald Trump, bereits in dessen erster Amtszeit als Präsident. Sie ist eine prominente Verfechterin des „Prosperity Gospel“. Das „Wohlstandsevangelium“, so die deutsche Übersetzung, bestärkt die Reichen darin, ihre wirtschaftlichen Aktivitäten fortzuführen, obschon Mitmensch und Natur dafür häufig einen hohen Preis zahlen.

Jesus hatte angekündigt, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich kommt. Doch die Texte in der Bibel, die die Reichen zur Umkehr und zum Teilen mit den Armen auffordern, werden von den Predigern dieser Lehre einfach ignoriert. Sie beschränken sich hingegen auf ein sehr selektives Lesen anderer biblischer Stellen. Nur so können sie den Wohlhabenden verkünden, dass ihr Reichtum Ausdruck der Gnade Gottes ist.

Keine Überraschung also, dass sich viele Reiche von diesem „Wohlstandsevangelium“ angesprochen fühlen. Was indes wundert, ist der Umstand, dass diese religiöse Auffassung auch viele Anhänger unter den Armen der Welt hat.

Ursprung in den USA

Das „Wohlstandsevangelium“ hat seinen Ursprung in den USA, wo es in den Fünfzigerjahren formuliert wurde. Es wird heutzutage von bekannten US-Fernsehpredigern verbreitet, die selbst durch ihre Religionskonzerne zu großem Reichtum gekommen sind.

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Das „Wohlstandsevangelium“ knüpft an den amerikanischen Traum an, der allen ein Leben mit Erfolg und Reichtum verheißt. Getragen von einem uneingeschränkten Vertrauen in den freien Markt und seine Fähigkeit, dem Gemeinwohl zu dienen. Jeder könne den Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen – und mit dem Glauben an Gott werde dieser Aufstieg auch gelingen.

Zu den prominentesten Vertretern dieser Erfolgstheologie gehört Creflo Dollar (er heißt wirklich so). Er steht an der Spitze der „World Changes Church International“, deren Fernsehprogramme in vielen Ländern der Welt zu sehen sind. Creflo Dollar lässt sich in seinem Rolls-Royce zu seinen Gottesdiensten chauffieren und hat auch ansonsten einen aufwendigen Lebensstil. Er betrachtet sich selbst als Beweis dafür, dass seine Versprechen von Wohlstand und Reichtum in Erfüllung gehen.

Hier ein Beispiel seiner Spendenwerbung: „Gib Gott etwas, aus dem er etwas machen kann. Was du säst, wirst du ernten. Säst du zehn Dollar, bekommst du 100 zurück. Säst du 100, bekommst du 1000 Dollar zurück.“ Für die Spenden gibt es laut Creflo Dollar sogar eine Erfolgsgarantie, denn für Gebete, die mit Spenden bekräftigt werden, gelte, dass Gott „keine andere Wahl hat, als unsere Gebete zu erhören“.

Leben im Luxus: Kenneth Copeland im Jahr 2010

Leben im Luxus: Kenneth Copeland im Jahr 2010

© Jeff Malet/Imago

Prediger mit Privatjet

Auch Kenneth Copeland darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Seit 1967 verkündet der inzwischen 89-Jährige, dass die Kraft zur Erlangung von Wohlstand direkt von Gott kommt und dass Jesus ein reicher Mann war. Wohlstand zeige Gottes Liebe, während Armut und Krankheit Zeichen des fehlenden Vertrauens in Gott seien. Wer für die Organisation von Copeland spende, dem werde Gott dies hundertfach vergelten.

