Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten protestieren gegen geplante Ausgliederung

Streik im Schloss

Andrea Schulz
3 Min

Touristen standen vor geschlossenen Toren: Schlösser und Herrenhäuser in Berlin und Brandenburg hatten gestern bis zum Mittag wegen eines Streiks geschlossen. Die Gewerkschaft Verdi hatte alle 580 Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zu einer vierstündigen Arbeitsniederlegung aufgerufen. Betroffen waren fast alle Schlösser der Stiftung, darunter die in Charlottenburg, Grunewald, Glienicke und auf der Pfaueninsel sowie alle Palais und Herrenhäuser in Brandenburg. Eine Ausnahme bildete nur das Potsdamer Schloss Sanssouci: Dort hatte die Stiftung eine private Wachschutzfirma beauftragt, die die Touristen kostenlos ins Haus ließ.Einbußen befürchtetMehr als 300 Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten waren am Vormittag zu einer Kundgebung vor dem Schloss Charlottenburg zusammengekommen. "Wir wollen deutlich machen, dass wir mit den Plänen der Geschäftsleitung nicht einverstanden sind", sagte Manfred Loos. Der für die Stiftung zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär aus Potsdam will verhindern, dass rund 100 Stiftungsmitarbeiter Ende des Jahres in eine Servicegesellschaft ausgegliedert werden. "Wir befürchten drastische Lohneinbußen der Betroffenen und weitere Ausgliederungen", erklärte Loos. "Es geht um Jobs, die eh nicht besonders gut bezahlt sind. Schlossführer, Kassen- und Aufsichtskräfte verdienen auch jetzt schon im Öffentlichen Dienst nicht viel."Das Schloss Charlottenburg wurde für die Kundgebung ausgewählt, weil dort ab 9.30 Uhr der Verwaltungsrat der Stiftung tagte, der Entscheidungen über die geplante Ausgliederung vorbereiten wollte. Bei Ankunft der Referenten und des Generaldirektors der Stiftung, Hartmut Dorgerloh, wurden viele Transparente hoch gehalten. Auf ihnen war etwa zu lesen: "Erhalten, vermitteln, bewahren, verscherbeln" oder "Zwei Kollegen, ein Tarif". Eine Streikende mit Verdi-Weste sagte: "Keine Ahnung, ob die da oben das interessiert, dass wir hier stehen. Aber sie sollen wissen, dass wir das nicht in Ordnung finden, was sie sich ausgedacht haben."Im Potsdamer Schloss Sanssouci kam es vor den Eingängen zeitweilig zu leichten Auseinandersetzungen. Streikende Mitarbeiter wollten die privaten Wachschützer daran hindern, das Schloss für Besucher zu öffnen. Außerdem redeten Streikende immer wieder auf Touristen ein, das Schloss nicht zu betreten. Laut Verdi-Vertreter Loos hätten sich auch einige Touristen von einem Besuch abhalten lassen.Die Stiftung argumentiert, dass durch die Ausgliederung Arbeitsplätze gesichert werden sollen. Außerdem sollen die Tarife für jene Stiftungs-Mitarbeiter erhalten bleiben, die in die neue Servicegesellschaft wechseln. Bei Neueinstellungen hingegen gilt diese Garantie nicht. Verdi befürchtet, dass neue Mitarbeiter dann nur noch Niedriglöhne von vier Euro die Stunde verdienen würden. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Loos. Am 1. Juni wollen sich Vertreter von Verdi und der Stiftung an einen Tisch setzen, um zu verhandeln.------------------------------Foto: Streik vor dem Schloss Charlottenburg: Mehr als 300 Mitarbeiter der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten demonstrierten gestern gegen eine geplante Umstrukturierung.

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