Das Vermögen von Copeland wird auf mehrere Hundert Millionen Dollar geschätzt. 2015 sammelte er Spenden, um sich einen Businessjet „Gulfstream V“ zu kaufen. Den Preis des Jets verschwieg der Prediger beharrlich. Nachdem der Jet gekauft war, jubelte er auf seiner Website: „Ehre sei Gott! Die Gulfstream ist in unseren Händen.“

Auch in Brasilien und Afrika weitverbreitet

Viele Arme im Süden der Welt vertrauen auf die Zusage des „Wohlstandsevangeliums“, dass auch sie bald reich oder zumindest wohlhabend sein werden, wenn sie nur fest genug glauben – und spenden. Besonders groß ist der Einfluss dieser Prediger in Brasilien. Der inzwischen abgewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro vertritt dieses „Evangelium“.

Die brasilianische Politikerin Monica Francisco, die einer sozial engagierten Gemeinde angehört, lehnt dieses „Evangelium“ und seine politische Instrumentalisierung ab: „Der Wunsch, sozial aufzusteigen, der Misere zu entfliehen, das greifen die auf mit ihrem ‚Wohlstandsevangelium‘, das perfekt zum kapitalistischen System passt. Es geht nicht um Nächstenliebe, nicht darum, das Leben der Gemeinschaft im Hier und Jetzt zu verbessern oder gegen soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen, sondern um den persönlichen, auch finanziellen Erfolg. Je mehr man besitzt, je mehr man verdient, umso höher steht man in der Gunst Gottes.“

Chris Oyakhilome wiederum gehört zu den finanziell erfolgreichsten Predigern in Nigeria, einem Land mit gewaltigen Unterschieden zwischen Arm und Reich. Er verkündet: „Jede Gabe ist eine Bekundung unseres Glaubens an Gott und sein Wort.“ Gern verwendet er das Bild vom Samen und der zu erwartenden Ernte. Wer finanziellen Erfolg haben oder gesund werden wolle, der müsse in den Samen investieren, also spenden.

Gwakisa Mwaipopo, Pfarrer einer lutherischen Gemeinde in Daressalam/Tansania, hat die wachsende Popularität von Kirchen, die Wohlstand und Gesundheit versprechen, beobachtet: „Die neuen Kirchen sind eher kommerzielle Einrichtungen als Einrichtungen des Glaubens, der Schwerpunkt ihrer Unterweisung liegt auf der Aufforderung, Geld zu spenden. Es wird gelehrt, man könne durch Spenden Gott dazu bringen, dem Geber Heilung oder Reichtum zu verschaffen. Demzufolge werden Gebete nicht erhört, wenn sie nicht mit Spenden des Betenden und Bittenden einhergehen.“

Auch der ehemalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro zählt zu den Vertretern des „Wohlstandsevangeliums“.

Auch der ehemalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro zählt zu den Vertretern des „Wohlstandsevangeliums“.

© Mateus Bonomi/Imago

An der Seite von Donald Trump

„Ehre den Herrn mit dem Besten, was du hast, schenke ihm das Beste deiner Ernte.“ Mit Aufforderungen wie dieser will Paula White in ihren Fernsehpredigten gläubige Christen dazu motivieren, Spenden auf das Konto ihrer Organisation zu überweisen. Wer „Paula White Ministry“ Geld schickt, schenkt es Gott, lautet die Logik dieser Fernsehpredigerin. Wie viel Geld davon auf ihr Privatkonto gelangt, ist nicht bekannt.

Bereits 2002 hatte White den Immobilienmagnaten Trump kennengelernt und war zu seiner religiösen Begleiterin geworden. Im Wahlkampf 2016 unterstützte sie Trump aktiv und trug dazu bei, dass um die 80 Prozent der evangelikalen Wähler für ihn stimmten. Nach seinem Wahlsieg berief Trump die Fernsehpredigerin offiziell zu seiner religiösen Beraterin. Die Anhängerin des „Wohlstandsevangeliums“ nahm nach eigener Aussage diese Aufgabe im göttlichen Auftrag wahr. Sie verkündete, der US-Präsident sei ein „Gottgesandter“ und dass ein Nein zu Trump ein Nein zu Gott wäre.

Im Wahlkampf 2020 wurde Trump erneut intensiv von White unterstützt. Sie trug ganz wesentlich dazu bei, Trump zur christlichen Heilsgestalt zu stilisieren, obwohl er – ebenso wie White selbst – bereits zweimal geschieden war und in dritter Ehe lebt. Auch Trumps übrige Lebensweise entspricht so gar nicht den Glaubensvorstellungen der US-Evangelikalen, die die Bibel als unfehlbares Wort Gottes verstehen und nach diesem Evangelium leben wollen. Aber nun erschien Trump als von Gott gesandter Mensch, der evangelikale Themen wie die strikte Ablehnung von Abtreibungen und von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder Ehen teilte.

Das „Wohlstandsevangelium“ ist für White eine probate Lehre, um zu verkünden: „Donald Trumps ökonomischer Erfolg ist der beste Beweis dafür, dass Gott ihn segnet.“ Sie selbst kann ebenfalls – nach eigener Überzeugung – beweisen, dass Gott sie segnet, ist sie doch so reich, dass sie sich eine 3,5-Millionen-Dollar-Wohnung im Trump Tower in New York leisten konnte.

Mit dem „Wohlstandsevangelium“ gelang es, auch Millionen armer US-Bürger dazu zu veranlassen, den Milliardär Trump zu wählen. White kann die Zuschauer für ein Evangelium gewinnen, bei dem Jesus an der Seite der Gewinner in der Gesellschaft steht. Die Wohlhabenden und Reichen könnten sicher sein, dass Gottes Segen auf ihnen ruht. Und jeder wirklich Glaubende habe die Aussicht, bald ebenfalls zu diesen Reichen zu gehören.

Auch viele evangelikale Gläubige sind entsetzt

Dass Trump die Präsidentschaftswahlen 2020 verlor, wollte White wie Trump selbst nicht anerkennen. Am 6. Januar 2021 versammelten sich Trump-Anhänger im Präsidentenpark in Washington. Der Verlierer verkündete sein Märchen vom Wahlbetrug. White betete bei der Veranstaltung für die Trump-Anhänger, die kurz darauf den Kongress stürmten: „Herr, schenke ihnen heilige Kühnheit.“

Nachdem Joe Biden Präsident geworden war, wurde es etwas ruhiger um White. Aber rechtzeitig vor der nächsten Präsidentschaftswahl 2024 betrieb sie erneut Werbung für Trump und trug zu seinem Wahlsieg bei. Dieser machte seine Unterstützerin zur Leiterin seines Glaubensbüros im Weißen Haus.

Erschreckend ist, wie die beiden im Gleichklang die religiöse Überhöhung des Präsidenten vorantreiben. Ein Tiefpunkt war erreicht, als Trump kürzlich in den sozialen Medien ein Bild verbreitete, das ihn gebeugt über einen Kranken im Bett zeigte. Auf dem künstlich erzeugten Bild wurde der Präsident so dargestellt, dass er unübersehbar an den heilenden Jesus erinnerte. Das löste auch bei vielen evangelikalen Gläubigen Entsetzen aus, und Trump sah sich veranlasst, das Bild zu löschen.

Das Nationale Gebetsfrühstück in Washington findet jedes Jahr am ersten Donnerstag im Februar in Washington statt. Beim Gebetsfrühstück 2026 verkündete White, Trump sei der „Greatest of all Time“, der Größte aller Zeiten.

Die anschließende Rede des „Goat“ war geprägt von den schon üblichen Diffamierungen seiner politischen Gegner und einer maßlos übertriebenen Darstellung seiner Erfolge. Die reichen Unterstützer des „Wohlstandsevangeliums“ werden gern gehört haben, dass Trump sich selbst lobte, er habe die „größten Steuersenkungen aller Zeiten gemacht“.

Frank Kürschner-Pelkmann lebt als freiberuflicher Autor in Großhansdorf. Er beschäftigt sich mit Lokalgeschichte, internationaler Politik und mit religiösen Themen, u. a. mit dem christlichen Fundamentalismus.

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